Hoppla, ich glaube, langsam brennt der Baum. Ich meinte ja letzte Woche bereits, einen der wichtigsten Handelstage des Jahres gesehen zu haben ... na, Freitag kam der nächste.
Eines ist sicher: Wenn dieses Auf- und Ab-Geschaukel noch ein paar Tage so weitergeht, werden wohl die ersten Akteure alleine deswegen aussteigen, weil ihnen bei diesem Zickzack langsam übel wird. Einmal rauf, einmal runter, zwischendrin ein paar Aktien fallen lassen. Was zum Stichwort führt:
In den USA lässt man zunehmend Aktien fallen. Weil sie böse sind. So richtig pfui. Die Unternehmen haben die Dreistigkeit besessen, die Anleger nicht wie sonst mit weit übertroffenen Gewinnprognosen zu beglücken. Dumm vor allem, und das scheint nun immer mehr Investoren bewusst zu werden, dass es hierbei um im Vorfeld schon deutlich gesenkte Prognosen geht.
Und da muss man jetzt mal genauer hinsehen, um zu erkennen, dass hier das Gebälk der Rallye bereits knistert. Sie erinnern sich, Microsoft und Google konnten am Donnerstag nachbörslich nicht erfreuen. Dann kam auch noch Caterpillar am Freitag mit miesen Zahlen. Dumm gelaufen. Dass die am Freitag im Minus lagen, war klar. Aber da muss man nicht hinsehen.
Wo man hinsehen muss sind die Aktien, die scheinbar gute Ergebnisse gemeldet haben. Was mit denen passiert, ist viel wichtiger, denn da kann man sehen, was die Akteure umtreibt. Und wenn ich mir die für Freitag relevanten „guten“ Aktien ansehe, erkenne ich: Da wollen viele raus ... lieber heute als morgen!
Nehmen wir die zwei Beispiele AMD und Citigroup. AMD hatte zwar einen heftiger als erwarteten Verlust, dafür lagen die Umsätze aber so hoch, dass es Freitag nachbörslich hieß, die kommen wieder auf die Füße. Im nachbörslichen Handel ging es mit AMD um über 5% nach oben, kurz nach der Handelseröffnung am Freitag waren es immerhin noch gut 3%. Schlusskurs am Freitag: -1,77%! Hoppla.
Citigroup: Gewinn über den Erwartungen. Zu Handelbeginn knapp 2% im Plus, am Ende des Handels –0,8%. Und das, obwohl die Aktie schon länger im Sinkflug ist. Nicht zuletzt ein Ausfluss der berechtigten Ängste, was die Hypothekenkrise für die Bilanzen der Finanzinstitute im kommenden Quartal noch so an Ungemach bereithält. Der Chart sieht, Sie sehen es, nicht lustig aus. Und er ist nicht der einzige.

Dazu kommen die Aktien, die bereits früher in der Woche gemeldet haben, z.B. Intel und Yahoo!. Die erholen sich nicht von diesen Verlusten, sondern fallen einfach weiter. Und (ha!):
Wenn die schönen Illusionen schwinden ...
Siehe da, die Alcoa, gell? Soweit zum Thema „M&A“ (Merger & Acquisition). Jeder übernimmt jeden, Gerüchte tun es da auch, und alles steigt. Nun kam am Donnerstag die Meldung, das mit Alcoa und Rio Tinto wird nichts. So was! Vom Mittwochs-Closing zum Freitag fiel die Aktie insgesamt –7,5%.
Tja, da platzen im Moment viele, viele Seifenblasen. Mit den hiesigen Seifenbläschen Daimler und E.ON war seit Anfang Juni auch nichts mehr zu verdienen. Und in den USA schlingert ja immer noch das Paradepferdchen des schnellen Reichtums Blackstone vor sich hin. Ich habe sie da hinsichtlich der aktuellen Wasserstände zu lange vernachlässigt, liebe Leser:
Die Private Equity Group Blackstone notierte am Freitag bei peinlichen 25,95 Dollar. Ausgabepreis an die Aktionäre beim Börsengang vor einem Monat: 31 Dollar. Macht 16,3% miese ... und die Besitzer reiben sich mit vollen Taschen die Hände.

