FTD: Die kleine Rally zwischendurch
05.05.2008 - 15:48
Die Stimmung war so richtig mies, alle sprachen von Krise. Doch plötzlich ist der Dax wieder über 7000 Punkten. Börsianer sprechen von einer Bärenmarktrally. Die Investmentbank Morgan Stanley hat untersucht, warum sie entstehen und wann Anleger wieder in Deckung gehen müssen.
Die Ökonomen der Bank kommen zu dem Schluss, dass nach einer deutlichen Abschwungphase typischerweise eine kurzzeitige Rally stattfindet, die im historischen Schnitt vier Monate dauert und zu einem Kursanstieg von 21 Prozent führt. Die große Kunst ist nun allerdings, den Zeitpunkt im aktuellen Börsenzyklus richtig einzuordnen.
Grundlage der im Februar veröffentlichten Studie sind neun Bärenmarktrallys seit 1970. Um daraus Rückschlüsse zu ziehen, ist es jedoch entscheidend zu wissen, ob die Bärenmarktrally schon läuft und wie viele Prozent Kursanstieg sie bringt. Es zeigt sich, dass alle Erholungsphasen höchst unterschiedlich waren. Von Januar 1975 bis Februar 1976 dauerte die Rally 14 Monate und erbrachte einen Anstieg von 59 Prozent nach einem vorangegangenem Rückgang von 45 Prozent. Von März 2001 bis Mai 2001 waren es 15 Prozent Kursplus in zwei Monaten nach einem Einbruch von 25 Prozent.
Indikatoren geben ein taktisches Kaufsignal
Immerhin gibt es gute Gründe für die Rally zwischendurch. Die Logik ist dabei folgende: Üblicherweise beginnen die Kursrückgänge an den Aktienmärkten 13 Monate vor dem Rückgang der Unternehmensgewinne. Die verkündeten Rekordgewinne beflügeln dann die Anleger wieder in ihren Erwartungen, es keimt Hoffnung auf. Zudem besteht die Erwartung, die Zinssenkungen der Notenbanken würden zu einer raschen Wiederbelebung der Wirtschaft führen.
Gleichzeitig dämpfen die Morgan-Stanley-Analysten aber die Hoffnung, wir befänden uns möglicherweise doch nicht in einem Bärenmarkt. Die Tatsache, dass spätestens seit Herbst letzten Jahres Valuetitel Underperformer waren, spreche eine deutliche Sprache. Dies geschehe nur an den Wendepunkten des Aktienmarkts.
Fundamentale und Risikoindikatoren geben so die Autoren der Studie, ein taktisches Kaufsignal. Sie untermauerten die Existenz einer Bärenmarktrally seit dem 23. Januar. Investoren hätten vor allem Chancen bei Aktien, die in den letzten Monaten stark gefallen sind. Diese würden in der Rally wieder am stärksten steigen. Wie es dann weitergeht, bleibt aber den Szenarien überlassen. Je nachdem, wie sich die US-Wirtschaft weiter entwickele, könnte man den Tiefpunkt der Kurse schon gesehen haben. Es könne aber auch in einer zweiten Welle noch weiter nach unten gehen.
Dass bei allem statistischen Wissen einige Ungewissheit bleibt, muss nicht stören: Wüsste man, wann welche Kursstände erreicht werden, dann hätte man ja ohnehin rechtzeitig verkauft.
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