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Zentralbanken drohen wegen der steigenden Zinsen ebenfalls Einbußen auf ihre Anleihebestände. Doch anders als Geschäftsbanken vermögen sie auch sehr hohe Verluste auszuhalten, weil sie ihr Geld selbst drucken.
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A.L: Der unterstrichene Satz ist dummerhaftig. Wenn Notenbanken Geld drucken, geschieht dies, indem sie Staatsanleihen kaufen und die dafür benötigten Euros "aus dünner Luft" erzeugen. Die Staatsanleihen stehen anschließend ls Aktiva in der Bilanz, die erzeugten Euros als Passiva. Der Euro-Minus-Saldo ist also eine Art "Dispokredit", den sich die EZB selber einräumt.
Entscheidend dabei ist, dass die Bilanz dabei ausgeglichen bleibt.
Den ca. 5 Billionen Euro an Staats- und Unternehmensanleihen (Aktiva), die die EZB in den letzten Jahren gekauft hat (fast alles in Tiefzinszeiten), stehen 5 Billionen Euro Schulden (Passiva) gegenüber.
Nun jedoch ist diese Bilanz aus dem Gleichgewicht geraten, weil der Marktwert der Staatsanleihen wegen der Inflation deutlich gefallen ist, auf schätzungsweise 4 Billionen Euro. Das heißt, dass den 5 Billionen Euro-Schulden der EZB nun nur noch ca. 4 Billionen an Anleihewert gegenüberstehen.
Infolgedessen hat die EZB jetzt - genau wie die SIVB - eine Schieflage in ihrer Bilanz. Die EZB sitzt auf ca. 1 Billion Buchverlusten. Das gleiche gilt für die US-Notenbank Fed. Das ist mehr als das vorgehalten Eigenkapital, und entspricht technisch einer Pleite.
Allerdings sind Notenbanken, anders als Geschäftsbanken wie die SIVB, NICHT gezwungen, diese Staatsanleihen notzuverkaufen. Sie können sie zur Fälligkeit halten und erhalten dann üblicherweise 100 % der Kaufsumme (den Nominalwert) zurück.
"Üblicherweise" ist dabei das entscheidende Stichwort. Denn wenn ein Eurozonenland, z. B. Griechenland oder Italien) in der Zwischenzeit pleite geht, fällt der Wert der Staatsanleihen dieses Landes auf annähnend Null. Dann gerät die EZB-Bilanz gänzlich aus den Fugen.
Wie also, frage ich den Autoren Braunberger von der FAZ, soll die EZB eine solch Bilanz "mit Gelddrucken" (im Sinne, wie ich es oben beschrieben habe) wieder ins Gleichgewicht bzw. Lot bringen können? Antwort: Es geht nicht! Sie kann ihre Bilanz zwar weiter aufweiten, doch das vorhandene Defizit ändert sich dadurch nicht.
Das einzige, was die EZB in höchster Not noch machen kann, ist physisches Geld zu drucken wie einst in Weimar - und ihre Altschulden in Hyper-Inflation "ersaufen". Das ist freilich Betrug an sämtlichen Sparern und Rentnern, die ihr Leben lang gearbeitet und fürs Alter gespart haben. Also letztlich eine Form von finanziellem Staatsterrorismus.
Heute wird das voraussichtlich eleganter gelöst als damals in Weimar. Das Bargeld wird abgeschafft, und es gibt nur noch Digital-Euros. Wenn die EZB dann auf den "roten Inflations-Bekämpfungsknopf" drückt, sinken die Ersparnisse aller EU-Bürger z. B. um 10 oder 20 %. Das nennt sich dann Griechen- oder Italo-"Soli". Im Prinzip kann die EZB das beliebig oft wiederholen. Es gibt dann ja keine Bar-Euros mehr, die man als Schutz davor in Tresore oder Matrazen stopfen kann.
Der einzige Pluspunkt ist, dass bei der Digitalo-Euro-Entwertung weniger Wälder für die Banknoten-Druck abgeholzt werden müssen und die EZB zumindest klimaneutral bleibt ;-)