Aus der FTD vom 17.5.2001
Das Kapital: Kann Thiel die Fantasie der Anleger erhalten?
Die Idee von Thiel ist nicht schlecht. Über den Kauf von margenschwachen Kontraktlogistikern wie KVB/SKS sollen zunächst regionale Lücken geschlossen und Kunden gewonnen werden. Den übernommenen Firmen soll dann das eigene - margenstärkere - Geschäftsmodell übergestülpt werden.
Was nicht zum Kerngeschäft gehört, soll später abgestoßen werden. Nebenbei gewinnt Thiel neue Managementkapazitäten, die eine wachsende Firma dringend braucht. Der Umsatz soll bis 2003 von 831 Mio. auf 1,4 Mrd. Euro wachsen, die operative Marge von sieben auf zehn Prozent steigen. Das Management gilt als gut und eher konservativ, insofern kann es sogar positive Überraschungen geben. Aber die Umsetzung der Strategie, vor allem die reibungslose Integration der gekauften Unternehmen, ist natürlich leichter gesagt als getan. Darüber hinaus ist das Marktwachstum schwer zu schätzen, IT-Manager können ein Lied davon singen.
Das Problem bleibt der Preis, obwohl die Aktie vorderhand bezahlbar aussieht. Auf Basis der Prognosen für 2003 notiert sie bei einer Steuerquote von 30 Prozent mit dem 16-fachen des Gewinns. Aber selbst wenn man unterstellt, dass Thiel ab 2003 die Hälfte des Profits ausschüttet, müsste das Unternehmen bei einem Diskontsatz von zehn Prozent noch bis 2007 um 25 Prozent wachsen, um den jetzigen Kurs zu rechtfertigen.
Die Hoffnung ist, dass die Anleger anders rechnen. Dass sie für Thiel auch in drei Jahren noch den 36-fachen laufenden Gewinn hinlegen, wie jetzt. Bei dem Wachstum, das Thiel vorlegt, gäbe das eine nette Rendite.
Linde
Gas macht Spaß. Das zeigen die Quartalszahlen von Linde . Seit der Integration von Aga stammt rund die Hälfte des Konzern-Umsatzes aus dem Industriegasgeschäft und dem damit verbundenen Anlagenbau. Letzterer ist von Großaufträgen geprägt und abrechnungsbedingt im ersten Quartal eher schwach. Bei den Gasen ist das operative Ergebnis vor Goodwill aber um 23 Prozent gestiegen. Das zeigt, dass sich die Synergien aus dem Aga-Zukauf realisieren lassen.
Auch in der Fördertechnik hat sich die Marge verbessert, weitere Profitabilitätssteigerungen dürften drin sein. Das Sorgenkind bleibt die Kältetechnik, die vor allem Supermarktketten mit Kühltheken beliefert. Der Verlust ist hier im Vergleich zum Vorjahr noch mal gestiegen. Die Nachfrage in Westeuropa schwächelt, Linde hofft daher auf Wachstum in Osteuropa und Lateinamerika. Bei einer schwachen Weltwirtschaft könnte das ausbleiben. Auf den Gesamtgewinn hat die Sparte aber keinen großen Einfluss.
Linde kostet das rund Fünffache des für 2002 geschätzten Gewinns vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Goodwill (Ebitda). Das sind gut 20 Prozent weniger als der Schnitt der Mitbewerber. Lindes Ebitda-Marge von Anlagenbau und Gasgeschäft zusammen liegt bei rund 23 Prozent, ähnlich hoch wie beim Konkurrenten Air Liquide . Sie dürfte sich durch weitere Einsparungen noch verbessern. Ein gewisses Risiko steckt in der Fördertechnik, die unter einer anhaltend schwachen US-Wirtschaft am meisten leiden würde. Aber Lindes Abschlag zur Konkurrenz scheint dennoch zu hoch.
Cable & Wireless
Das Management von Cable & Wireless gibt sich vorsichtig: fünf Prozent Wachstum im Kerngeschäft und eine Ebitda-Marge von acht Prozent soll es dieses Geschäftsjahr geben - nach 13 Prozent beziehungsweise 17 Prozent im vergangenen. Das ist aber wohl aus zwei Gründen nicht vorsichtig genug. Erstens besticht die Führung nicht gerade darin, Prognosen einzuhalten. Zweitens macht das margenschwache Geschäft mit Sprache nach wie vor 60 Prozent des Umsatzes aus. Es gibt Überkapazitäten. Die schwache Konjunktur in USA, Europa und Japan zwingt die Firmenkunden von C&W, ihre Kosten zu drücken. Die Margen werden also weiter unter Druck bleiben.
Was aber macht C&W mit den 6 Mrd. £ Nettomitteln, die es nach Verkauf von Optus haben wird? Aktien zurückkaufen, wie angekündigt? Das war vielleicht nur ein taktisches Ablenkungsmanöver, genau wie das signalisierte Interesse an PSINet. Solche Aussagen treiben den eigenen Kurs und verderben nicht den Preis der Übernahmekandidaten wie Exodus. Beide betreuen Internetseiten, Exodus hat indes mit Yahoo oder Covisint, der Handelsplattform der Autoindustrie, die interessanteren Kunden. C&W könnte deren Datenverkehr auf die eigenen Leitungen führen. Das kombinierte Unternehmen könnte zudem einen besseren Zugriff auf die betreuten Internetseiten garantieren.
C&W muss aktiv werden. Sonst lockt die prall gefüllte Kasse Übernehmer an. Schließlich ist das Kerngeschäft mit dem rund 1,2-fachen des für das laufende Jahr avisierten Umsatzes nicht übermäßig hoch bewertet.
