27. Oktober 2006, 17:57
FLAUE KONJUNKTUR
Schwacher Häusermarkt bremst Amerika
Der dramatische Preisverfall auf dem US-Immobilienmarkt hat nun auch Auswirkungen auf die Gesamtkonjunktur: Im abgelaufenen Quartal wuchs die amerikanische Wirtschaft so langsam wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr.
Washington - Die Zahlen wirken - für sich genommen - immer noch respektabel: Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im Sommerquartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 1,6 Prozent. Analysten hatten aber im Schnitt mit einem Wachstum von 2,2 Prozent gerechnet. Der Dollar und die Aktien gaben in Reaktion auf das schwache Wachstum nach.
Zu verkaufen: Luxus-Wohnhaus in Brooklyn, New York
Erstaunlich ist auch das Tempo, in dem die US-Konjunktur sich abgekühlt hat. Im Frühling war die Wirtschaft noch mit einer hochgerechneten Rate von 2,6 Prozent, am Jahresanfang gar um sechs Prozent gewachsen. "Die Wirtschaft kühlt sich schneller als erwartet ab", sagte Michael Woolfolk von der Bank of New York. Nun wächst die Angst, dass sich die bisher spendierfreudigen US-Verbraucher ihre Kauflaune von der Flaute am Häusermarkt verderben lassen könnten.
Die Immobilieninvestitionen brachen aufs Jahr hochgerechnet im dritten Quartal um mehr als 17 Prozent ein - und damit so stark wie seit mehr als 15 Jahren nicht mehr. Damit mehren sich die Indizien, die auf ein Platzen der US-Immobilienblase hindeuten. Bereits gestern war bekannt geworden, dass der Durchschnittspreis für ein neues Haus in den USA im September um 9,7 Prozent niedriger lag als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Ein solch drastisches Minus innerhalb eines Jahres gab es seit 1970 nicht mehr. Der aktuellen Statistik des US-Handelsministeriums zufolge kostete ein Eigenheim in den USA im September durchschnittlich 217.100 Dollar - die Preise sind damit auf dem niedrigsten Stand seit September 2004 gesunken.
Der Wertverlust gebrauchter Häuser ist nicht minder deutlich. Um 2,5 Prozent sanken die Preise in den vergangenen vier Wochen - der stärkste Rückgang seit der statistischen Erfassung der Preise.
Auswirkungen auf deutsche Exporteure befürchtet
Auch der drastische Anstieg der Importe bremste das Wachstum in den USA: Die Einfuhren legten um fast acht Prozent zu und damit fünf Mal so schnell wie im zweiten Quartal. Dagegen blieben die Firmeninvestitionen robust. Auch die Verbraucher steigerten ihre Ausgaben deutlicher als zuvor, und zwar um 3,1 Prozent.
Dies stärkte die Erwartung, dass die Abschwächung des Häusermarktes das Wachstum der US-Wirtschaft zunächst nicht vollkommen zum Erliegen bringen wird. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass der Preisverfall der Immobilien die US-Verbraucher bald zum Sparen zwingen könnte. "Man muss sich schon fragen, wie lange der private Verbrauch der Immobilien-Abschwächung standhalten kann", sagte die Anleihehändlerin Mary Ann Hurley von D.A. Davidson.
Die Wachstumsverlangsamung heizte an den Finanzmärkten Spekulationen an, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Wirtschaft schon bald mit einer Zinssenkung ankurbeln könnte. "Damit drängt sich die Frage auf: vielleicht muss die Fed im ersten Quartal senken?", sagte Marc Pado vom Handelshaus Cantor Fitzgerald. Auch die in dem Konjunkturbericht enthaltenen Inflationsdaten stärkten die Finanzmärkte in ihrer Überzeugung, dass sie in den USA zumindest keine Zinserhöhung mehr befürchten müssen. Der für die Fed zentrale Kernpreisindex auf Basis der Konsumausgaben stieg um annualisiert 2,3 Prozent, nach 2,7 Prozent im Vorquartal. Bei ihrer Sitzung in dieser Woche hatte die Fed die Zinsen unverändert bei 5,25 Prozent belassen. Über ihre weitere Zinspolitik hatte die Notenbank die Märkte dabei im Unklaren gelassen.
Die Schwäche der US-Wirtschaft dürfte nicht spurlos an der Deutschland vorbeigehen, da es die Exporte dämpfen wird. "Die Wachstumsabschwächung in den USA ist ein Grund dafür, weshalb die deutsche Konjunktur im kommenden Jahr an Fahrt verlieren wird", sagte Ralph Solveen von der Commerzbank. "Es wird zwar bei den Exporten keinen Einbruch geben, aber sie werden nicht mehr so schnell steigen wie in den vergangenen Monaten. Auch auf die Investitionen dürfte sich dies negativ auswirken."
itz/Reuters/AP