Diskussion zum Thema: "Wenn das Gold redet, dann schweigt die Welt!" - 02.12.08 - Seite 2933
Interessante Debatte! Aber wer sind denn eigentlich "Wir 68er"? Es gibt scheinbar offene Rechnungen, das lässt sich an den Antworten unschwer erkennen. Zielführend wäre eine Betrachtung der jeweiligen Feindbilder und der jeweils vorher herrschenden Zustände.
Man kann doch nicht eine ganze Generation wie eine homogene Masse unter einen Hut bringen mit so einem Begriff wie "68er". Wer die 50er Jahre bewusst erlebt hat, wird sich erinnern, dass die Nazis keineswegs 1945 schlagartig verschwunden waren. In den Schulen, Unis, der Justiz, Militär und Polizei, überall wurden Führungskräfte gebraucht, und woher hat man die wohl gezaubert?
Die Nachfolgegeneration der Nazidiktatur war sich nur einig in der Auflehnung und Rebellion gegen einen verkrusteten und autoritären Staat, die latente Wut konnte sich endlich Luft machen in einer geradezu explosiven Massenbewegung, das war die Chance und Gunst der Stunde. Das war aber auch schon alles an Gemeinsamkeit, wir sog. 68er waren keine homogene Gruppe. Die meisten waren doch einfach bloß naive Mitläufer und folgten dem herrschenden Zeitgeist wie einem angesagten Modetrend. Interessant, was wir alles gleichzeitig gewesen sein sollen: Politaktivisten, Revoluzzer, Kommunisten, Anarchisten, Maoisten, Pazifisten, Drogenfreaks, Hippies u. Blumenkinder...
Es sind beileibe nicht nur die sog. 68er, die heute in den Führungspositionen sitzen, es sei denn, damit wäre die gesamte Nachkriegsgeneration gemeint. Viele sind ausgestiegen, haben sich verweigert oder sind irgendwie auf der Strecke geblieben.
Es waren nicht die Naiven, sondern wie immer die Doppelzüngler, die Wendehälse, die diese Situation als Karrieresprungbrett benutzt haben, obwohl Karriere damals ein nogo war. Und schließlich gab es ja auch noch genug aus der alten Garde, RCDS und die Parteien in der Mitte und rechts der Mitte, die haben sich im Lauf der Zeit vielleicht ein wenig angepasst, das Ruder aber keineswegs aus der Hand gegeben, das muss man eigentlich nicht erst erwähnen.
Unser Mitleid mit der Vorkriegs-Nazi-Generation hielt sich damals in Grenzen, schließlich haben wir noch genug unter den Auswirkungen gelitten. Heute denke ich anders darüber. Eine Generation als Feindbild zu benutzen, das ist mir zu plakativ. Wer Karriere gemacht hat und an den Schalthebeln der Macht sitzt, räumt seinen Platz eben nur ungern, das hat nichts mit einer Jahreszahl zu tun.