Hauptversammlung der Deutschen Börse im Fokus der Anleger
Dax-Ausblick: Börse im Konjunktur-Sog
In der kommenden Woche stehen wichtige Termine wie Ifo- und ZEW-Index und US-BIP an. Der Dax hängt damit am Tropf der Konjunktur. Der Dax dürfte sich in der kommenden Woche anfällig für fallende Kurse zeigen.
HB FRANKFURT. Das lasse sich aus der jetzt beendeten Berichtssaison schließen, heißt es im Handel. Obwohl die Gewinne allein in 14 von 18 europäischen Sektoren nach oben revidiert werden mussten, interessierte sich der Markt kaum dafür. Alle bisherigen Konjunkturdaten seien eher widersprüchlich bis negativ geblieben. Tendenziell sei daher bei den Zahlen nur Platz für positive Überraschungen, sagt ein Händler. Der Markt hege aber eher düstere Erwartungen.
Von der Öl-Front kamen indes bislang gute Nachrichten. Nachdem für die US-Lagerbestände für Erdöl im Wochenverlauf der höchste Stand seit sechs Jahren gemeldet worden war, ging der Ölpreis auf Talfahrt. Rund 20 Prozent hat er seit seinen Höchstständen verloren. Die anstehenden verbrauchsarmen Sommermonate sowie die Abschwächung im US-Wirtschaftswachstum dürften den Preis weiter unten halten.
Zudem könnte die am Freitag begonnene Dollar-Rally mit einem neuen Sieben-Monats-Hoch weiter freundlich für europäische Exportwerte stimmen. Allerdings nähre sich diese Stärke aus schlechten europäischen Konjunkturdaten, heißt es. So sei das belgische Verbrauchervertrauen nach -3 auf -11 kollabiert. Dies lasse am Dienstag ein „schlimmes“ belgisches Geschäftsklima erwarten, was von Volkswirten als Vorlaufindikator für die Euro-Zone betrachtet wird. Eine wirkliche Hilfe für den Aktienmarkt stellt der Dollar damit nicht dar.
Experten erwarten enttäuschende Konjunkturdaten
An Wirtschaftsdaten aus Deutschland stehen in der kommenden Woche der Konjunkturbericht des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW, Dienstag) und der Ifo-Geschäftsklimaindex (Mittwoch) an. Nach den Enttäuschungen der zurückliegenden Berichte erwarten Marktteilnehmer keine Wende. Beim ifo-Index wird im Konsens mit 93,5 nach 93,3 gerechnet. Sollten jedoch tiefere Werte vermeldet werden, wäre dies der vierte Rückgang in Folge: Nach üblicher Diktion der Volkswirte wäre dies ein Zeichen für eine Rezession.
Aus den USA wird die zweite Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (US-BIP, Donnerstag) für das erste Quartal erwartet. Selbst diese US-Konjunkturdaten scheinen wenig Chancen auf Positives zu enthalten. Zwar wird mit einer Aufwärtsrevision auf 3,7 Prozent nach 3,1 Prozent gerechnet. Kritiker betonen jedoch, dass der Markt damit nur das zuletzt erfreulich gering gestiegene US-Handelsbilanzdefizit extrapoliert hätte. Tatsächlich wird am Markt für makro-ökonomische Optionen nur ein Anstieg um 3,4 Prozent bezahlt.
Technische Analysten stimmen in das unausgegorene Gesamtbild mit ein. “Der Markt befindet sich an einer entscheidenden Wendemarke“, sagt ein Analyst. Die augenscheinliche Rally könne auch noch zum „Verrecker“ werden, da alle wichtigen Märkte an Widerstandsmarken notierten. So befinde sich der S&P-500 unter den April-Hochs bei 1192 und der Dax unter 4400 Punkten. Sollte der S&P-500 zurückkommen, bestehe zudem die Gefahr einer Kopf-Schulter-Formation. „Im laufenden Abwärtstrend wäre das verheerend“, so der Analyst. Positiv sei lediglich das US-Sentiment: Von stark bearisher Haltung steige es nun in den bullischen Bereich. Dies sei positiv, da es eine kaufbereite Öffentlichkeit zeige.
