Deutsche Bank dämpft Crash-Ängste
Trotz der stark angeschwollenen Kreditfinanzierung, vor allem durch Private-Equity- und Hedge-Fonds, sehen die größten deutschen Finanzkonzerne Deutsche Bank und Allianz keine systematischen Risiken für das Finanzsystem.
"Die Finanzstabilität ist größer als vor zehn Jahren, und die Risiken sind quantifizierbarer ", sagte Hugo Bänziger, im Vorstand der Deutschen Bank für das Risikomanagement zuständig. "Die Tatsache, dass es so viel Risiko gibt, das gehandelt wird, stellt eine verbesserte Risikostruktur dar", sagte Allianz-Finanzchef Paul Achleitner bei einem anderen Pressegespräch.
Die Vorstände von Deutsche Bank und Allianz stellen sich damit gegen die immer lauteren Warnungen von Finanzaufsichtsbehörden, Zentralbanken, Rating-Agenturen und sogar einigen Bankern. Hintergrund ist, dass Private-Equity- und Hedge-Fonds ihr Geschäft immer stärker auf Pump betreiben. Dies treibt die Kaufpreise für Übernahmen und - aufgrund der latenten Gefahr für Firmen, gekauft zu werden - sogar die Aktienkurse.
Doch werden die Kredite zur Kaufpreisfinanzierung in immer größerem Ausmaß von Hedge-Fonds und strukturierten Fondsvehikeln (Collateralized Debt Obligations, CDO) gewährt, die sich ihrerseits stark auf Kredit refinanzieren. Schon jetzt bleiben in den USA nur zehn Prozent der Private-Equity-Kredite im Bankensektor, der durch die Aufsichtsbehörden weltweit streng reguliert ist. 90 Prozent landen bei kaum regulierten Hedge- und CDO-Fonds. Jochen Sanio, Präsident der Finanzaufsicht BaFin, hatte deshalb geklagt: "Kann überhaupt noch jemand erkennen, bei wem die Risiken endgelagert sind?" Hedge-Fonds sind für ihn schon lange "schwarze Löcher".
Bänziger dagegen hält die systematischen Risiken für geringer als früher, da die Risiken viel besser diversifiziert seien. Diese seien für ihn intern auch transparent - die Deutsche Bank ist einer der größten Händler im Auftrag von Hedge-Fonds. Bei einem Symposium der Bundesbank hatte Bänziger die großen Notenbanken wie US-Fed, EZB oder Bank of England aufgefordert, gemeinsam die Verteilung der aus Bankbilanzen ausgekehrten Risiken nachzuvollziehen. "Wenn sich die großen Zentralbanken zusammenschließen würden, könnten sie über die Großbanken ohne Probleme herausfinden, wohin die Risiken gegangen sind."
Seit 1980 sind die Kapitalmärkte drei Mal so stark gewachsen wie die reale Wirtschaft. Lagen die weltweiten Finanzanlagen damals in der Größenordnung des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP), entsprechen sie inzwischen dem dreifachen BIP. Dieses weit überdurchschnittliche Wachstum liegt laut Allianz-Vorstand Achleitner am Risikotransfer. Dieser ermögliche, dass es nicht automatisch bei jedem Geschäft Gewinner und Verlierer gebe, sondern oft nur Gewinner.
Bänziger und Dresdner-Vorstand Stefan Jentzsch sehen Hedge-Fonds als stabilisierend für das Finanzssystem an. "Sie nehmen Risiken, die andere nicht wollen", sagte Jentzsch. Die Dresdner-Mutter Allianz profitiere davon, dass sie Naturkatastrophen- oder Autoversicherungsrisiken in verbriefter Form an Hedge-Fonds weiterreichen könne.
Die Nagelprobe könnte demnächst anstehen: Jentzsch rechnet damit, dass der Kreditmarkt bald drehen könnte. "Die Kreditrisiken sind seit längerem nicht mehr adäquat bepreist. Die Erfahrung zeigt, dass sich solche Marktanomalien nicht allzu lange halten." Erste Indizien dafür gibt es: Zuletzt musste in mehreren Fällen die Platzierung hochriskanter Kredittranchen mangels Nachfrage verschoben werden. "Ob das eine Trendumkehr oder nur wachsende Vorsicht ist, ist schwer zu sagen", sagte Jentzsch.
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