Moral Hazard als Normalzustand
www.nzz.ch/finanzen/...rsen-von-der-realwirtschaft-ld.1560092
"Phasen der Überbewertung gibt es an den Börsen immer wieder. Sie geschehen meist am Ende eines Konjunkturzyklus. Doch diesmal findet dieses Phänomen in einer globalen Rezession statt, ergänzt um geopolitische sowie innenpolitische Spannungen in den USA. Die Liquiditätsspritzen der Notenbanken haben die Wertpapierkurse nach dem Einbruch im März wieder auf Niveaus gebracht, die den Eindruck entstehen lassen, es sei alles in Ordnung.
Rückzug aus «Jay’s Market»
Doch nicht jedermann ist von dieser rasanten Hausse angetan, die in den USA als «Jay’s Market» bekannt geworden ist. Viele professionelle Marktteilnehmer sind der Ansicht, dass die ausserordentlich rasche Kurserholung keine wirtschaftliche Basis hat, sondern einzig eine Folge der Politik von Fed-Präsident Jerome (Jay) Powell ist, in grossem Stil Wertpapiere zu kaufen und die Notenbankbilanz innerhalb weniger Wochen auf nun 7,17 Bio. $ aufzublähen.
Vom verzerrten Marktgeschehen ziehen sich immer mehr Altmeister der Börsen zurück, so Warren Buffett von Berkshire Hathaway oder David Tepper von Appaloosa Management. Nun hat Jeremy Grantham vom Kapitalverwalter GMO, dessen grösster Fonds den globalen Aktienanteil auf 25% halbiert hat, seinen Klienten geschrieben, dass die Unsicherheit heute grösser sei als bei früheren Phasen von Euphorie und Tollheit, wie vor allem vor der Finanzkrise von 2007/08 oder dem Kollaps der Dotcom-Blase 2000. Noch nie seien Markt und Wirtschaft so weit voneinander abgekoppelt gewesen wie jetzt.
Scott Minerd, Chefanleger von Guggenheim Investments,....Das Fed habe ein Kaufsignal in alle Welt geschickt. Aber irgendwann werde der Punkt kommen, an dem es sich entscheiden müsse, ob es endlos Unterstützung bieten wolle, dabei aber den Kapitalmarkt und seine Mechanismen endgültig zerstöre. Versuche es jedoch, die Unterstützung abzubauen, werde der Markt wie 2013 schockiert sein. ..."