Es ist mMn vorteilhaft, wenn man auf der Webseite der Bill-Gates-Stiftung zweifelsfrei nachlesen kann, dass Spiegel Online 2,5 Mio. Dollar an Geldzuwendungen erhalten hat. Dann sollte jedem Spiegel-Leser klar sein, dass man von diesem Medium in Sachen Bill-Gates-Stiftung keinen objektiven und unabhängigen Journalismus mehr erwarten kann.
Wären die Spenden hingegen anonym, würden den Lesern diese wichtigen Infos unterschlagen.
Im letzten Jahrhundert, als der Spiegel noch ansatzweise "systemkritisch" war und stellenweise investigativen Aufklärungsjournalismus betrieb, hätte Rudolf Augstein solche Spenden überhaupt nicht angenommen. Schon aus Berufsethos. Es hätte damals als Riesenpeinlichkeit gegolten, sich so massiv korrumpieren zu lassen.
Die Zeiten haben sich seitdem freilich stark geändert. Auch dahingehend, dass der Print-Journalismus stark an seiner ehemaligen Bedeutung und vor allem an Ertragskraft eingebüßt hat. In den 80er- und 90er-Jahren waren Hochglanzmagazine wahre Gelddruckmaschinen, weil sie ohne Ende Anzeigen erhielten. Spiegel und Stern erreichten damals teils annähernd Telefonbuchstärke. Heute sind sie dünn wie halbverhungerte Kirchenmäuse ;-)
Seitdem haben sich die Auflagen mehr als halbiert (Chart unten).
meedia.de/2016/02/12/...korde-mit-kennedy-und-dem-irak-krieg/
Noch gravierender aber wirkt, dass viele große Firmen ihre Anzeigen inzwischen in angesagteren (sozialen) Medien im Internet schalten, deren Reichweite wesentlich größer ist. Die Anzeigeneinnnahmen wanderten von den Zeitungen und Magazinen in großem Stil zu Google und Co. Die Online-"Auftritte" der Magazine können diesen Schwund nicht ausgleichen.
Dazu muss man wissen, dass Anzeigen keinesfalls Nebeneinnahmen der Zeitungen Magazine sind, sondern mit (früher 80 %) die Haupteinnahmequelle.
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Folglich sind die Gazetten inzwischen auf andere Einnahmequellen angewiesen. Das ist bei Spiegel und Zeit eben die Bill-Gates-Stiftung - aber sie dürften als einflussreiche "Transaltlantikbrücken"-Organe auch von politischen Thinktanks (vor allem aus USA) üppige Spenden erhalten.
Geld regiert die Welt. Und wes' Brot ich ess', dess' Lied ich sing.
Der Haupteffekt dieser Entwicklung ist, dass von dem damals aufklärererischen Gestus heute nicht mehr viel übrig geblieben ist. Z. B. bei der Syrien-Berichterstattung betreiben Spiegel, Zeit und erst recht FAZ und Springer-Presse inzwischen lupenreine USA-Hof-Propaganda.
Die einst "linken" Zeitungen nutzen ihr in früheren Jahren mühsam erworbenen Image, kritischen Aufklärungsjournalismus zu betreiben, heute dazu, um gegen "Bezahlung" (Spenden, "Zuwendungen) PR- und Lobbyarbeit für die US-Geostrategie zu betreiben, der gleichwohl immer noch als kritischer Journalismus verkauft wird.
Kein Wunder, dass mancher Altleser zuweilen den Eindruck erhält, er hätte versehentlich zur BILD-Zeitung gegriffen.
Trump-Kritik ist in diesen Organen natürlich immer noch erlaubt und unerwünscht, man versteht sich schließlich - ähnlich wie Jeff Bezos' Washington Post - als demokratisches Medium (demokratisch = im Sinne der US-Demokraten). Das verwirrt aber nur umso mehr, wenn gleichzeitig unter der Hand - infolge der Transatlantik-"Zuwendungen" - ständig und penetrant gegen Russland und für die US-Geostrategie getrommelt wird.
Russland ist für mich ein Teil Europas - und es nicht der Feind, als den ihn die US-hörigen Gazetten hinstellen. Willy Brandts Ostpolitik war der richtige Weg. Die Amis haben dabei vor allem wirtschaftliche Interessen. Sie wollen z. B. Europa ihr Fracking-Gas verkaufen und torpedieren daher Nordstream 2.
(Verkleinert auf 96%)

