MW behauptet (siehe Artikel unten), in 2020 würde die schon seit 2013 erwartete "große Umschichtung" von US-Bonds in Aktien kommen. Auslöser soll sein, dass die Zinsen am langen Ende der Kurve stiegen. Langlaufende Anleihen würden dann Kursverluste erleiden. Infolgedessen, so Marketwatch, würden Anleger dieses Jahr das sinkende Schiff "Bonds" verlassen und auf den weiter steigenden Aktienmarkt umsatteln.
Wenn das zuträfe, würde JP Morgan mit der Riesen-Bond-Position übrigens auf dem falschen Fuß erwischt.
Ich halte das allerdings für eine bullische Spinstory. Es ist ein typischer Artikel der Sorte, wie er an Langzeithochs am Aktienmarkt veröffentlicht wird. Der "kontraindikatorische Wert" ist hoch.
Es gibt mMn ebenso überzeugende Gründe dafür, dass die Zinsrenditen fallen (oder seitwärts laufen). Bei fallenden Zinsrenditen würde Bonds im Kurs steigen. Ein hohe Nachfrage nach Bonds (insbesondere US-Staatsanleihen) könnte z. B. eine (eh längst "überfällige") US-Rezession auslösen. Anleger würden dann ihre hohen Gewinne am Aktienmarkt durch Verkäufe sichern und sich in der Wartezeit bis zum Tief der Bondzinsen erfreuen.
Die drei Leitzins-Senkungen der Fed in 2019 - einem Jahr, in dem es angeblich (Stand Dezember 2018) vier Erhöhungen hätte geben sollen - deuten jedenfalls nicht gerade darauf hin, dass die Fed mit übermäßig hoher Inflation infolge anziehender Konjunktur rechnet.
Drohte eine Rezession, würden sich die Anleger genau "anders rum" verhalten, als MW oben schreibt. Es gäbe eine Flucht in den sicheren Hafen der US-Anleihen (vor allem Staatsanleihen), deren Kurse dann wieder stiegen.
Der Chart der 10j-US-Renditen (unten) deutet mMn eher auf weitere Kursanstiege an. JPM läge dann richtig. Ich habe das Szenario "steigende Bond-Kurse" in orange reingemalt (Kursziel B). Es gibt ein bull cross (grün).
Aktien könnten in 2020 - ungeachtet der Rezessionsgefahr - trotzdem (vorerst) noch weiter steigen, wenn die Fed noch weitere Leitzinssenkungen vornimmt. Dass die Repo-Aktionen bis zum Frühsommer weiterlaufen (Fed-Käufer von T-Bills) ist ja eh bereits ausgemachte Sache.
Trumps Ziel, ATHs in der Vorwahlzeit zu erzielen, könnte bei der aktuellen Fed-"Politik" durchaus aufgehen. Powell arbeitet Trump jedenfalls gut zu.
Eine Fed-gepushte Rally ist freilich etwas anderes als eine, die auf einem realen Wachstumsschub in der Wirtschaft basiert. Nur bei letzterem würde die Zinskurve wieder aufsteilen, und es ergäbe sich das obige MW-Szenario. Solch ein Wachstumsschub ist mMn allerdings nicht in Sicht. Daher = Spinstory.
Bonds könnten freilich auch seitwärts laufen (Kursziel B), was JPM zumindest keine Kursverluste, wohl aber Halter-Renditen beschert. Die Riesen-Position könnte daher auch nur einfach eine Spekulation auf Zins-Einnahmen aus Bonds sein. Insbesondere wenn die Leitzinsen weiter sänken, würden Bondrenditen immer attraktiver.
www.marketwatch.com/story/...inally-happen-in-2020-2020-01-02
Stop us if you’ve heard this one before: After years of bond- and money-market fund inflows and equity-fund outflows, investors grow fearful of a rebound in yields and the potential for capital losses in fixed-income, sparking a “great rotation” out of bonds and into equities.
That scenario, which implies the potential for a final, euphoric surge to what’s often been described as the “most hated” bull market in stock-market history, has been regularly predicted ever since the 2013 “taper tantrum” that drove a temporary spike in Treasury and other bond yields....
(Verkleinert auf 69%)

