Es ist äußerst spannend, welche Argumente aus der Kiste gezogen werden, um sich die Zahlen von Alcoa zurechtzulegen:
(1) Der Gewinn ist zwar gestiegen, der Umsatz ist aber eingebrochen.
Armitage’s Interpretation:
Gewinn = Umsatz – Kosten.
Wenn also bei sinkendem Umsatz der Gewinn steigt, wurden die Kosten gesenkt. Also was Positives. Fraglich ist, ob dieser Kostensenkungseffekt dauerhaft ist, oder ob Kleinfeld die schlechten Quartale genutzt hat, um alle rumliegenden negativen Effekte zu realisieren?
Egal – wenn der Umsatz steigt, geht von jedem Dollar Umsatz ein recht ordentlicher Teil direkt in den Gewinn.
(2) Die Zockerbande hat den Alupreis hochgezogen, dann musste AA fast zwangsläufig (was für ein hübsches Wort!) einen unechten Gewinn erzielen.
Armitage’s Interpretation:
Das ist ne lustige Sicht – wenn der Alu-Preis sinkt, sind sinkende Gewinne erlaubt und aus Bärensicht legitim. Aber wenn der Alupreis etwas zurückkommt und damit stützend wirkt, ist es nicht recht…
(3) Analysten kann man ohnehin nicht trauen. „Analysten seit langer Zeit nicht mehr in der Lage auch nur annähernd treffende Abschätzungen abzugeben.“
Armitage’s Interpretation:
Das ist die Ersetzung der Verschwörungstheorie durch den Inkompetenzansatz.
Zugespitzt: Zufällige Q-Ergebnisse treffen auf inkompetente Analysten-Vorgaben – mal liegt der eine Satz, mal der andere Wert drüber (es gibt eine Organisationstheorie, die auf solchem Ansatz fußt).
(4) Zeitreise: „Umsätze ggü. Q3 2008 um 33% eingebrochen“ und „Gewinn um ca.75% ggü Q3 2008 gefallen“.
Armitage’s Interpretation:
Man reist solange in die Quartalsvergangenheit, bis man einen Vergleich hat, der sich furchtbar anhört. Gerade wenn es um die Erholung geht, aus dem „Rausarbeiten“ aus der Krise ist der Vergleich zum Vorquartal wichtige, nicht jedoch eine reine Vergangenheitsbetrachtung.
Denken in Tendenzen, Denken in Ableitungen.