Können sich die Zentralbanken noch von QE lösen? Oder sind sie quasi-ausweglos in einem "Hotel California" gefangen?
www.zerohedge.com/news/2017-07-05/...prisoners-here-our-own-qe
Der lange Zins hat sich vom kurzen Zins entkoppelt. Der lange Zins hat sich auch von der Inflation entkoppelt.
Der lange Zins korreliert mit der langfristigen Rendite. Ist die langfristige Rendite Null, gibt es keine Motivation für Kredit von Seiten des Kreditnehmers. Die derzeitigen langen Zinsen unter 3% deuten auf extrem niedrige Renditeerwartungen. Die Geld-Halter können nur deshalb noch Entscheidungen zu Investitionen treffen, weil sie schon Kapital haben. Da das Geld aufgrund der Niedrigzinspolitik immer noch der finanziellen Suppression unterliegt, "muss" das Geld in Sachwerte, um Inflationsschutz zu erhalten. Die Kombination einer Eigenkapitalinvestition + Kredit kann sich rechnen. Welcher Zins kommt zustande?
Zwei Rechnungen, und Steuern sind nicht einbezogen (dann gäbe es noch mehr zu rechnen...), und der lange Zins liegt irgendwo zwischen (1.) und (2.) ...
1.Rendite + Inflationserwartung = Zins(lang)
2.Rendite + Inflationserwartung = Zins(lang) - Zins(kurz)
Das heißt: Steigen die kurzen Zinsen kurzfristig stark an, wird die Investition uninteressant, solange die Rendite nicht wesentlich steigt. Damit sinkt die Inflationserwartung.
Fällt der kurze Zins, gehen die "Assets" automatisch in den Inflationsmodus (das haben wir reichlich gesehen), die Grenze liegt dann theoretisch bei: Rendite + Inflationserwartung = 0.
(Es wären sogar negative Renditen denkbar, die Preise können also "über jedes rationale Maß" hin steigen.)
Der Kapitalhalter muss also viele Dinge berücksichtigen. Er muss eine Wertkorrektur seiner bereits jetzt extrem teueren, d.h. renditeniedrigen Investition einkalkulieren, d.h. einen hohen Eigenkapitalanteil fahren und zugleich wissen, dass eine weitere Assetinflation auch davon abhängt, ob es "gelingt", die allgemeine Inflation hochzuhalten. Würde sich langfristig Deflation einstellen, wäre er mit seiner Investition definitiv "hinten dran" und jeder Cent zusätzlich zum Eigenkapital gezogene Kredit wäre ein schwerer Fehler. Dieses Risiko muss er tragen.
Komplett aus dem Geschäft draußen ist der "Sparer", also derjenige, der erst mit seiner Arbeit Kapital aufbauen will. In der jetzigen Marksituation spielt er für die Kreditnachfrage keine Rolle mehr. "Crowding-Out der Mittelschicht"
Für die Zentralbanken ergibt sich das Paradoxon, dass zwei gegenläufige Entscheidungen sich gleichläufig auf den langen Zins wirken können:
Heben sie den kurzen Zins im Zeichen gestiegener Inflationserwartungen an (bekämpfen die "finanzielle Suppression") und steigt die Inflation nicht stark, - halten sie die Kapitalhalter zwar von weiterer Assetinflation ab => aber dann sinkt der Bedarf nach langfristigen Krediten
Es geht also darum, das Produkt
Nominalzins * Kreditvolumen
nicht weiter abrutschen zu lassen. (Aus Sicht der EZB ist dieses Produkt bereits Null...)
Machen sie das Gegenteil und "lassen die Inflation einfach laufen", dann geht die Assetinflation weiter, je nach Inflation bis in den "Raketenmodus". Dann wird die Rendite (noch) schlechter. Das heißt: Noch mehr Eigenkapitalanteil, und der Zins rechtfertigt sich nur noch als Inflationsausgleich. Das wiederum ist für die Banken nur noch ein Geschäft, weil die Zentralbank ihnen jederzeit die Refinanzierung zu quasi-Nullzins garantiert.
Und die einfache Schlussfolgerung ist:
"An der Rendite hängt doch alles"
Die Zentralbanken haben uns alle in die Nullzinsfalle aka Renditefalle laufen lassen, ohne dass sie ein Rezept für einen Weg zurück haben. Wenn nur noch bestimmte Marktteilnehmer (Kapitalhalter) überhaupt noch Spielraum für Entscheidungen haben, dann liegt eine extreme Marktaustrocknung vor. Das Fiat-Geld hat den Markt insgesamt schwer beschädigt und kann ihn nicht reparieren. Eine Reparatur ist nur möglich, wenn man nicht mehr in und mit Fiat-Geld denkt.