Es ist wohl Zufall, aber Bitcoin scheint in ähnlicher Weise bei 11.000 auszutoppen wie 2008 der Baltic Dry Index (BDI, Frachtkostenindex).
Weniger zufällig war, dass der BDI ab Mitte 2008 wie ein Stein fiel (Chart unten) und einen L-Boden ausbildete, der einige Jahre später bis unter 500 ging.
500 ist ein Kursziel, das ich auch bei Bitcoin für realistisch halte.
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EXKURS (on)
Erstaunlich am BDI-Höhenflug war, dass auch vermeintlich rationale Marktteilnehmer dem damaligen Hype erlagen. (Norddeutsche) Schiffahrtsunternehmen bestellten massenhaft neue Frachter, um "am Boom teilhaben" zu können. Denn es gab bislang noch keinen Hype-getriebenen Boom, an dessen Top die Akteure den Steilanstieg NICHT bis ins Halluzinatorische extrapoliert hätten. Das reicht historisch zurück bis zur holländischen Tulpenzwiebelblase im 16. Jhdt.
Auch die vermeintlich rationalen Banken waren beim BDI-Boom dick mit von der Partie. (Norddeutsche) Geldhäuser wie die Nord-LB und die HSH Nordbank überschütteten die gierigen Schiffskäufer geradezu mit Krediten, weil auch die Banken "teilhaben" wollten am vermeintlichen Riesengeschäft. Die HSH Nordbank hatte zur selben Zeit bereits einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag in US-Subprime-Anleihen versenkt.
Als kurz darauf die Schundhypotheken-Pakete und die Schiffskredite gleichzeitig massenhaft faul wurde, führt dies fast zur Pleite der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein geführt, denen die HSH zu 85 % gehört und die dementsprechend auch für die Finanzexperimente haften. Nur dadurch, dass die faulen Bankschulden der HSH in eine Bad Bank ausgelagert und über 30 Jahre gestreckt wurden, konnte die Pleite vor dem Wahlvolk verschleiert werden. Dafür sind für die Hamburger und Schleswig-Holsteiner Steuerzahler nun aber Jahr für Jahr gut eine Milliarde an Abschreibungen der "Bad Bank" fällig - mehr als die überteuerte Elbphilharmonie gekostet hat. Wohlgemerkt Jahr für Jahr, mal 30. Kein Pappenstil für zwei Bundesstaaten, die zusammen gerade mal 6 Millionen Einwohner haben.
EXKURS off
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Ob den Bitcoin-Hype ebenfalls durchgedrehte "rationale Marktteilnehmer" (Großzocker) oder vorwiegend gierbesoffene Kleinzockerdeppen treiben, ist mir nicht bekannt. J. P. Morgans CEO Dimon hatte sich beim Stand von 5000 entrüstet, dass er jeden Trader seiner Bank, der Bitcoins tradet, sofort entlassen würde. Beim Stand von 8000 vernahm man von JPM dann aber wieder versöhnlichere Töne. Gier macht letztlich alle besoffen.
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AUSBLICK: Egal ob groß oder klein, gierig oder rational - Bitcoin bleibt für mich die Mutter aller Blasen.
Und es werden, wie alle Jahre wieder, etliche blauäugige Marktakteure allen Kalibers tonnenweise Lehrgeld bezahlen müssen auf dem nun mMn anstehenden Sinkflug nach unten. Und ich glaube sogar (Bauchgefühl), dass Bitcoin die Aktienindizes mit nach unten ziehen wird, obwohl kausal (bis auf gemeinsame Gier) wenig faktische Verbindung besteht.
BALTIC DRY INDEX von 1985 bis 2017
people.hofstra.edu/geotrans/eng/ch7en/conc7en/bdi.html
(Verkleinert auf 66%)