Einige Börsenexperten schätzen die Lage zwar verhalten, aber nicht ganz so pessimistisch ein. „Nächste Woche sollte es im Dax zu einer Konsolidierung kommen“, sagte Carsten Klude, Aktienstratege bei MM Warburg. „Es fehlen die Impulse: die Berichtssaison ist vorbei, dafür rücken makroökonomische Daten in den Fokus. Und da ist das Szenario nicht so klar, dass es für deutliche Kursgewinne sorgen könnte.“
Auch Aktienstratege Volker Borghoff von HSBC Trinkaus & Burkhardt rechnet für die kommende Woche mit wenig Veränderungen an den Aktienmärkten. „Der Markt dürfte sich seitwärts bis leicht aufwärts bewegen. Bis zur Jahresmitte dürfte der Dax wieder auf seinen Jahreshöchststand steigen“, prognostizierte er. In dieser Woche hat der Dax rund zwei Prozent an Wert gewonnen.
Börse: Experten blicken auf Hedge-Fonds
Bis auf die genannten Konjunkturdaten fällt die Termin-Lage kommende Woche dürftig aus. Zudem dürfte der Donnerstag als Feiertag in verschiedenen Bundesländern viele Marktteilnehmer zum verlängerten Wochenende einladen. Unternehmenszahlen stehen nur am Mittwoch von MLP, Südzucker und Web.de an. Außer bei Südzucker sind die Eckdaten überall bekannt. Aufmerksamkeit werden die zahlreichen Hauptversammlungen auf sich ziehen: am Dienstag bei KarstadtQuelle und FMC, am Mittwoch mit dem Event der Woche bei der Deutschen Börse, ferner Lufthansa.
Bei der Hauptversammlung der Deutschen Börse wird der erste öffentliche Auftritt der Hedge-Fonds-Vertreter erwartet, die Börsenchef Werner Seifert zum Rückzug zwangen. „Es muss ein Paket auf den Tisch: Die Hedge-Fonds müssen erst sagen, was sie wollen, und dann erklären, wer Vorstandschef werden soll. Der muss uns dann erzählen, wie er das umsetzen will, damit er die Unterstützung der Aktionäre hat“, sagte ein deutscher Fondsmanager, dessen Haus auf der Hauptversammlung vertreten sein wird. Es sei allerdings nicht damit zu rechnen, dass dies bereits am Mittwoch geschehen werde.
Bei der Hauptversammlung des Handelskonzerns KarstadtQuelle erhoffen sich Börsianer vom neuen Vorstandschef Thomas Middelhoff Details zur Sanierung. Zudem werden Informationen zum Anteil des Beteiligungspools um die Großaktionärin Madeleine Schickedanz erwartet. Interessant dürfte vor allem sein, ob die Spekulationen über eine Streichung vom Kurszettel oder eine Aufspaltung des Konzerns Nahrung erhalten.
Landtagswahl NRW im Focus
Die Anleger werden wohl auch die Ergebnisse der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am Sonntag in ihre Entscheidungen einbeziehen. Umfragen zufolge liegt die CDU vor der SPD. Aktienstratege Borghoff erwartet jedoch kaum Marktreaktionen auf das Wahlergebnis. „Gewinnt die CDU, würde die Börse das im ersten Augenblick positiv sehen. Aber das würde vor der Bundestagswahl zu einer Hängepartie führen, weil kaum noch ein Gesetz verabschiedet würde“, sagte er. „Wenn Rot-Grün gewinnen würde, wäre die Börse enttäuscht, weil sie traditionell eher auf der anderen Seite steht.“
Nach Einschätzung von Aktienexperten könnte zudem ein Sieg der CDU die Diskussion um den Atomausstieg wieder entfachen und den Aktien der Energieversorger Eon und RWE Auftrieb geben. „Ein Sieg der Opposition wird aus unserer Sicht die Debatte über die Laufzeiten der Kernkraftwerke wieder anheizen“, sagte Caroline Randall, Analystin für Energieversorger bei der Investmentbank JP Morgan. Vor allem für Solaraktien könnte ein CDU-Sieg den Abschuss bedeuten, sagen andere Beobachter.
