Kein Zweifel mehr: Steigende Temperaturen und sinkende Wasserspiegel sind die größten globalen Probleme unseres noch jungen 21. Jahrhunderts. Und das eine hängt mit dem anderen zusammen. Tatsächlich jedoch sind wir noch weit entfernt davon, diese Zusammenhänge zu sehen und uns ernsthaft darauf vorzubereiten.
Der Klimawandel verschärft das Wasserproblem, das schon heute dazu geführt hat, dass täglich Zehntausend Menschen an Wassermangel oder verseuchtem Wasser sterben. In Afrika sind zurzeit etwa 15 Millionen Menschen auf der Flucht - aus Wassermangel. Das 20. Jahrhundert war ein Jahrhundert der Kriegsflüchtlinge. Das 21. Jahrhundert wird ein Jahrhundert der Umweltflüchtlinge.
Der Klimawandel verändert die Wasserkreisläufe auf dem gesamten Globus. Die altbekannten Wasserkreisläufe sind in Afrika bereits kontinentweit gestört. Aber auch in China und Indien gibt es riesige Landschaften, in denen der Grundwasserspiegel in den letzten 30 Jahren um bis zu 80 Meter gesunken ist. Fünf
Aus dem Weltraum ist der einst riesige Tschadsee in Schwarzafrika, früher Orientierungspunkt für Astronauten, heute kaum noch zu erkennen. Der See ist seit 1960 zu 95 Prozent geschrumpft.
An den See grenzen neben Tschad auch Niger und Nigeria - drei Länder mit den weltweit am schnellsten wachsenden Bevölkerungszahlen. Der steigende Bedarf an Wasser zur Bewässerung dieser Region lässt Flüsse und Bäche, die den See speisen, austrocknen, so dass der Tschadsee bald völlig verschwunden sein könnte. Für künftige Generationen kann seine frühere Existenz ein Rätsel sein.
Noch gelten das Verschwinden von Seen, Flüssen und Bächen als regionale Ereignisse. Doch die Zeichen der Umweltkrise mehren sich global in einem in der Menschheitsgeschichte noch nie gekanntem Tempo und Ausmaß. Bald werden viele Seen - wie der Aralsee in Russland oder der Mono-Lake in Kalifornien - nur noch auf Landkarten zu sehen sein.
Könnten wir mit bloßem Auge sehen, was sich an unseren unterirdischen Wasserreservoirs verändert hat und immer schneller verändert, würden wir schon längst eine andere Wasserpolitik fordern. Doch das Wasserdefizit tritt selten offen zu Tage - im Gegensatz zu brennenden Wäldern, sich ausbreitenden Wüsten oder steigenden Temperaturen. Weltweit wächst der Wasserverbrauch dreimal so schnell wie die Weltbevölkerung.
Auch im heute noch wasserreichen Deutschland müssen wir realistischerweise mit Wassernotständen rechnen - vor allem in Ostdeutschland. Und weltweit wird die Landwirtschaft, die heute am meisten Wasser verbraucht, mit weit weniger Wasser auskommen müssen - zum Beispiel mit unterirdischen Schläuchen zur Bewässerung.
Schon heute sind die meisten Hungerkatastrophen Wasserkatastrophen. Wir wissen, dass sie sich durch den Klimawandel verschärfen werden. Die UNO gab einem Weltwasserbericht für die nächsten Jahrzehnte die Überschrift "Wasser wird wichtiger als Gold".. Das ist schon deshalb richtig, weil wir Gold wieder essen noch trinken können.
Wasser ist unser Lebensmittel Nummer eins. Ohne Essen kann ein Mensch bis zu 70 Tage überleben - aber ohne Wasser höchstens drei Tage. Ohne Wasser kein Leben.
Es gibt eine enge Verbindung zwischen Wasser und Lebensmitteln. Jeder Mensch braucht zum Überleben täglich drei Liter Wasser - aber zur Herstellung unseres täglichen Bedarfs an Nahrungsmitteln werden mindestens 2.000 Liter Wasser benötigt - etwa 660-Mal so viel wie wir trinken. 70 Prozent allen Wassers dient nur einem Zweck: dem Bewässern in der Landwirtschaft.
Die Industrie verbraucht 20 Prozent und die Privathaushalte 10 Prozent des gesamten Trinkwassers. Wegen Wassermangel geht die Getreideernte in Nordchina dramatisch zurück. Weltweit werden die Bauern gegen die Städte verlieren. Aber diese Entwicklung wird zu Bauernaufständen führen wie sie in China schon an der Tagesordnung sind. Auch in China ist der Zustand des Wassers besorgniserregend. In neun von 10 chinesischen Millionenstädten ist das Grundwasser verschmutzt.
Im Norden des indischen Bundesstaates Gujarat sinkt der Grundwasserspiegel jedes Jahr um 6 Meter. Im südindischen Tamil Nadu sind 95 Prozent aller Brunnen bereits ausgetrocknet. In diesem Bundesstaat leben 75 Millionen Menschen. Die bewässerte Fläche ist in den letzten 10 Jahren um die Hälfte geschrumpft. Ein indischer Wassermanager sagte mir: "Durch Wassermangel wird ein Großteil des ländlichen Indiens in Anarchie versinken."
Ähnliche Wasserprobleme wie in Indien und China haben heute schon Ägypten und der Sudan, Pakistan und Iran, Saudi-Arabien, Palästina, Israel Jordanien, Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam. An der Wiege der abendländische Kultur, am Euphrat und Tigris besteht die Gefahr von Kriegen und Wasser.
Denn die beiden Flüsse entspringen in der Türkei, versorgen aber auch Syrien und den Irak mit Wasser. Der Streit um Wasser in Flüssen, die durch mehrere Länder fließen, nimmt Jahr um Jahr zu - weltweit. Wenn die Menschen flussaufwärts mehr Wasser entnehmen, bekommen die Menschen flussabwärts natürlich weniger Wasser, was zu Konflikten führen muss.
Wir werden weltweit einen intelligenteren und sparsameren Umgang mit dem „Lebensmittel Nummer eins“ lernen müssen. Wasserschutz- und Wasserspartechnologien sind entwickelt. Ein deutscher Mensch verbraucht heute etwa 124 Liter Wasser pro Tag. Mit der Hälfte könnten wir gut leben – ohne jeden Wohlstandsverzicht.
Schon der griechische Dichter Pindar schrieb: "Wasser ist das Beste." Und Goethe erkannte: "Am Wasser hängt, zum Wasser drängt doch alles."