Malko und Kübi, der Spiegel-Redakteur in dem Artikel aus eurem gemeinsamen Link übt sich offenbar als der neue "Frìcke"/FTD-Gesundbeter. Motto: Exklusiv hat man nur, was man selber erfindet.
Es stimmt zwar, dass die Lage in Griechenland und Irland grundverschieden ist.
Dennoch bleibt es ein Fakt, dass beide Staaten de facto pleite sind und von EU sowie IWF gerettet werden mussten.Wolf Biermann sang einst:
"Soldaten sehn sich alle gleich, lebendig und als Leich."Die Lage in Griechenland und Portugal - beides "Loser-Staaten" - ist übrigens schon wieder sehr viel ähnlicher. Auch Irland und Spanien sind vergleichbar - beide sind "Verzocker-Staaten" (wie USA).
Die Iren leiden - ähnlich wie die Amis um m. E. die Spanier - am typischen (angelsächsischen) Verzocker-Syndrom. Hauspreise wurde in Erwartung ewiger Anstiege in absurden Höhen getrieben. Viele Hütten gingen in Irland für 500.000 Euro auf (Voll-)Kredit weg. Das ist gemessen an den durchschnittlichen irischen Löhnen viel zu teuer (dies ist das Fundi-K.O.-Kriterium).
Als das Momentum aus der irischen Hauspreisblase wich und die Hauspreise zu purzeln begannen, bekamen die Hauskäufer - wie in USA - schwere Probleme (negative equity). Sie können zwar in Irland nicht wie in USA der Bank einfach den Schlüssel auf den Tresen legen und weggehen ("walk away"), d.h. sie haften für ihre Schulden in ähnlicher Weise wie in Deutschland. Das macht die Lage für die irischen Banken aber nicht besser: Ansprüche aus Schuldtiteln, die die Banken gegenüber den ehemaligen Hauskäufern halten, sind in der Regel nicht eintreibbar. Die Banken können die Besitzer zwar aus den Häusern rausklagen (die jetzt in Irland wie in USA massenhaft leer stehen), aber davon kommt das verliehene Geld auch nicht zurück.
Die Hauspreise in Irland sind ab dem Blasenhoch inzwischen um rund 40 % gefallen sind (ähnlich wie in USA). Den Schwarzen Peter haben die Banken: Sie hatten z. B. 500.000 Euro verliehen und haben nun nach Vertreibung des Käufers ein womöglich verwohntes Haus in Händen, dass - wenn man es aktuell neu kaufen wollte - nur noch 300.000 Euro kosten würde. Da das Haus aber gebraucht ist, leer steht und durch längeren Leerstand (Schimmel?) weiter an Wert verloren hat, kann es von der Bank wohl allenfalls für 150.000 bis 200.000 Euro verkauft werden. Dies würde voraussetzen, dass sich in der jetzigen Krise überhaupt ein Käufer findet (die Amis haben das gleiche Problem). Am Ende bleibt die Differenz von mindestens 300.000 an der Bank hängen.
Rausgeklagte Hausbesitzer, die auf -300.000 Euro Schulden sitzen, sind in der Regel nicht fähig und willens, das je abzutragen. In D. wird werden sie zur Eidesstattlichen Versicherung vorgeladen, und nach der dritten (d.h. nach 9 Jahren) schreibt die Bank die Außenstände in der Regel komplett als Verlust ab. D. h. trotz theoretischem Anspruch bleibt die Bank auf den Verzockerschulden der ehemaligen Hauskäufer sitzen.
Es ist mMn eine Illusion zu glauben - wie der Spiegel-Redakteur es tut - dass die Hauspreise innerhalb der nächsten Jahre (Jahrzehnte) wieder das vormalige Blasen-Niveau erreichen, selbst wenn "die Konjunktur anzieht". Das ist ähnlich absurd wie anzunehmen, dass Aktien aus der Internetblase je wieder ihren Einstandskurs erreichen. Nehmen wir Libudas Lieblingsaktie Internet Capital Group (Chart unten). Die fiel von 4200 Dollar im Jahr 2000 auf nur 3 Dollar in 2003 und notiert inzwischen bei 11,90 Dollar. Sie wird NIE wieder auf 4200 Dollar steigen (außer bei Hyperinflation). Genausowenig haben holländische Tulpenzwiebeln, die in der Tulpenzwiebel-Blase im 17. Jrhd. zum Gegenwert eines Wohnhauses gekauft wurden, jemals wieder die damaligen Mondpreise erreicht:
www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=10649
SPIEGEL: "Doch mittel- und langfristig wird sich die Regierung wohl wieder zu akzeptablen Konditionen an den Finanzmärkten finanzieren können. Zumal, wenn sich die Konjunktur erholt. Berappeln sich im Aufschwung auch die Immobilienpreise, könnten die von der Pleite bedrohten Banken wieder satte Gewinne erzielen. "
Die Gegenwart sieht - wie oben beschrieben - so aus, dass die irischen Banken auf aktuell schätzungweise mindestens 50 bis 60 % Verlust pro Haus sitzen. Es könnten auch bis zu 100 % werden, wenn die Häuser nach längerem Leerstand vergammeln. Denn zu Geld machen können die Banken die leergeklagten Häuser zurzeit kaum, weil in der Krise niemand Geld hat. In jedem Fall unwiderruflich "verbrannt" ist die Differenz zwischen dem damaligen Neukaufkredit und dem jeweils aktuellen Restwert.