Quelle: HANDELSBLATT, Freitag, 20. Mai 2005, 16:35 Uhr
...be invested
Der Einsame Samariter
Dax-Ausblick: Börse im Konjunktur-Sog
In der kommenden Woche stehen wichtige Termine wie Ifo- und ZEW-Index und US-BIP an. Der Dax hängt damit am Tropf der Konjunktur. Der Dax dürfte sich in der kommenden Woche anfällig für fallende Kurse zeigen.
HB FRANKFURT. Das lasse sich aus der jetzt beendeten Berichtssaison schließen, heißt es im Handel. Obwohl die Gewinne allein in 14 von 18 europäischen Sektoren nach oben revidiert werden mussten, interessierte sich der Markt kaum dafür. Alle bisherigen Konjunkturdaten seien eher widersprüchlich bis negativ geblieben. Tendenziell sei daher bei den Zahlen nur Platz für positive Überraschungen, sagt ein Händler. Der Markt hege aber eher düstere Erwartungen.
Von der Öl-Front kamen indes bislang gute Nachrichten. Nachdem für die US-Lagerbestände für Erdöl im Wochenverlauf der höchste Stand seit sechs Jahren gemeldet worden war, ging der Ölpreis auf Talfahrt. Rund 20 Prozent hat er seit seinen Höchstständen verloren. Die anstehenden verbrauchsarmen Sommermonate sowie die Abschwächung im US-Wirtschaftswachstum dürften den Preis weiter unten halten.
Zudem könnte die am Freitag begonnene Dollar-Rally mit einem neuen Sieben-Monats-Hoch weiter freundlich für europäische Exportwerte stimmen. Allerdings nähre sich diese Stärke aus schlechten europäischen Konjunkturdaten, heißt es. So sei das belgische Verbrauchervertrauen nach -3 auf -11 kollabiert. Dies lasse am Dienstag ein „schlimmes“ belgisches Geschäftsklima erwarten, was von Volkswirten als Vorlaufindikator für die Euro-Zone betrachtet wird. Eine wirkliche Hilfe für den Aktienmarkt stellt der Dollar damit nicht dar.
Experten erwarten enttäuschende Konjunkturdaten
An Wirtschaftsdaten aus Deutschland stehen in der kommenden Woche der Konjunkturbericht des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW, Dienstag) und der Ifo-Geschäftsklimaindex (Mittwoch) an. Nach den Enttäuschungen der zurückliegenden Berichte erwarten Marktteilnehmer keine Wende. Beim ifo-Index wird im Konsens mit 93,5 nach 93,3 gerechnet. Sollten jedoch tiefere Werte vermeldet werden, wäre dies der vierte Rückgang in Folge: Nach üblicher Diktion der Volkswirte wäre dies ein Zeichen für eine Rezession.
Aus den USA wird die zweite Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (US-BIP, Donnerstag) für das erste Quartal erwartet. Selbst diese US-Konjunkturdaten scheinen wenig Chancen auf Positives zu enthalten. Zwar wird mit einer Aufwärtsrevision auf 3,7 Prozent nach 3,1 Prozent gerechnet. Kritiker betonen jedoch, dass der Markt damit nur das zuletzt erfreulich gering gestiegene US-Handelsbilanzdefizit extrapoliert hätte. Tatsächlich wird am Markt für makro-ökonomische Optionen nur ein Anstieg um 3,4 Prozent bezahlt.
Technische Analysten stimmen in das unausgegorene Gesamtbild mit ein. “Der Markt befindet sich an einer entscheidenden Wendemarke“, sagt ein Analyst. Die augenscheinliche Rally könne auch noch zum „Verrecker“ werden, da alle wichtigen Märkte an Widerstandsmarken notierten. So befinde sich der S&P-500 unter den April-Hochs bei 1192 und der Dax unter 4400 Punkten. Sollte der S&P-500 zurückkommen, bestehe zudem die Gefahr einer Kopf-Schulter-Formation. „Im laufenden Abwärtstrend wäre das verheerend“, so der Analyst. Positiv sei lediglich das US-Sentiment: Von stark bearisher Haltung steige es nun in den bullischen Bereich. Dies sei positiv, da es eine kaufbereite Öffentlichkeit zeige.
