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Chefökonom von Goldman Sachs
„Ich würde nicht gegen den Dollar wetten“

| Jim O'Neill, Chefökonom von Goldman Sachs |
Jim O'Neill, Chefvolkswirt von Goldman Sachs, dagegen ist nicht so sicher. Er hält eine Erholung des Dollars für möglich. Interventionen seien als Folge des anstehenden G7-Treffens denkbar, erklärt er im folgenden Interview. Auf der Aktienseite setzt es auf Schwellenländeraktien. Interessant seien jene in Lateinamerika, insbesondere in Brasilien.
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Der Dollar wertet gegen den Euro im Trend ab und befindet sich praktisch auf Rekordtief. Wieso?
Der Dollar tendiert aus zwei Gründen zur Schwäche. Erstens glaubt der Markt, die amerikanische Zentralbank werde die Zinsen aufgrund der anhaltenden Schwäche der amerikanischen Wirtschaft weiter senken. Zweitens geht er davon aus, dass China die eigene Währung trotz aller Mahnungen von außen nicht schneller aufwerten lassen wird. So bleibt der Euro im Grunde die einzige größere Währung, die aufwerten kann, wenn der Dollar abwertet.
Wird sich dieser Trend fortsetzen?
Man mag's glauben oder auch nicht - seit dem ersten Mal seit mehreren Jahren bin ich davon nicht mehr überzeugt. Ich denke die Europäer sind deutlich besorgter über die Entwicklung als früher, was aus einem entsprechenden Statement vom vergangenen Wochenende beziehungsweise Anfang der Woche abzuleiten ist. Aus diesem Grund dürfte man den Euro gegenwärtig mit einer gewissen Vorsicht betrachten müssen.
Was könnte schon passieren?
Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass sich die Haltung der Finanzminister der sieben größten Industriestaaten (G7) zu diesem Thema beim anstehenden Treffen in Washington verändern und in einem entsprechenden Communiqué äußern wird. Die amerikanische Seite könnte die Europäer insofern unterstützen, als sie ab nun keine weitere einseitige Abwertung der eigenen Währung nur gegen den Euro mehr tolerieren wird. Sollte der Euro nach dem Wochenende weiter aufwerten, würde ich eine unabhängige Intervention der Europäischen Zentralbank nicht ausschließen.
Denken Sie, der Markt würde so ein Communiqué für glaubwürdig halten?
Der Markt wäre überrascht, wenn es den Rückhalt der amerikanischen Regierung hätte. Ist und war der Markt bisher geradezu darauf geeicht, amerikanische Bekenntnisse zum „starken Dollar“ zu ignorieren und als Einladung zum Verkauf des Greenbacks zu betrachten, so würde sich das mit einem geschlossenen Auftreten ändern. Die Marktteilnehmer wären möglicherweise sogar geschockt.
Mit welcher Konsequenz?
Der Dollar würde ein gewisses Maß an Stärke zurückgewinnen.
Kann eine unilaterale Intervention der Europäischen Zentralbank überhaupt wirken oder stellt sich nicht eher eine Verlaufsgelegenheit für die Devisenhändler dar?
Das hängt davon ab, wie sie ihre weitere Zinspolitik beschreiben wird und davon, welche Haltung die amerikanische Regierung und die Zentralbank einnehmen. Sicherlich würde es den Markt jedoch überraschen. Immerhin hat die erste Intervention der Europäischen Zentralbank den Trendwechsel des Euro nach oben gebracht.
Was würde das für die so genannten „Crosses“ bedeuten, also für die Währungspaare, die nicht über den Dollar gehandelt werden?
Der Euro würde beispielsweise gegen den Yen an Wert verlieren.
Schlechte Zeiten also für die so genannten Carry Trades?
Nicht unbedingt. Ein Bekenntnis zum starken Dollar der skizzierten Art würde zwar wahrscheinlich den Yen gegen die amerikanische Währung deutlich aufwerten lassen. Ich bin aber gar nicht so sicher, ob davon Währungspaare wie der Yen gegen den australischen oder den Neuseeland-Dollar beeinflusst werden würden.
Aber im Kern befinden sich Staaten wie Australien und Neuseeland genau in derselben Lage, wie Europa!
Ja, sicher. Aber ich glaube nicht, dass sich die Vereinigten Staaten davon beeindrucken lassen werden.
Wird die amerikanische Zentralbank den Leitzins weiter senken?