Es sei denn, man hat sie gleich zum ersten Börsenkurs gekauft. Der war bei gut 38 Dollar ... macht 31,2% miese. Respekt. Und dass man sich auf die Träume vom leichten Geld der Anleger gut eingestellt hat, zeigt die Übersicht an Optionsscheinen auf Blackstone hierzulande: Ich habe 46 Calls und 3 Puts gezählt. Der höchste Basispreis eines Calls ist übrigens 70 Dollar ...
Soweit zum Thema bullishe Stimmung. Nun, im nächsten Abschnitt, zum Dax:
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Noch höchstens 48 Stunden bis zur Entscheidung (II)
von Ronald Gehrt
Ich habe sehr den Eindruck, dass die Aufwärtsbewegung der US-Börsen und das eiserne Klammern des Dax an der 8.000 mit Masse an diesem Verfalltermin vom Freitag hing. In jedem Fall ist dessen Relevanz unübersehbar deutlich geworden.
Wenn Not am Mann ist, tun es auch zwei Hexen
Dabei war es ja nur ein kleiner Verfall, d.h. ohne das Auslaufen der Futures, nur die Optionen. Und doch, auch ein solcher nur „zweifacher“ Hexensabbat ist bemerkenswert, wenn die Umsätze in den riskanten Derivaten so extrem zugenommen haben wie zuletzt. Jeder ist mutig (man kann da auch andere Begriffe wählen), jeder leistet sich jetzt (ausgerechnet) mal ein bisschen Pep im Depot ... und sie alle hängen hilflos an den Fäden der kapitalstarken Marionettenspieler. Und sie scheinen es nicht einmal zu bemerken.
Oder ist es ein Zufall, dass der Dax genau zum Zeitpunkt des Verfalls der Index-Optionen um 13:00 Uhr wie von Hexenhand nach oben gezogen genau bei 8.000 im Dax stand? Und dass sofort danach jeder so schnell als möglich versuchte, Land zu gewinnen?
Es ist üblich, dass viele in einzelnen Aktien im Optionsmarkt Long gehen, im Index aber die Shortpositionen stärker sind, nicht zuletzt wegen Absicherungsgeschäften, die man dann ja eher auf den gesamten Dax macht. Also ist es für die kapitalstarken Stillhalter, d.h. Verkäufer der Optionen, in aller Regel erwünscht, dass der Index hoch abgerechnet wird, damit so viele Puts wie möglich wertlos werden, und die Aktienoptionen wegen ihres Überhangs an Calls niedrig. Na, und präzise so lief es dann auch. Zum Auslaufen der Aktienoptionen erreichte der Dax dann 120 Punkte tiefer fast genau sein Tagestief. Also, Zufälle gibt’s ...
Ein Index mit Rundrücken
Der Chart des Dax gibt mir aber auch so zu denken. Bemüht, interne Feinheiten zu sehen, pflege ich fast immer den Candlestick-Chart herzunehmen. Doch am Wochenende habe ich dann einfach mal auf den guten alten Linienchart umgeschaltet, der rein die Tagesschlusskurse abbildet. Hui, so sieht der Dax aber gar nicht gesund aus. Das wirkt wie ein Haltungsschaden in Form eines Rundrückens ... und dass das Momentum des Dax erstmalig seit 12 Monaten – außer zu Beginn der März-Korrektur – unter die 100%-Linie rutscht und nicht sofort wieder darüber hinaus steigt, ist etwas, was unruhig machen muss.

Im üblichen Candlestick-Chart habe ich zudem den MACD abgebildet, der nun nach dem ersten Verkaufssignal im Juni schon zum zweiten Mal an seiner Signallinie wieder nach unten gedreht hat. Auch hässlich, dass der Dax seinen 20 Tage-Durchschnitt nicht wieder wie sonst sofort überwinden konnte sondern vielmehr genau dort am Freitag wieder nach unten gedreht hat.

