Es gibt zwei Szenarien, die in Wawidus Chart prinzipiell zu Short-Trades einladen.
1. Ein Index erreicht ein ATH, schwächelt aber danach. Hier short zu gehen ist ein "Swing-Trade", der darauf setzt, dass die kurzfristige Übertreibung nach oben aufgelöst wird, und zwar nach unten. Die Erfolgsquote solcher Trades ist einigermaßen gut. Es gab freilich auch schon Zeiten (z. B. 2017 ff. unter Trump), in den monatelang ein ATH das nächste jagte. Da helfen dann auch langlaufende Puts nicht weiter.
2. Ein Index oder ein Einzelwert zeigt deutliche Kursschwäche. Dabei bilden sich Top-Formationen wie eine SKS aus, oder der Wert fällt unter die 50- bzw. unter die 200-Tagelinie. Das sind Situationen, in denen Wawidu
implizit "jetzt alles auf short setzen" empfiehlt.
Implizit bedeutet hierbei z. B. Formulierungen wie "Kommentar überflüssig" in # 515. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Ansagen von Wawidu, ein "Durchbruch nach unten" stehe bevor, marktbedingt seit 2009 oft nicht (oder nur sehr kurzfristig) in Erfüllung gingen.
Dass solche Szenarien zum Shorten einladen, sieht ja auch jeder Hans und Franz, die Fed und das ominöse PPT. Tatsächlich waren Gemengelagen, in den Wawidu charrtechnisch den Durchbruch nach unten als wahrscheinlich hinstellte, in den letzen 10 Jahren meist gute Gelegenheiten für antizyklische Longeinstiege (z. B. Weihnachten 2018).
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FAZIT: Charttechnisch bei zwischenzeitlichen Tops auf einen Rücksetzer zu setzen (siehe # 536), war tendenziell lukrativ, wenn man den richtigen Einstieg wählt.. Hingegen war es meist ruinös, bei Zwischentiefs trendfolgend auf den finalen "Durchbruch nach unten" zu setzen. Solche "Jetzt steht Shorts nichts mehr im Wege"-Trades gingen in der Mehrzahl der Fälle in die Hose.
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Strategie 1 scheitert bei parabolischen Anstiegen, wenn man nicht mit viel Glück (oder Chart-"Wissen") das Top erwischt. Ein gutes Beispiel ist der Chart von Boeing vor dem jüngsten Rücksetzer wegen der 737-800 MAX-Abstürze. Bären, die in den von mir grün eingerahmten Phasen versucht hatten, die Boeing-"Parabel" zu shorten, haben fast immer was an die Backen bekommen. Das Gleiche gilt für Amazon und Google.
Bei Amazon gab es vor etlichen Jahren einige Bären hier im Thread (User "permanent", inzwischen gesperrt), die sich bei Kursen um 200 Dollar - heute steht Amazon fast 10 mal höher! - wegen vermuteter "Überbewertung" (dreistelliges KGV) zu Tode shorteten. Dass heißt auch der "Fundi"-Short ist oft ein Rohrkrepierer, außer es liegen systemische Probleme vor wie in der Finanzkrise 2008/9.
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Parabolische "Phasen" im Boeing-Chart. In diesen brachte auch Strategie 1 den Bären nur blaue Augen.
(Verkleinert auf 80%)

