Steuererlass für repatriierte Auslandsgewinne, den George W. Bush 2004 gewährte, sich nicht positiv auf den US-Arbeitsmarkt ausgewirkt hätten. Die 15 Firmen, die am meisten von dem Steuerlass profitierten, hätten von 2004 bis 2007 insgesamt 21.000 Stellen gekündigt. Der Staat hingegen verlor gigantische Steuereinnahmen.
When the Democratic staff of the Senate Permanent Subcommittee on Investigations released its report in 2011 on the effects of the 2004 repatriation plan, it discovered that, despite costing the government $3.3 billion in estimated lost revenue over a decade, the 15 companies that most profited from it actually cut almost 21,000 jobs between 2004 and 2007. (Quelle: # 142)
Der Forbes-Autor (offenbar Rep) entgegnet, dass es immer nützlich sei, wenn Geld in die US-Wirtschaft zurückfließt. Das Geld werde entweder investiert oder ausgegeben. Daher sei die Arbeitsmarkt-Kritik der Demokraten nicht auf den Punkt.
Ich habe noch ein anderes und mMn stichhaltigeres Argument gegen die Reps-These: Die Auslandsgewinne der US-Firmen lagen ja im Ausland nicht auf irgendwelchen Konten herum, sondern wurden fleißig (re-)investiert. Es ist sogar in gewisser Hinsicht ein
Ponzi-System: Nicht nur bleiben die Gewinne im Ausland steuerfrei, sondern auch die damit finanzierten Auslandsinvestitionen. Im Ausland kann daher mehr investiert werden - und zwar um denjenigen Betrag, der sonst in USA Steuern als Steuer abflösse.
Bei Rückführung des Geldes in die USA entfällt diese Möglichkeit. MMn kann man mit Investitionen in China und sonstigen Schwellenländern höhere Gewinne erwirtschaften als in USA, und zwar ganz einfach, weil die Löhne dort sehr viel niedriger sind. "Arbeitet" das Geld also nun - dank Rückführung - in USA, so werden die hohen Profite, die zuvor damit in den Schwellenländern anfielen, in USA nur vermindert anfallen.
Und wenn das repatriierte Geld - wie Dimon vorschlägt - für Aktienrückkäufe (bei aktuellen Höchstkursen) verwendet wird, dann bringt das der US-Wirtschaft erst recht wenig. Es treibt nur Aktienkurse und mästet Bänker wie Dimon.
CEOs treiben die Kurse mit den Aktienrückkäufen vor allem deshalb hoch, damit sie mehr Gewinn mit ihren Mitarbeiteroptionen machen, die einen Großteil ihres Gehalts ausmachen. Das nützt weder der US-Wirtschaft noch den US-Aktionären (Rückkäufe zu Mondpreisen ist wie "Geld zum Fenster herauswerfen"), sondern allein den CEOs selbst.
Man darf Dimon daher eine gewisse Parteilichkeit unterstellen. Wenn meine Argumentation im vierten Absatz zutrifft, dann schaden nach USA repatriierte Gelder der US-Wirtschaft - wegen der dort geringeren Kapitalrentabilität. Und die Steuerbefreiung treibt zudem die US-Verschuldung hoch, weil dem Staat Einnahmen in Milliardenhöhe entgehen.
Es ist auch ein Unding, wenn alle 15 Jahre ein US-Präsident eine Sondergenehmigung für steuerfreie Rückführung erteilt. Das hat doch nur zur Folge, dass in der Zeit dazwischen kaum noch eine Firma Geld zurückbringt und als der "ehrliche Dumme" darauf Steuern zahlt. Je häufiger solche Erlasse kommen, desto mehr leidet die Steuerdisziplin. Was den Reps freilich zupass kommt, da sie am liebsten überhaupt keine Steuern zahlen würden.