Noch ist die Tradingspanne zwischen 7.750 und 8.150 nicht gebrochen. Aber wenn das nun nicht bis spätestens morgen zum Closing „repariert“ ist, sehe ich Bären tanzen. Unter 7.750 würde ich die bei mir aktuell geltende Alarmstufe „hellrot“ sofort auf „dunkelrot“ hoch setzen. Denn dann würde genau das passieren, was im Sinne der Bullen nicht passieren darf:
Wer ist auf ein Szenario mit einem Dax unter 7.750 vorbereitet?
Die meisten erwarten noch einen Ausbruch über 8.150 und eine darauf folgende heftige Kursrallye, in welche dann „alle“ bequem (an wen eigentlich) verkaufen können. Kommt sie nicht, dann gibt es eben einen Seitwärtstrend, in dem man dann auch noch mit guten Gewinnen verkaufen kann.
Aber was, wenn nicht mal das hinhaut? Wenn die 7.750 fallen bin ich sicher, dass sehr, sehr vielen Investoren, ob groß oder klein, flau im Magen wird. Und dann, genau dann, wird man entsetzt aus seinem Bullenfell hüpfen und feststellen: Quartalsbilanzen in den USA mies, Konjunkturdaten nur so lala, Euro haussiert, Öl haussiert, Zinsen gestiegen ...
Wehe, wenn die Stimmung kippt!
Eines sollte man bedenken: Ob der Dax weiter nach unten läuft, ist nicht alleine eine Frage der Zahl potenzieller Verkäufer. Um ihn aufzuhalten, müssen sich auch auf noch relativ hohem Niveau genug Akteure finden die davon überzeugt sind, dass sie damit ein gutes Geschäft machen. D.h. nicht, dass der Dax sich dann dort halten wird – warum sollte man dann einsteigen. Nein, sie müssen der Ansicht sein, dass es zügig wieder steigt.
Das wäre bei Kursen über 8.150 möglich. Denn dann würden Baisse-Eindeckungen und neue Käuferschichten eine hohe Wahrscheinlichkeit bergen, dass es zumindest kurzzeitig weiter geht. Schnell und weit. Aber unter 7.750 müssen dann Leute die Hand aufhalten. Sicher haben das sehr viele bei einem Dax nahe am Allzeithoch so beschlossen. Aber da war die Hoffnung auf tolle Quartalsbilanzen und wieder wachsende Konjunktur in der USA da, das Öl noch 5 Dollar billiger, die Zinsen niedriger und der Euro/Dollar-Kurs bei 1,35.
Und auf einmal werden einem diese Probleme so vor Augen gehalten, dass es schon ein hartes Stück Arbeit ist, sie weiter zu ignorieren. Und das kann sehr leicht bedeuten, dass jemand, der bei 8.200 im Dax eingestiegen wäre, es bei 7.750 nicht tut ... weil die Stimmung gekippt ist. Sie sehen ... das Ganze ist auch nicht unbedingt eine Frage des Kursniveaus.
Ich weiß immer noch nicht, ob wir nicht doch die 8.150 überraschend noch knacken. Ich kann es nicht wissen, weil ich nicht in die Köpfe und Depots der unzähligen Investoren jedweder Couleur hineinsehen kann. Aber das können andere eben auch nicht. Doch wenn die 7.750 fällt, sehe ich die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur, die bei 7.500 gar nicht erst halt macht, bei 80%. Das ist zuwenig, um sicher zu sein. Aber zuviel, um es sorglos zu ignorieren!
Ich meine, dem Dax bleiben noch 48 Stunden, also zwei Handelstage, um die aktuell brenzlige Chartlage zu reparieren. Das bedeutet: Mindestens über dem 20 Tage-Durchschnitt bei 8.000 schließen. Gelingt das nicht, wird es hektisch!
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag – bis morgen!
Ronald Gehrt
The Daily Observer