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...Eine der Arterien des Welthandels, der Suezkanal, ist blockiert. Seit Dienstag liegt eines der größten Containerschiffe der Welt, die erst knapp drei Jahre alte “Ever Given“, diagonal verkeilt im Kanal. Eine Stahlwand, mit 400 Metern länger als der Berliner Fernsehturm hoch ist.
Nichts geht hier mehr, wie ein Korken auf der Flasche steckt der Frachter fest, den Bug eingegraben am einen Ufer, das Heck an der gegenüberliegenden Spundwand. Mehr als hundert Schiffe, Öltanker und Containerfrachter stauen sich schon an beiden Seiten des fast 200 Kilometer langen Kanals zwischen Port Said und Port Taufiq.
Genau zu dem Zeitpunkt, an dem Corona die globalen Lieferketten schon ins Wanken gebracht hat, ist nun das Nadelöhr verstopft. „Zentrale Lieferketten geraten aufgrund mangelnder Container, unpünktlicher Schiffe und fehlender Transportkapazität ins Stocken, während die Kosten steigen", warnt Holger Lösch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI)....
...Allein 9 Prozent der deutschen Ein- und Ausfuhr laufen durch die Lebensader des Welthandels...
Erst sollte der Riese am Mittwoch freikommen, dann am Donnerstag. Doch irrte der ägyptische Hafenmeister. Nun setzen Rettungsprofis auf das Wochenende, an dem die Flut stark in die Wasserstraße zwischen Europa und Asien drücken wird. Inzwischen sind die Besten der Welt im Anflug: die holländische Smit Salvage...
...„Die Störung kommt zu einem schlechten Zeitpunkt", erklärt der Verband der Chemischen Industrie (VCI). „Die Lieferketten stehen durch Corona derzeit ohnehin unter Druck. Rund 16 Prozent der Chemieimporte kommen durch den Suezkanal.“ Chemie ist aber nur ein Beispiel: Rund 12 Prozent des Welthandels laufen auf mehr als 19.000 Schiffen im Jahr durch die Wasserstraße - allein Öl im Wert von 100 Millionen Dollar täglich, und 8 Prozent des Flüssiggases (LNG) der Welt. Weil Händler trotz Ersatzkapazitäten darauf spekulierten, schoss der Ölpreis angesichts der Blockade um 6 Prozent in die Höhe....