In der Summe haben diese Verluste den irischen Banken die Eigenkapital-Basis entzogen. Sie gingen reihenweise pleite und mussten vom irischen Staat aufgefangen werden. Dies ging so lange gut, wie der Staat selber noch solvent war. Und genau das ist nun nicht mehr der Fall: Der irische Staat benötigt nun selbst satte 100 Milliarden Euro - das sind rund 25.000 Euro pro irischem Einwohner.
FAZIT:
Griechenland ist wegen Korruption, Misswirtschaft und Mangel an konkurrenzfähigen Exportprodukten auf dem Weg in die Pleite. Die Schulden/BIP-Quote nähert sich 125 %. Es besteht praktisch kaum noch Hoffnung, dass die Griechen das Ruder rumreißen können, da sie in der Überschuldungsfalle sitzen. Wenn sie wie vereinbart sparen, sinkt das BIP noch weiter, so dass die Schulden/BIP-Quote schon wegen des sinkenden BIP steigt.
Irland ist - wie USA - an Zockerüberschwang gestorben. Millionen Iren haben auf Kredit für ihre Verhältnisse viel zu teure Häuser gekauft. Sie wurden rausgeklagt, und die Verluste der Banken wurden vom Staat zunächst aufgefangen. Doch die Lawine war so stark, dass sie am Ende den gesamten irischen Staat mit runter riss. Er benötigt jetzt 100 Milliarden. Damit steigt die Schulden/BIP-Quote schlagartig auf gefährliche 99 % (oder auf 135 % inkl. Depfa).
Die irischen Schulden kommen nicht dadurch aus der Welt, dass der irische Staat in Zukunft die Verschuldung auf Null zurückschraubt (wenn er das überhaupt kann). Sie WACHSEN selbst dann noch auf Grund der Zinszahlungen weiter. Aktuell müssen die Iren auf neu begebenen Staatanleihen rund 8 % Zinsen zahlen, was wegen des Rollens bei Fälligkeit irgendwann den gesamten Bestand betrifft. D.h. selbst OHNE Neuverschuldung wächst die Schulden-Quote wie folgt.
2010: 100 % Schulden/BIP (ohne Depfa)
2011: 108 %
2012: 116,7 %
2013: 126 %
Und selbst dies geschieht nur in der wohlwollenden Annahme, dass das im Nenner stehende BIP durch die Null-Neuverschuldung und die damit einhergehenden drastischen Sparmaßnahmen nicht sogar sinkt - was ich für möglich halte (in GR ist das bereits der Fall).
D.h. selbst unter idealen Voraussetzungen - Neuverschuldung Null, BIP bleibt konstant - könnte Irlands Schulden/BIP-Quote 2013 den aktuellen Griechen-Stand von 125 % erreicht haben. Dies geht typischerweise einher mit Rating-Downgrades, die nicht nur die Neuverschuldung, sondern zugleich das Rollen der Bestandsschulden immer teurer machen - eine Abwärtsspirale, aus der es bei 125 % kaum mehr ein Entkommen gibt (außer für Japan wegen dortiger Sonderbedingungen).
Noch übler würde es für Irland, wenn die EU jetzt auch noch im Gegenzug für die 100 Mrd. zur Auflage macht, die extrem niedrigen Unternehmenssteuersatz von aktuell 12,5 % auf das gängige EU-Niveau zu heben. Microsoft und HP haben bereits mit Verlagerung von Werken/Arbeitsplätzen gedroht, falls die Niedrigsteuer angetastet wird. Falls Großfirmen aus Steuergründen abwandern, droht somit weitere BIP-Schrumpfung.
Im Endeffekt wird der deutsche Steuerzahler für die verzockten irischen Hausbesitzer und Banken aufkommen müssen - via EU-Transferzahlung. Aber darin hat der dt. Steuerzahler ja bereits Erfahrung. Er durfte - via Ersparnistransfer in US-Schrott durch unsere Landes- und Zockerbanken - ja auch bereits einen Großteil der "Kosten" für die US-Subprime-Blase übernehmen.
Chart von Internet Capital Group: Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Aktie jemals wieder ihren Jahr-2000-Mondkurs von 4200 Dollar erreicht, ist praktisch Null. Aktuell notiert sie - nach tiefem Sturz - auf 11,90 Dollar. Genauso unwahrscheinlich ist, dass Häuser in USA, Irland oder Dubai wieder auf ihr damaliges "Blasen-Niveau" steigen. Die Wachstums-Story zieht nicht mehr - mindestens eine Generation lang. Das hat auch nichts mit konjunktureller Entwicklung zu tun, wie der "Spiegel" wähnt. (Verkleinert auf 70%)

