Warum sollten wir wg. so einer "kleinigkeit" nicht weiter aufs ATH zuigehen ;-)))
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finanzen.net
Geldanlage-Report-Kolumne: FINANZKRISE - Wie ernst ist die Lage wirklich?
Montag 3. Dezember 2007, 10:23 Uhr
Die Meldung der Woche - Kein Banken-Handel in Hypothekenanleihen!
Lieber Geldanleger, die Meldung soll beruhigend wirken, macht aber in Wirklichkeit deutlich wie angespannt die Lage an den internationalen Kreditmärkten derzeit ist: Europäische Banken sind am Mittwoch übereingekommen, den Handel in hypothekarisch gedeckten Anleihen vorübergehend zu schließen.
Lesen Sie, was das tatsächlich bedeutet.
Das heißt im Klartext: Die Banken bekommen momentan keine Liquidität für neue Hypothekenfinanzierungen. Der Markt steht komplett still. Die Worte von Patrick Amat, dem Chairman des European Covered Bond Council (ECBC), das diesen Schritt Anzeige
veranlasst hat, lesen sich dramatisch: "Wir befinden uns in einer sich ständig verschlimmernden Lage. Ein Verkaufsauftrag ist wie eine heiße Kartoffel. Dies hat ein inakzeptables Spread-Widening zur Folge und kann zu einer absurden Situation führen."
Oder anders ausgedrückt: Weil sich kaum Käufer für Hypothekenanleihen finden, ist die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs so hoch, dass der Handel ohnehin quasi zum Erliegen käme.Spätestens jetzt müsste jedem klar sein, wie dramatisch die Lage an den Finanzmärkten derzeit ist. Jeder möchte selbst so viel Liquidität - und damit Sicherheit - anhäufen, wie nur irgendwie möglich.
Ein Beispiel, das dies verdeutlicht sind die neuen Geschäftsbedingungen der Citibank USA: Überweisungen auf das eigene Konto sind bis zu 100.000 US-Dollar am Tag möglich. Aber Überweisungen vom eigenen Konto weg sind auf einen maximalen Betrag von 2.000 US-Dollar begrenzt. Wer am Tag darauf das Geld gleich auf dem eigenen Konto haben möchte, darf sogar nur 1.000 Euro auf einmal transferieren. Das glauben Sie nicht?
Wichtig: Die deutschen Citibank-Kunden sind von dieser Regelung nicht betroffen.
Fast unnötig zu sagen, dass es auch vom US-Immobilienmarkt neue Hiobsbotschaften gibt: Der zweitgrößte US-Hypothekenaufkäufer Freddie Mac (NYSE: FRE - Nachrichten) hat seinen Verlust im dritten Quartal auf 2,0 Milliarden US-Dollar fast verdreifacht und benötigt nun dringend frisches Kapital. Prekär: Erst in der vergangenen Woche hatte die Nummer eins auf dem Markt, Fannie Mae (NYSE: FNM - Nachrichten) , ebenfalls einen massiv angestiegenen Verlust auf 1,2 Milliarden US-Dollar gemeldet.
Noch prekärer: Beide Institute zusammen stehen in den USA hinter 40 Prozent aller Hypothekenkredite, sind also die wichtigste Liquiditätsquelle. Gut nur, dass beide von der öffentlichen Hand gegründet worden sind und staatliche Kreditgarantien besitzen.
Trotzdem: Es sollte klar sein, dass in dieser Lage, höchste Vorsicht bei Aktieninvestments angebracht ist. Cash ist fesch! Ich rechne damit, dass jede kleinere Erholung an den Märkten zum Glattstellen bestehender Positionen genutzt wird.
*Wer am Markt derzeit die Kurse drückt
Der hohe Liquiditätsbedarf vieler Investmenthäuser ist wohl auch der entscheidende Grund für den hohen Verkaufsdruck am deutschen Markt - im DAX (Xetra: Nachrichten) und noch stärker im MDAX (Xetra: Nachrichten) . Letztlich sind es wohl die Hedgefonds, die auf den Verkaufsknopf drücken.
Der Hintergrund: Hedgefonds arbeiten mit einer extrem hohen Leverage, also einem hohen Hebel. Das heißt aber: Sie spekulieren auf Kredit, müssen sich also von den Banken Geld leihen. Was aber, wenn die Banken - wie aktuell - ihr Geld zurück haben möchten?
Es passiert folgendes: Jeden Abend nach Börsenschluss erhalten die Fonds den Stand ihrer Positionen unter Berücksichtigung der aktuellen Aktienkurse und des Kreditlimits. Besteht eine Unterdeckung können die Banken sofort eine Teil-Liquidierung bestehender Positionen einfordern. Die Fonds haben dann fünf Tage Zeit um am Markt zu verkaufen.
Durch den Verkauf bringen sie aber wiederum selbst die Kurse unter Druck, was dazu führt, dass die eigenen Positionen und die anderer Hedgefonds weiter an Wert verlieren. Es setzt sich also eine Abwärtsspirale in Gang.
*Warum der MDAX besonders betroffen ist
Besonders von Kursverlusten ist momentan der MDAX betroffen, weil dieser in den letzten zwei, drei Jahren extrem gestiegen ist. Aber nicht nur deshalb: Die Angst vor einer Konjunkturabkühlung nimmt zu und im MDAX sind besonders viele sehr konjunktursensible Werte - wie beispielsweise Maschinenbauer - enthalten. Deshalb wird hier zuerst auf den Verkaufsknopf gedrückt.
Der Index, in dem die 50 größten Unternehmen nach den DAX 30 Titeln enthalten sind, hat von seinen Höchstständen bei 11.500 nun bereits rund 2.500 Punkte abgegeben.
MEIN FAZIT:
- An den Kredit- und Immobilienmärkten jagt eine Hiobsbotschaft die nächste
- Konjunkturerwartungen werden bereits nach unten korrigiert
- Hedgefonds müssen Positionen auflösen
- In diesem Umfeld gilt der Spruch: "Cash ist fesch". Nutzen Sie kleinere Kurserholungen zum Verkauf ihrer Positionen.
Armin Brack ist Chefredakteur des Geldanlage-Reports. Gratis anmelden unter: www.geldanlage-report.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.