Ja, auf jeden Fall. Denn in der amerikanischen Wirtschaft finden gerade riesige Umwälzungen statt. Die Binnennachfrage nimmt weiterhin ab, das zeigte sich in der laufenden Woche an schwachen Zahlen bei den Baubeginnen. Gleichzeitig verbessert sich jedoch die Außenhandelsbilanz deutlich. So wird die Binnenwirtschaft weiterhin schwächeln, während die Gesamtwirtschaft sich robust zeigen dürfte.
Können starke Exportaktivitäten die amerikanische Konjunktur vom Abgleiten in eine Rezession bewahren?
Ja! Nach meiner Meinung hat sich die Rezessionswahrscheinlichkeit nicht erhöht, sie liegt bei etwa einem Drittel. Der Export wird die Schwäche im Binnenmarkt kompensieren.
Werden zunehmende Exporte und abnehmende Importe das amerikanische Leistungsbilanzdefizit abtragen können?
Ja, das an den jüngsten Zahlen bereits abzulesen. Die Geschwindigkeit, mit der das passiert, ist die schnellste in den 26 Jahren, in welchen ich in diesem Geschäft bin. Das Exportwachstum Amerikas in allen Bereich liegt bei mehr als zehn Prozent, das Importwachstum bei etwa drei Prozent. Das amerikanische Leistungsbilanzdefizit ist von sieben auf inzwischen fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes gefallen und in einem Jahr dürfte es bei vier Prozent oder gar tiefer liegen.
Was bedeutet das für die Exportstaaten wie China?
Die Zahlen zeigen: Das globale Wachstum geht leicht zurück von fünf auf vier Prozent und das Exportwachstum in geht generell zurück. Das zeigt sich unter anderem auch in Europa. Der Unterschied zu den so genannten BRIC-Staaten ist der, dass das Exportwachstum innerhalb dieser Gruppe zunimmt.
Das klingt gut. Liegt aber die Endnachfrage nach den produzierten Gütern nicht doch in Europa und in den Vereinigten Staaten?
Die BRIC-Staaten haben einen Anteil von 15 Prozent am Weltbruttosozialprodukt. Das Wachstum der lokalen Konsumnachfrage liegt nach aktuellsten Daten zwischen elf und 14 Prozent. Wenn man das in den marginalen Beitrag zum globalen Konsum umrechnet, so ist jener der BRIC-Staaten doppelt so groß wie der der Vereinigten Staaten. Ich bin weiterhin sehr optimistisch für die Entwicklung dieser Staaten, gegenwärtig besonders für Brasilien. Es gibt Anzeichen dafür, dass das Wachstum im Brasilien deutlich zulegen wird.
Mit dieser Einschätzung stehen Sie jedoch in deutlichem Gegensatz zur aktuellsten Prognose des Internationalen Währungsfonds, der von einer Abschwächung ausgeht!
Ich respektiere den Währungsfonds aufgrund seiner Historie, allerdings müsste er sich deutlich verändern. Seine Prognosen interessieren mich nicht wirklich, denn sie basieren auf einer Konsensusmeinung und sind eher rückwärts- als nach vorne gewandt.
Ich möchte einen Finanzblog zitieren: „Gewisse Bereiche des Kreditmarktes in Amerika sind wie eingefroren. Gleichzeitig ist die amerikanische Wirtschaft von Krediten genauso abhängig wie von Öl. Aus diesem Grund gleicht die Kreditkrise einem temporären Ölembargo“. Würden sie dem zustimmen?
Bezogen auf die amerikanische Binnenwirtschaft ja. Global dürfte es auf alle Bereiche und Staaten zutreffen, die stark verschuldet sind. Allerdings muss man das relativieren, da in der Welt auch noch andere Dinge vor sich gehen. Das wichtigste ist die robuste Entwicklung in den BRIC-Staaten.
Wie würden Sie sich gegenwärtig als Anleger positionieren?
Was Aktien anbelangt würde ich generell weiterhin auf Schwelländermärkte setzen. Dabei präferiere ich Brasilien und Lateinamerika generell. Dagegen wäre ich in Asien eher vorsichtig, denn die Märkte in China und Indien sind inzwischen sehr teuer geworden.
Was sollten Anleger am Devisenmarkt tun mit Blick auf das G7-Treffen?
Ich würde nicht gegen den Dollar wetten. Angesichts der Unsicherheit und der deutlich verschiedenen Standpunkte der Marktteilnehmer könnte die kommende Woche volatil werden.