Einige Börsenexperten schätzen die Lage zwar verhalten, aber nicht ganz so pessimistisch ein. „Nächste Woche sollte es im Dax zu einer Konsolidierung kommen“, sagte Carsten Klude, Aktienstratege bei MM Warburg. „Es fehlen die Impulse: die Berichtssaison ist vorbei, dafür rücken makroökonomische Daten in den Fokus. Und da ist das Szenario nicht so klar, dass es für deutliche Kursgewinne sorgen könnte.“
Auch Aktienstratege Volker Borghoff von HSBC Trinkaus & Burkhardt rechnet für die kommende Woche mit wenig Veränderungen an den Aktienmärkten. „Der Markt dürfte sich seitwärts bis leicht aufwärts bewegen. Bis zur Jahresmitte dürfte der Dax wieder auf seinen Jahreshöchststand steigen“, prognostizierte er. In dieser Woche hat der Dax rund zwei Prozent an Wert gewonnen.
Börse: Experten blicken auf Hedge-Fonds
Bis auf die genannten Konjunkturdaten fällt die Termin-Lage kommende Woche dürftig aus. Zudem dürfte der Donnerstag als Feiertag in verschiedenen Bundesländern viele Marktteilnehmer zum verlängerten Wochenende einladen. Unternehmenszahlen stehen nur am Mittwoch von MLP, Südzucker und Web.de an. Außer bei Südzucker sind die Eckdaten überall bekannt. Aufmerksamkeit werden die zahlreichen Hauptversammlungen auf sich ziehen: am Dienstag bei KarstadtQuelle und FMC, am Mittwoch mit dem Event der Woche bei der Deutschen Börse, ferner Lufthansa.
Bei der Hauptversammlung der Deutschen Börse wird der erste öffentliche Auftritt der Hedge-Fonds-Vertreter erwartet, die Börsenchef Werner Seifert zum Rückzug zwangen. „Es muss ein Paket auf den Tisch: Die Hedge-Fonds müssen erst sagen, was sie wollen, und dann erklären, wer Vorstandschef werden soll. Der muss uns dann erzählen, wie er das umsetzen will, damit er die Unterstützung der Aktionäre hat“, sagte ein deutscher Fondsmanager, dessen Haus auf der Hauptversammlung vertreten sein wird. Es sei allerdings nicht damit zu rechnen, dass dies bereits am Mittwoch geschehen werde.
Bei der Hauptversammlung des Handelskonzerns KarstadtQuelle erhoffen sich Börsianer vom neuen Vorstandschef Thomas Middelhoff Details zur Sanierung. Zudem werden Informationen zum Anteil des Beteiligungspools um die Großaktionärin Madeleine Schickedanz erwartet. Interessant dürfte vor allem sein, ob die Spekulationen über eine Streichung vom Kurszettel oder eine Aufspaltung des Konzerns Nahrung erhalten.
Landtagswahl NRW im Focus
Die Anleger werden wohl auch die Ergebnisse der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am Sonntag in ihre Entscheidungen einbeziehen. Umfragen zufolge liegt die CDU vor der SPD. Aktienstratege Borghoff erwartet jedoch kaum Marktreaktionen auf das Wahlergebnis. „Gewinnt die CDU, würde die Börse das im ersten Augenblick positiv sehen. Aber das würde vor der Bundestagswahl zu einer Hängepartie führen, weil kaum noch ein Gesetz verabschiedet würde“, sagte er. „Wenn Rot-Grün gewinnen würde, wäre die Börse enttäuscht, weil sie traditionell eher auf der anderen Seite steht.“
Nach Einschätzung von Aktienexperten könnte zudem ein Sieg der CDU die Diskussion um den Atomausstieg wieder entfachen und den Aktien der Energieversorger Eon und RWE Auftrieb geben. „Ein Sieg der Opposition wird aus unserer Sicht die Debatte über die Laufzeiten der Kernkraftwerke wieder anheizen“, sagte Caroline Randall, Analystin für Energieversorger bei der Investmentbank JP Morgan. Vor allem für Solaraktien könnte ein CDU-Sieg den Abschuss bedeuten, sagen andere Beobachter.
Quelle: HANDELSBLATT, Freitag, 20. Mai 2005, 16:35 Uhr
...be invested
Der Einsame Samariter