In meinem gestrigen Posting hier hab ich geschrieben, dass die von mir erwartete Erholung an den US-Börsen zumindest anfangs ein künstlich herbeigeführter Fake sein wird, an den dennoch alle glauben werden und wollen (aus Überlebensinstinkt). Das Mittel der Wahl ist, den Verfall der Indizes an den wichtigen Langzeit-Unterstützungen (z. B. 770 im SPX) zu stoppen und eine Wende - entgegen die widrigen Fundamentals - zu forcieren. Bei CBS heißt es dann: "Die Daten sind grauenhaft, aber das ist bereits eingepreist" oder "Anleger ignorieren schlechte Wirtschaftsdaten".
Um die Fake-Rallye loszutreten, bedarf es eines künstlichen Anstoßes. Dazu müssen "interessierte Kreise" nicht zig-Millionen Futures kaufen (obwohl sicherlich auch Buy-Programme der Institutionellen helfen). Das beste Mittel wäre eine überraschende "Interim-Zinssenkung der Fed" um 0,5 % - idealerweise wieder in Abstimmung mit den anderen großen Zentralbanken, die dann ebenfalls entsprechend senken. Natürlich bringt eine Überraschungs-Zinssenkung nicht wirklich was, aber sie liefert zunächst mal den Zündstoff für die Trendumkehr, zwingt Shorts zum Eindecken (insbesondere prozyklische, die erst nach dem Bruch der 770 im SPX short gegangen waren) und ruft die ETF-Trader-Meute als Trittbrettfahrer ins Long-Lager. Weiteres Benzin für dieses Feuer wäre eine Neuauflage des Shortverbots für Bank-Titel. Der US-Banken-Index (Chart unten) ist extrem überverkauft, so dass sich hier besonders gut eine Short-Cover-Rallye "provozieren" ließe.
Das sind dann zwar alles Head-Fakes und Luftnummern, aber die Indizes würden trotzdem stark steigen. Die Mehrheit der Menschheit würde dies mit großer Erleichterung goutieren. Der DAX könnte bis über 5000 klettern, der SPX über 900. Das passt dann auch saisonal gut in die "traditionell starke Thranksgiving-Woche". Wenn die Momentum-Meute am Ball bleibt, könnte es auch noch weiter steigen (Weihnachtsrallye). Voraussetzung ist, dass nicht grottenschlechte News die Stimmung verderben. Man muss also auch entsprechende Weisungen ans Propaganda-Ministerium und die Statistik-Virtuosen am BLS schicken.
Auch wenn Charttechniker wie Wawidu - nicht zuletzt aus fundamentalen Gründen - einen weiteren Durchmarsch nach unten für wahrscheinlich halten, muss man berücksichtigen, dass die Drahtzieher in USA und insbesondere an der Wall Street sehr gut um die "All-Macht der Charts" wissen und mit geeigneten Maßnahmen (s.o.) ein blaues Wunder inszenieren können - gerade an so wichtigen Unterstützungen wie jetzt.
Wenn es dann lang genug nach Norden gegangen ist, werden die Seriellen-Boden-Ausrufer wieder das Ende des Bärenmarkts verkünden. Frühestens dann böten sich für Trader wieder erste antizyklische Shorts an. Letzte Woche, bei SPX-Ständen um 740, waren Shorts "tödlich". Aktuell stehen die ES-Futures schon wieder rund 10 % höher - und dürften im Laufe der Woche noch weiter steigen.
Der Upmove an den Börsen weltweit würde der Konjunktur gut tun, dies im Umfeld der Horrormeldungen, die nicht so schnell abreißen werden. Das erschreckende an den Aufwärtsbewegungen ist aber deren Heftigkeit - 7,8 oder 10% erwecken wiederrum Zweifel an der Beständigkeit.
Das was die Kurse und damit die Jahresendrally derzeit stützen könnte sind positive Aussichten über das Jahr 2009 hinaus. Ich glaube aber, dass allen regelmässigen Thread-Postern es mittlerweile klar ist, wie wenig Wachstumspotenzial zu erwarten ist.
Auch eine Anlagestrategie auf Basis von KGV-Bewertungen nach dem Motto: "Kaufen was billig ist" wäre derzeit ein Kurstreiber. Dennoch zeigen die niedrigen Bewertungen trotz der Hiobsbotschaften, die noch kommen können, dass sich die Aktienmärkte weltweit - das gilt auch für den DAX - einem zwischenzeitlichen Boden genähert haben könnten. Alles Negative, das denkbar ist, wird derzeit am Markt eingepreist. Der Abwärtstrend kann aber nicht pausenlos anhalten. Solche Gelegenheiten wie heute gilt es dann entsprechend zu nutzen.
Werte wie Bayer, BASF, EON und mittlerweile auch die Deutsche Bank sind sicherlich eines Blickes wert, wenn auch nur mittelfristig.
|