Es war eine Art Sell-off mit Ansage. Denn im Markt für Staatsanleihen hatten natürlich viele Investoren
darauf gesetzt, dass das amerikanische Fed auf seiner gestrigen Sitzung etwas zu seinem Anleihenkauf-
Programm über 600 Mrd. Dollar sagen würde. Tat es auch, allerdings nicht so, wie erhofft wurde.
Denn nachdem Fed-Chef Ben Bernanke höchstselbst ins Spiel gebracht hatte, dass das Volumen
ausgeweitet werden könnte, veränderte das Federal Reserve nun erst einmal nichts. Und folgt man
den weiteren Einschätzungen, dürfte eine Ausweitung des Programms komplett vom Tisch sein. Denn die
Währungshüter schätzten richtigerweise ein, dass die US-Wirtschaft weiter auf Erholungskurs ist.
Im Ergebnis gaben die US-Treasuries
auf breiter Front ab. Die Rendite der 10-
jährigen Anleihen schnellte auf 3,49%
hoch und erreichte damit den höchsten
Stand seit 7 Monaten. Ähnliches war auch
bei den 30-jährigen Langläufern zu
beobachten, die auf 4,53% kletterten. Wie
sich heute Morgen zeigte, gibt es aber
immer noch Anleger, die solche Kurs-Dips
zu Käufen nutzen.
Was auch damit zusammenhängt, dass
viele institutionelle Investoren, wie
Pensions-Fonds, ja gesetzlich
gezwungen sind, in Staatsanleihen als vermeintlich risikofreie Anlagen zu investieren. Und da das
Gegengewicht der Euro-Anleihen wegen der dortigen Krise sehr an Reputation eingebüsst hat, finden eben
Treasuries immer wieder Käufer. Was aber nichts daran ändert, dass offensichtlich die Trendwende in den
Renditen nachhaltig ist.
Am Aktienmarkt bzw. an der Wall Street sah das Bild gestern Abend gänzlich anders aus. Denn dort
feierte man natürlich die Aussicht, dass die Konjunkturerholung weitergeht. Und bekam auch gleich eine
Bestätigung von den gespannt erwarteten Einzelhandelsumsätzen. Denn diese fielen im Kern besser aus
als erwartet. Nachdem es im Vormonat einen revidierten Zuwachs um 1,7% gegeben hatte, kletterten die
Umsätze insgesamt nun im November um 0,8%. Zwar ein Rückgang, aber besser als die nur erwarteten
0,6%.
Richtig positiv wurde es aber, wenn man die volatileren Segmente wie Autos und Treibstoff-Verkäufe
herausrechnet. Ohne Autos gab es einen Anstieg um 1,2% nach 0,8% im Vormonat. Treibstoffe ebenfalls
noch abgezogen, verzeichneten die Einzelhandelsumsätze ein Plus von 0,8%. Dies war das gleiche
Wachstumsniveau wie im Vormonat und um 0,2 Prozentpunkte besser als erwartet.
Damit stand der Fortführung der bisherigen guten Performance des Marktes nichts im Wege und der
Dow Jones sowie alle anderen US-Indizes verzeichneten weitere Zugewinne.
Quelle: Zürcher Börsenticker
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