01.11.2007/18:20:41
EUROPA-BÖRSEN-Studie zur Citigroup löst neue Ängste aus
(neu: Schlusskurse, Analysten-Zitat)
Frankfurt, 01. Nov (Reuters) - Ungeachtet der US-Zinssenkung ist am Donnerstag die Angst vor den Folgen der US-Hypothekenkrise an die europäischen Aktienmärkte zurückgekehrt. Eine Analystenstudie zu einem möglicherweise milliardenschweren Kapitalbedarf der Citigroup löste auf breiter Front Verkäufe aus und drückte vor allem die Kurse der in den meisten Indizes schwer gewichteten Finanztitel. Der Stoxx50 für die 50 größten börsennotierten europäischen Unternehmen<.STOXX50> fiel um 1,8 Prozent auf 3815 Punkte, der EuroStoxx50<.STOXX50E> für die 50 größten börsennotierten Unternehmen der Euro-Zone verlor 1,7 Prozent auf 4415 Punkte.
Nach Einschätzung der Analystin Meredith Whitney von der Investmentbank CIBC hat die Citigroup einen dringenden Kapitalbedarf von mehr als 30 Milliarden Dollar. Die Kapitalausstattung der Bank sei auf dem niedrigsten Niveau seit Jahrzehnten. Daher seien Anteilsverkäufe oder Dividendenkürzungen zu erwarten. Auch eine Kapitalerhöhung sei nicht auszuschließen. Mehr als sechs Prozent verloren die Citigroup-Aktien daraufhin im frühen Handel in New York. Somit verpuffte der positive Effekt der US-Zinssenkung um 25 Basispunkte auf 4,5 Prozent vom Vorabend rasch.
"Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Anleger fürchten, dass die US-Subprime-Belastungen schlimmer werden", sagte Alan Webborn von Societe Generale in London. "Es zeigt, dass der Schwanz dieser Kreditkrise lang ist, und wir womöglich noch nicht den Tiefpunkt gesehen haben."
In Europa beschleunigten die Bankenwerte ihre Talfahrt am Nachmittag. Schon vor der Veröffentlichung der Studie zur Citigroup hatten enttäuschende Zahlen der Credit Suisse die Anleger zu Gewinnmitnahmen veranlasst. Der Gewinn der Schweizer Großbank war im dritten Quartal wie erwartet ausgefallen. Aber Credit Suisse (CS) musste im Zusammenhang mit der US-Kreditkrise 2,2 Milliarden Franken abschreiben. Die CS-Aktie sank um 3,7 Prozent und zog die Titel der Konkurrenz ebenfalls mit in den Keller. Barclays fielen um 5,4 Prozent, UBS, Unicredito und BNP Paribas um je etwa vier Prozent und Deutsche Bank um 3,4 Prozent.
In Paris waren die Aktien des belgisch-französischen Finanzinstituts Dexia mit einem Abschlag von 7,4 Prozent das Schlusslicht im Standardwerte-Index CAC40<.FCHI>. Die US-Tochter des Konzerns hatte die Investoren mit einem hohen Verlust wegen der Bewertungen von Kreditderivaten negativ überrascht.
Nur wenige Aktien konnten sich dem negativen Trend entziehen, darunter die Titel der Deutschen Börse, die nach der Vorlage eines Rekordergebnisses um über 5,2 Prozent zulegten. Im Stoxx50 und im EuroStoxx50 ragten zudem die Aktien von Unilever mit einem Plus von 4,5 Prozent hervor. Der Konsumgüterkonzern hatte seinen Umsatz im vergangenen Quartal gesteigert und sich für das Gesamtjahr zuversichtlich gezeigt.
Gruß TDM850