Sinkende Zinsen + Hoch-Konjunktur
Kurs-Trampolin. Die angestrebte Europareife der Beitrittsländer könnte die Kurse an den Börsen in die Höhe
WIEN (red.). Die Flaute an den Börsen des Westens läßt die Blicke der Investoren zunehmend gen Osten schweifen. Insbesondere Unternehmen aus den Ländern der EU-Beitrittskandidaten haben es den Investmentberatern angetan. Eine reine Marketing-Initiative der großen Banken oder eine wirkliche Alternativ-Strategie für leidgeprüfte Anleger?
Für Investitionen im Osten spricht, daß die Ökonomien kaum wo so stark wachsen wie in den Erweiterungsländern. Durch die eingeleitete Angleichung dieses Wirtschaftsraumes an jenen der EU sinken zudem Inflationsraten, Zinsen und Haushaltsdefizite zum Teil recht deutlich. Wie stark Aktienmärkte auf Bemühungen in Richtung Euro-Fitness reagieren können, zeigte das Beispiel Griechenland. Im Zuge der Anstrengungen für einen Euro-Beitritt Griechenlands schnalzten die Kurse an der bis dahin kaum beachteten Athener Börse in die Höhe. Der Wert der im Leitindex ASE vertretenen Aktien hat sich zwischen 1997 und 1999 immerhin versechsfacht.
Ob eine derartige Wertsteigerung auch den Ost-Börsen winkt, kann freilich niemand beantworten. Experten geben aber insbesondere den Börsen in Budapest, Prag und Warschau große Chancen. Dort ist die Liquidität am größten, wodurch auch die internationale Beachtung steigt. Zudem sind die Aktien vergleichsweise günstig. Die Werte sind mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von acht (Ungarn) bis 14 (Polen) vergleichsweise günstig. Daß günstige KGVs nicht alles sind, zeigt allerdings der Wiener Markt.
In Tschechien sehen werden vor allem Bank-Titel (siehe obenstehenden Artikel) und Aktien der Energieversorger favorisiert. So steht etwa der börsenotierte Temelín-Betreiber CEZ vor der Privatisierung. Obwohl der Verkauf des 67 Prozent schweren staatlichen Aktienpakets zweimal verschoben werden mußte, dürfte es nach den Wahlen soweit sein. Interesse haben neben dem deutschen RWE auch die französische EdF und ein britisches Konsortium angemeldet. Prager Banken rechnen mit einem Kaufpreis von 200 Kronen, derzeit liegt der Kurs bei knapp 80 Kronen.
Energiewerte zählen auch in Polen zu den interessantesten Aktien. So sollte nach Einschätzung der Bank Austria beim Mineralölkonzern PKN Orlén einiges zu holen sein. Die PKN verhandelt mit der ungarischen Mol und der heimischen OMV über eine gemeinsame Zukunft. Allerdings dürften Vorkommnisse wie in der vergangenen Woche, als PKN-Präsident Andrzej Modrizewski nach Korruptionsvorwürfen für einige Stunden verhaftet wurde, dem Unternehmen nicht gerade gut tun. Auf den polnischen Kauflisten befindet sich mit KGHM Polska Miedz auch noch der zweitgrößte Kupferhersteller Europas. In Ungarn halten Investoren neben der Mol auch auf den Pharmakonzern Gedeon Richter große Stücke.