[09:45, 27.07.06]
Schlechte Nachrichten werden derzeit eher ignoriert, dennoch zeigen Investoren wenig Zuversicht. Vormalige Bullen haben ihre Depots geleert und warten erst einmal ab. Dies hat potentielle Nachfrage geschaffen. Fraglich, was diese zu Käufen motivieren könnte.
Bull-Bear-Index vom 26. Juli 2006
Bullish: 45 Prozent
gegenüber Vorwoche: -5 Prozentpunkte
Bearish: 27 Prozent
gegenüber Vorwoche: +-0 Prozentpunkte
Neutral: 28 Prozent
gegenüber Vorwoche: +5 Prozentpunkte
Der Sentiment-Indikator wird von der Deutschen Börse Group erhoben und von der Firma cognitrend berechnet. Dabei werden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit der Anzahl der neutralen Stimmen gewichtet. Aus diesen Daten lassen sich Aussagen über Positionierung und Einstiegspreise der Investoren treffen und somit mögliche Marktschieflagen erkennen. Wichtig ist insbesondere die Veränderung im Betrachtungszeitraum.
Schlechte Nachrichten werden derzeit eher ignoriert, dennoch zeigen Investoren wenig Zuversicht. Vormalige Bullen haben ihre Depots geleert und warten erst einmal ab. Dies hat potentielle Nachfrage geschaffen. Fraglich, was diese zu Käufen motivieren könnte.
Bereits einige Stunden nach der Sentiment-Erhebung in der vergangenen Woche erfreute Ben Bernanke einige Akteure mit seinem so genannten Testimony. Schnell interpretierten Kommentatoren und Analysten den Redetext und schlossen auf eine bald anstehende Zinspause in den USA. Der DAX® profitierte zunächst überproportional stark von diesen Fantasien, konnte seine Gewinne allerdings keine 48 Stunden halten, denn vordergründig machte sich eine gewisse Skepsis breit. Das Börsenbarometer verlor beinahe den kompletten Boden, der zuvor gutgemacht worden war. Auch eine zweite Welle nach oben trug die Kurse nicht viel weiter, brachte aber immerhin ein Plus von 2,8 Prozent im betrachteten Zeitraum.
Der Optimismus unter den Befragten der Deutsche Börse AG hat sich gemessen am Bull/Bear-Index wieder auf das Niveau von vor 14 Tagen zurückgebildet. Somit wurden die schnellen Gewinne von ungeduldigen Käufern rasch mitgenommen. Diese haben jedoch nicht ihre Meinung gedreht, sondern lediglich eine Auszeit im Lager der neutral Gestimmten genommen. Ihre Zurückhaltung ist erstaunlich, wenn man die übrigen Nachrichten während des Berichtszeitraums betrachtet. Die Lage im Nahen Osten hat sich nicht wirklich entspannt. Lediglich die Krisen-Wahrnehmung der Akteure könnte sich bereits verändert haben. Nachrichten werden nämlich typischerweise schon nach kurzer Zeit, mit abnehmender Sensitivität wahrgenommen. Aber auch das Scheitern der Doha-Freihandelsgespräche in Genf wurde fast nebenbei abgehakt. Dennoch war trotz gestiegener Kurse immer wieder von großer Unsicherheit bei den Börsianern die Rede, wegen möglicher Angst vor schlechten Quartalszahlen aus den USA zum Beispiel.
Der Kurszuwachs des DAX während der vergangenen fünf Handelstage spricht eine andere Sprache: Die jüngsten Gewinnmitnahmen einiger mittelfristig agierender Marktteilnehmer haben dem DAX nicht geschadet. Im Gegenteil: Vielleicht sind sogar einige langfristig orientierte Investoren angesichts der relativ niedrigen Kurse in den Aktienmarkt zurückgekehrt, der sich für viele Marktteilnehmer im großen Bild ohnehin seitwärts entwickelt – grob zwischen den Grenzen bei 5.250 und knapp 5.800 Zählern. Die belastenden Engagements der Vorwoche für den DAX sind indes geschwunden. Für eine groß angelegte Sommer-Rallye reicht die jetzige Konstellation von Anbietern und Nachfragern aber auch nicht. Denn viele Nachrichten sind derzeit bereits in den Kursen enthalten.
Autor: Joachim Goldberg, cognitrend
Was die Daten für die Entwicklung des DAX zu bedeuten haben.
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