Das Gespräch führte Christof Leisinger
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Jim O'Neill
Quelle: faz.net
Motorräder
Harley-Davidson spürt die Kreditkrise

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| Harley - bekannte Marke, markante Slogans |
Das Unternehmen profitierte einerseits von einem gewissen Kultstatus seiner Produkte und andererseits von der Kaufkraft der Klientel, sie es ansprach. Vielfach gehören und gehörten dazu nicht etwa die „jungen Wilden“, sondern eher die gesetzten, etablierten und ökonomisch wohl situierten Bevölkerungsteile. Waren die Kinder aus dem Haus und das Häuschen abbezahlt, so gab es plötzlich finanzielle und zeitliche Luft für den Traum, den man schon immer geträumt hatte: Einmal die Route 66 mit einer Harley - oder so ähnlich.
Umsatz- und Gewinnrückgang im dritten Quartal
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So dürften der zunehmende Wohlstand weltweit und auch die demographische Entwicklung dazu beigetragen haben, dass das Unternehmen in den vergangenen Jahren sowohl Umsatz als auch Gewinn im Trend steigern konnte. Neuerdings scheint das Geschäft allerdings etwas harziger zu laufen. Denn aufgrund eines Nachfrageeinbruchs in den Vereinigten Staaten im August hat der Motorradbauer im dritten Quartal einen Gewinnrückgang von 15 Prozent auf 265 Millionen Dollar oder 1,65 Dollar je Aktie verzeichnet. Der Umsatzrückgang drückte auf das Ergebnis, teilte der Motorradhersteller aus Milwaukee im amerikanische Bundesstaat Wisconsin mit.
Der Gewinn je Aktie lag allerdings über den Durchschnittserwartungen von 15 befragten Analysten, die im Gespräch mit Bloomberg News 1,05 Dollar prognostiziert hatten. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch 312,7 Millionen Dollar oder 1,20 Dollar je Aktie verdient. Der Umsatz sank um 5,8 Prozent auf 1,54 Milliarden Dollar. „Das finanzielle Ergebnis von Harley-Davidson im dritten Quartal ist enttäuschend, kommt aber nicht unerwartet“, sagte Vorstandsvorsitzender Jim Ziemer. Bereits im September hatte Harley-Davidson die Gesamtjahresprognose gesenkt und das mit den unerwartet schwachen Verkäufen im August begründet.
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| Wohlsituierte "easy rider" |
Laut der neuen Prognose sollen im laufenden Jahr zwischen 328.000 und 332.000 Motorräder abgesetzt werden, nach 349.196 Stück im Jahre 2006. Das gehe mit einem moderaten Umsatzrückgang, einer niedrigeren operativen Marge und einem um vier bis sechs Prozent geringeren Ertrag je Aktie einher. Im kommenden Jahr sei mit einer Steigerung des Gewinns je Aktie zwischen vier und sieben Prozent zu rechnen. Ob sich diese Prognosen halten lassen, wird sich erst noch zeigen müssen.
Größter Teil der Umsätze werden in den Vereinigten Staaten erzielt - Kreditgeschäft nicht unerheblich
Fakt ist jedoch, dass Harley-Davidson im vergangenen Geschäftsjahr etwas mehr als 80 Prozent seiner Umsätze in den Vereinigten Staaten generiert hat. Aus diesem Grund dürfte die gegenwärtige und sehr wahrscheinlich noch längere Zeit anhaltende Schwäche der amerikanischen Konjunktur mit dämpfender Wirkung auf den Konsum wenig Grund für einen optimistischen Ausblick liefern. Das ist nicht alles. Denn gerade in der jüngeren Vergangenheit hatten viele Harley-Kunden ihre Käufe mit Krediten finanziert. Diese Kredite waren - vergleichbar mit dem Häusermarkt - mit lockerer Hand vergeben worden, da sie verkauft und in verbriefter Form an Anleger weitergegeben werden konnten. Damit dürfte es vorbei sein.
Aus diesem Grund gerät Harley-Davidson gleich von zwei Seiten in die Klemme. Auf dieser Basis dürfte man die Aktie mit einer gewissen Skepsis betrachten müssen, auch wenn sie auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp 13 und 12,5 vergleichsweise attraktiv aussehen mag. Wahre Fans der Aktie mögen die Skepsis zwar möglicherweise nicht verstehen. Charttechnisch hat die Aktie jedoch den langfristigen Aufwärtstrend längst durchbrochen und ist in eine Seitwärtsbewegung übergegangen. Das ist in der Regel kein sonderlich positiv Zeichen.
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