In allererster Linie deshalb nicht, weil es 1929 ff noch den Goldstand gab und dadurch "mitverursacht" hohe, grössten Teils 2-stellige DEFLATIONSRATEN in den 30er Jahren. Geld wurde damals also real mehr wert (!). Daher ist es grundfalsch NOMINALE Charts von 1929 für Vergleiche mit 2008 heranzuziehen. REAL gesehen, waren die Aktienkurse in 1929ff daher "nicht so schlimm" wie es nominal nun retrospektive aussehen mag. UMGEKEHRT hatten wir seit 2000 in USA und Europa ein hohes - über weite Strecken jährliches 2-stelliges M3- Wachstum. Anders als beim Rückblick auf 1929ff ergeben sich bei einem Rückblick der letzten Jahre 2 Schlüsse:
1) REAL (inflationsbereinigt) befindet sich die grossen Indices bereits seit 2000 in einem Bärenmarkt
2) REAL ist der Verlust der letzten Monate und Jahre NOCH deutlich grösser und einige sind gar der Ansicht, dass bereits die realen (inflationsbereinigten) Verluste seit 2000 das Ausmass der realen (deflationbereinigten) Verluste von 1929 erreicht hat:
Hier ein paar Zahlen dazu:
Das inflationsbereinigte SPX-Allzeithoch 1553 Punkte vom März 2000 wäre heute bereinigt mit der echten Inflation (M3; die viel größer ist als die gefälschten Zahlen) etwa 3500, beim Stand von 840 fiel der SPX damit inflationsbereinigt 76% (!) unter dem Allzeithoch. Damit erleben wir so ziemlich den größten Rückgang der Geschichte, nur 1929-32 brachte für den Dow Jones vergleichbare reale Verluste von -80% mit sich (da wir damals unter dem Goldstandard eine Deflation hatten, waren die nominellen Verluste größer als die realen). Der Nasdaq 100 fiel bereits auf -88% unter dem Hoch 2000, das arithmetische Mittel von -76% und -88% ist -82%, d.h. wir haben schon den größten Realverlust der Aktienmärkte in der Geschichte des Kapitalismus!
Die nächstgrößeren Rückgänge in der Geschichte des Kapitalismus waren nur die Baissen 1906-1921 und 1968-1982 mit jeweils etwa -70%. Die größten Rückgänge im 19. Jh. waren geringer, da der Goldstandard ein Finanzsystem viel mehr stabilisiert und Blasen schwächer ausfallen, daher waren auch die Crashs waren viel weniger ausgeprägt. Nach der größten Baisse in der Geschichte des Kapitalismus fragt man sich natürlich: wie tief also sollen die Indizes denn noch fallen? In die gleiche Kerbe schlägt eine Analyse des Sentiments, welches in den letzten Wochen so pessimistisch wurde, daß man sagen kann: wenn wir morgen noch nicht alle tot, ist das schon eine sehr positive Überraschung! ;-)
Bei dieser Gelegenheit kann man gleich ein anderes hartnäckiges Gerücht richtigstellen: immer wieder liest man, daß der Dow Jones etliche Jahrzehnte brauchte, um das Hoch von 1929 zu überschreiten. Das ist jedoch eine nicht wirklich repräsentative Darstellung, denn der inflations- bzw. deflationsbereinigte Total Return Index der US-Aktienmärkte war bereits 1936-37 höher (!) als 1929 (Link). Neben den Dividenden ist der 2. Grund für die Verzerrung, daß es 1929-33 eine massive Deflation gab, der CPI fiel um satte 27%. Der damalige Goldstandard tendierte dazu, inflationäre Übertreibungen wieder zurechtzurücken, während das gegenwärtige Papiergeld-Pyramidenspiel Inflation und damit monetären Betrug ohne Ende produziert.
"Jetzt droht eine Deflation wie in den 1930ern"
Ganz sicher nicht, denn bis 1933/34 gab es (in den USA) einen Goldstandard, dann eine Mischform, seit 1971 haben wir ein reines Papiergeldsystem, dieses tendiert im besten Falle zur Stabilität (dies trifft tw. auf Japan zu), im Normalfall jedoch zur Inflation und niemals zur Deflation!
www.goldseiten.de/content/diverses/...php?storyid=8953&seite=2