Die Rezession 2007 mag zwar deutlich schwerer werden als die des Jahres 2001, doch letztere war recht leicht. Sie wurde abgefedert durch die drastischen Zinssenkungen der Fed, die die harte Landung zumindest aufschoben. Diesmal könnte die Landung härter werden (weil nicht nur Dot.com-Aktionäre, sondern auch viele Hausbesitzer betroffen sind), aber ich glaube kaum, dass die Indizes wesentlich tiefer fallen als auf den Stand von Anfang 2003. Ebensogut ist möglich, dass lediglich der Anstieg von März 2003 bis Mai 2006 zu 50 % korrigiert, der Dax also etwa bei 4000 "die Kurve kriegt". Vielleicht gibt es auch nur eine weitere leichte Korrektur um 5 % - und das war's dann. Für das Fine-Tuning bleibt einem nichts anderes übrig, als die ganze Zeit über vor dem Monitor zu sitzen (wie die Wall-Street-Leute das ja auch machen), alle News ständig auszuwerten und seine eigenen Hypothesen ständig zu hinterfragen (im Sinne von: "bin ich vielleicht schon zu bärisch"? usw.)
Genau "timen" kann das nicht einmal die Fed, die zukünftige Entscheidungen erklärtermaßen von der Datenlage abhängig machen will.
Wann die Erholung kommt, hängt von der Art des Absturzes ab. Gibt es jetzt im Herbst einen Absturz ähnlich dem von 1987, so werden schlagartig alle Übel dieser Welt eingepreist - und die Börsen können wieder steigen. Kommt dieses "reinigende Gewitter" nicht, könnte es ein längerfristiges "Salami-Sterben" geben wie zuletzt vom Sommer 2000 bis März 2003.
Im Übrigen ist eine Rezession ja keine jahrzehntelange Wirtschaftskrise (wie etwa die galoppierende Inflation in den 1970-er Jahren), sondern ein Teil des normalen Wirtschafts-Zyklus. Sie dauert typischerweise 6 bis 18 Monate. Die Börsen steigen meist schon, sobald sich erste Lichtblicke zeigen - vor allem nach schweren Abstürzen, wenn alte Übertreibungen bereits hinreichend abgebaut sind. Das konnte man im April 2003 sehr gut beobachten, als - zu Beginn des letzten Irakkriegs - alles scheinbar immer noch rabenschwarz aussah. Trotzdem war es für die Börsen ein Langzeit-Tief.
Im Titel dieses Threads steht das Wörtchen "day" - für Tag. Der Doomsday ist in diesem Sinne der Tag des "V"-förmigen Kapitulations-Tiefs, an dem alle Normal-/Fond-Anleger ihre Aktien gleichzeitig "bestens" verkaufen, weil sie "für immer" die Schnauze davon voll haben. Die Generation 2000 ist schon "abgefrühstückt" (Doppeltief im Oktober 2002 und März 2003), jetzt wird die Generation Google gemolken. Nach solchen radikalen Abstürzen geht es meist ebenso steil wieder nach oben. (Die Börse übertreiben halt immer.)
Die "Doomsdays" der Vergangenheit lagen im Oktober 1998 (LTCM/Russland-Krise) und im Oktober 2002 (Post-Dot.com-Tief). Gemäß dem "Presidential Cycle" (Abstürze alle 4 Jahre nach jeweils der Hälfte der US-Legislaturperioden) würde ein jetziger Doomsday im Oktober 2006 vom Timing her sehr gut ins Gesamtbild passen - zumal auch fundamental Einiges (Housing-Fiasko) dafür spricht..
Ich habe, wie schon oben gepostet, zurzeit eine Short-Speku laufen (S&P-500 Puts). Dabei liegt die Betonung ebenfalls auf "short". Mein Zeitrahmen für diese Short-Speku ist bis max. Ende diesen Jahres. Aus dem Short muss man am vermuteten Kapitulationstief natürlich sofort raus. (Langzeitanleger hingegen gucken am besten überhaupt nicht hin - das macht nur nervös und ärgerlich.)
Besonders interessante Aktien am vermuteten TIEF (für den dann fälligen Long-Einstieg) sind die von Banken und Versicherungen, weil die selber Aktien halten und daher dem Crash "doppelt" ausgesetzt sind. Die gehen am kräftigsten runter, liefern bei der nachfolgenden Erholung aber auch die dicksten Gewinne. So fiel etwa die Commerzbank von 36 Euro (2000) auf 5,40 Euro (2003), um sich wieder bis auf 34 Euro (April 2006) zu erholen. Bei Technologie-Aktien wie Intel wird man einen solchen 80 %-Rückgang, gefolgt von einer 400-%-Erholung, vermutlich nicht sehen.
Da der S&P-500 sehr finanzlastig ist, könnte man am Tief auch sehr gut SP-500 Calls kaufen, die einen noch größeren Hebel haben. Ideal (aber gefährlich) sind SP-500-Futures (long), weil in deren Preis keine Volatilität einfließt, während Calls wegen der in Krisenzeiten typischerweise sehr hohen Volatilität dann recht teuer sind. Beim Anstieg nach dem Crash sinkt die Vola wieder, die Calls profitieren daher unterproportional.





