Mich wundern die hohen Mittelzuflüsse in die USA (hohe TIC-Zahlen) weniger...
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17.7.07, 15:00 CET
Veröffentlichung der US-amerikanischen Zahlen zu den Internationalen Kapitalströmen ("Treasury International Capital") für Mai 2007
Die Nettokapitalzuflüsse in die USA lagen im Mai bei 105,9 Mrd. US-Dollar. Erwartet wurden Zuflüsse in Höhe von 72 Mrd. US-Dollar. Im Vormonat hatten diese bei 97,8 Mrd. US-Dollar gelegen. Damit wurde der Vormonatswert von 84,1 Mrd. US-Dollar nach oben revidiert.
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... Denn der Dollar ist mit 1,38 schlicht billig - und mit 5,25 % attraktiv verzinst.
Die Kaufkraftparität zum Euro liegt zurzeit bei schätzungsweise 1,17 - der Dollar ist mit 1,38 daher rund 20 % unterbewertet. 2000 lag die Kaufkraftparität noch bei etwa 1,09. Diese 10 % Abwertung in der Kaufkraftparität ist das, was nach allem Dollar-Permabären-Gesülze und Gold-Guru-Gegrunze netto übrig bleibt, wenn man die vielen in der Tat vorhandenen Dollar-negativen Fakten (US-Verschuldung, Kriege) aufaddiert. "Die Märkte" reagieren wie üblich übertrieben darauf.
Bei 1,38 ist klar ein Übertreibungs-Niveau erreicht, bei dem Intraday-Trader und sonstige Zocker, die von Fundamentals wenig verstehen, leuchtenden Auges Trendbrüche nach oben feiern und mit Hebelpapieren ausreizen. Ihr argumentatives Rüstzeug sind - gebetsmühlenartig vorgetragen - die Argumente von vorgestern, die ursprünglich mal die Dollar-Abwertung angeschoben HATTEN. Viele dieser Argumente aber wurden durch die Dollar-Abwertung selbst hinfällig - das Handelsdefizit etwa wird, wie ja auch in # 3002 und 3003 dargelegt, mit der Dollarabwertung automatisch geringer.
Während das "Dumb money" (Trader, Zocker) charttechnische Kapriolen schlägt und mit immer absurderen "Kurszielen" oberhalb 1,50 jongliert, ist das "Smart money", zu dem auch Großbanken und Zentralbanken zählen, bereits dabei, zu diesen Sonderangebots-Kursen Dollars zu AKKUMLIEREN: Es findet eine Distribution von schwachen in starke Hände statt. Zum Smart money zählen auch die Commercials (Coms), die im Futuremarkt die Gegenposition zu den Specs (Spekulanten) einnehmen (COT-Chart unten).
Man muss auch im Hinterkopf behalten, dass der Dollar immer noch die Weltleitwährung ist. Schätzungsweise 60 % aller liquiden Mittel auf unserem Planeten sind in Dollar. Das könnte man gar nicht, selbst wenn man wollte, alles in Euro, Pfund, Franken und Yen umtauschen. Daran ändert sich auch nichts, wenn die USA wegen des Housing-Debakels in eine Krise schlittern. Die BÖRSEN würden dann höchstwahrscheinlich deutlich einbrechen - darauf setzen ja hier im Thread Viele (oder haben es zumindest vor, sobald die Signale kommen). Der Dollar hingegen könnte in Krisenzeiten sogar erstarken, weil er bei aufkommender Risikoaversion als "schützender Hafen" gesucht wird: Geld aus Hochzinsanleihen in Brasilien, Indonesien, Island, Türkei, sonstiges Asien z. B. könnte dann wieder zurück in die USA fließen. Ein Blick auf die Börsen-Charts und den EUR/USD-Chart von Mai bis Juni 2006 veranschaulicht diesen Zusammenhang.
Im Bondmarkt hat die steigende Risikoaversion bereits zu einem deutlichen Anziehen der Dollarzinsen bei den Langläufern (10- und 30jährige US-Staatsanleihen) geführt - was Dollaranlagen in dieser Assetklasse zweifellos attraktiver macht. Nimmt man dann noch den günstigen Einstiegskurs von 1,38 hinzu, der zusätzliche Währungsgewinne verspricht, dann geben die guten TIC-Zahlen (oben) keine Rätsel mehr auf.
(Verkleinert auf 69%)