Das Kapital: Kann Thiel die Fantasie der Anleger erhalten?
Die Idee von Thiel ist nicht schlecht. Über den Kauf von margenschwachen Kontraktlogistikern wie KVB/SKS sollen zunächst regionale Lücken geschlossen und Kunden gewonnen werden. Den übernommenen Firmen soll dann das eigene - margenstärkere - Geschäftsmodell übergestülpt werden.
Was nicht zum Kerngeschäft gehört, soll später abgestoßen werden. Nebenbei gewinnt Thiel neue Managementkapazitäten, die eine wachsende Firma dringend braucht. Der Umsatz soll bis 2003 von 831 Mio. auf 1,4 Mrd. Euro wachsen, die operative Marge von sieben auf zehn Prozent steigen. Das Management gilt als gut und eher konservativ, insofern kann es sogar positive Überraschungen geben. Aber die Umsetzung der Strategie, vor allem die reibungslose Integration der gekauften Unternehmen, ist natürlich leichter gesagt als getan. Darüber hinaus ist das Marktwachstum schwer zu schätzen, IT-Manager können ein Lied davon singen.
Das Problem bleibt der Preis, obwohl die Aktie vorderhand bezahlbar aussieht. Auf Basis der Prognosen für 2003 notiert sie bei einer Steuerquote von 30 Prozent mit dem 16-fachen des Gewinns. Aber selbst wenn man unterstellt, dass Thiel ab 2003 die Hälfte des Profits ausschüttet, müsste das Unternehmen bei einem Diskontsatz von zehn Prozent noch bis 2007 um 25 Prozent wachsen, um den jetzigen Kurs zu rechtfertigen.
Die Hoffnung ist, dass die Anleger anders rechnen. Dass sie für Thiel auch in drei Jahren noch den 36-fachen laufenden Gewinn hinlegen, wie jetzt. Bei dem Wachstum, das Thiel vorlegt, gäbe das eine nette Rendite.
Linde
Gas macht Spaß. Das zeigen die Quartalszahlen von Linde . Seit der Integration von Aga stammt rund die Hälfte des Konzern-Umsatzes aus dem Industriegasgeschäft und dem damit verbundenen Anlagenbau. Letzterer ist von Großaufträgen geprägt und abrechnungsbedingt im ersten Quartal eher schwach. Bei den Gasen ist das operative Ergebnis vor Goodwill aber um 23 Prozent gestiegen. Das zeigt, dass sich die Synergien aus dem Aga-Zukauf realisieren lassen.
Auch in der Fördertechnik hat sich die Marge verbessert, weitere Profitabilitätssteigerungen dürften drin sein. Das Sorgenkind bleibt die Kältetechnik, die vor allem Supermarktketten mit Kühltheken beliefert. Der Verlust ist hier im Vergleich zum Vorjahr noch mal gestiegen. Die Nachfrage in Westeuropa schwächelt, Linde hofft daher auf Wachstum in Osteuropa und Lateinamerika. Bei einer schwachen Weltwirtschaft könnte das ausbleiben. Auf den Gesamtgewinn hat die Sparte aber keinen großen Einfluss.
Linde kostet das rund Fünffache des für 2002 geschätzten Gewinns vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Goodwill (Ebitda). Das sind gut 20 Prozent weniger als der Schnitt der Mitbewerber. Lindes Ebitda-Marge von Anlagenbau und Gasgeschäft zusammen liegt bei rund 23 Prozent, ähnlich hoch wie beim Konkurrenten Air Liquide . Sie dürfte sich durch weitere Einsparungen noch verbessern. Ein gewisses Risiko steckt in der Fördertechnik, die unter einer anhaltend schwachen US-Wirtschaft am meisten leiden würde. Aber Lindes Abschlag zur Konkurrenz scheint dennoch zu hoch.
Cable & Wireless
Das Management von Cable & Wireless gibt sich vorsichtig: fünf Prozent Wachstum im Kerngeschäft und eine Ebitda-Marge von acht Prozent soll es dieses Geschäftsjahr geben - nach 13 Prozent beziehungsweise 17 Prozent im vergangenen. Das ist aber wohl aus zwei Gründen nicht vorsichtig genug. Erstens besticht die Führung nicht gerade darin, Prognosen einzuhalten. Zweitens macht das margenschwache Geschäft mit Sprache nach wie vor 60 Prozent des Umsatzes aus. Es gibt Überkapazitäten. Die schwache Konjunktur in USA, Europa und Japan zwingt die Firmenkunden von C&W, ihre Kosten zu drücken. Die Margen werden also weiter unter Druck bleiben.
Was aber macht C&W mit den 6 Mrd. £ Nettomitteln, die es nach Verkauf von Optus haben wird? Aktien zurückkaufen, wie angekündigt? Das war vielleicht nur ein taktisches Ablenkungsmanöver, genau wie das signalisierte Interesse an PSINet. Solche Aussagen treiben den eigenen Kurs und verderben nicht den Preis der Übernahmekandidaten wie Exodus. Beide betreuen Internetseiten, Exodus hat indes mit Yahoo oder Covisint, der Handelsplattform der Autoindustrie, die interessanteren Kunden. C&W könnte deren Datenverkehr auf die eigenen Leitungen führen. Das kombinierte Unternehmen könnte zudem einen besseren Zugriff auf die betreuten Internetseiten garantieren.
C&W muss aktiv werden. Sonst lockt die prall gefüllte Kasse Übernehmer an. Schließlich ist das Kerngeschäft mit dem rund 1,2-fachen des für das laufende Jahr avisierten Umsatzes nicht übermäßig hoch bewertet.