die die Welt beherrscht, vom 07.12.12
Die Verlierer der weltweiten Finanzkrise sind bekannt – es sind die Regierungen und damit die Steuerzahler, die für die milliardenschweren Bankenrettungsprogramme aufkommen müssen. Aber wer sind die Gewinner? Britische, amerikanische und französische Journalisten haben einen der Hauptprofiteure der Finanzmarktturbulenzen ausfindig gemacht: Es ist die US-Investmentbank Goldman Sachs. Ausgestattet mit einem “Spielkapital” von 700 Milliarden Euro verfolgen 30.000 Angestellte des Konzerns auf allen fünf Kontinenten der Welt an sieben Tagen der Woche rund um die Uhr nur ein Ziel – maximalen Profit, koste es, was es wolle.
Die Goldman Sachs Group, Inc. ist ein weltweit tätiges Investmentbanking- und Wertpapierhandels-Finanzinstitut.
Lange Zeit stand Goldman Sachs im Zentrum der Kritik von US-Politikern, wenn es um die Verfehlungen und Auswüchse der Wall Street ging. Wie ist es heute damit? Die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC reichte am 15. April 2010 gegen Goldman Sachs & Co. und dessen Angestellten Fabrice Tourre eine Klage wegen möglicher Verstöße gegen das Wertpapiergesetz (Securities Act) am District Court in New York ein. Goldman Sachs soll Anfang 2007 bei Anlegern für den Kauf eines synthetischen CDOs Abacus 2007-AC1 (ein spezielles Finanzprodukt, CDO) geworben und dabei entscheidende Tatsachen über die Anlagerisiken verheimlicht haben. Die Finanzmathematiker von Goldman Sachs entwickelten ein neues Finanzprodukt. Sie bündelten besonders risikobehaftete Immobilienkredite und tauften das neue Produkt wohltönend Abacus. Dieses hochtoxische „Ding“ wurde mit AAA geratet, also mit der Bestnote. Das versprach die größtmöglichste Sicherheit für Investoren. Goldman Sachs verkauften die toxischen Papiere an die eigene Kundschaft.
Insbesondere soll der Hedgefonds Paulson & Co. insgeheim am Aufbau des Portfolios mitgewirkt und dafür besonders verlustträchtige Investments ausgesucht haben. Anschließend habe dieser mit Kreditausfallversicherungen, sogenannten Credit Default Swaps (CDS), auf ein Scheitern gewettet, das nach dem Einbruch am US-Immobilienmarkt auch eintrat. Insgesamt sollen die Anleger bei dem Finanzprodukt mehr als eine Milliarde Dollar verloren haben. Fast die gleiche Summe soll der Hedgefonds Paulson dabei gewonnen haben. Die Anleihen waren an die deutsche IKB und die US-amerikanischen ACA Capital Management verkauft worden.
Im Juli gab Goldman zu, seinen Kunden beim Verkauf des Abacus 2007-AC1 wesentliche Informationen vorenthalten zu haben, und zahlte 550 Millionen US-Dollar Strafe. Von dieser Summe gingen 300 Millionen US-Dollar an das US-Finanzministerium, 150 Millionen US-Dollar an die IKB und 100 Millionen US-Dollar an die RBS. Angesichts der Tatsache, dass Goldman Sachs allein im ersten Quartal 2010 3,5 Milliarden (!) US-Dollar Gewinn gemacht hatte, war die Strafe nicht mehr als „Peanuts“.
Nur zehn Marktteilnehmer sind für fast 75 Prozent des CDs-Volumens weltweit verantwortlich. Andere sprechen von nur fünf Banken, die sogar 88 Prozent des CDs-Marktes beherrschen. Das sogenannte Banken-Oligopol: Goldman Sachs, JPMorgan Case, Barclays, die deutsche Bank und Morgan Stanley. Vielleicht ist das sogar ein Kartell? Nicht wenige Rechts- und Finanz-Experten hegen diesen Verdacht. Eine kleine Gruppe von systemrelevanten Finanzunternehmen hält sich beim CDs-Geschäft gegenseitig bei Laune – sie betreiben Ringelreihen mit Wetten.
Das ist aber nicht nur bei den CDs so, es funktioniert in allen Bereichen des Derivatenmarktes: Mit Futures, Swaps, Optionen und Kreditderivaten.
Mit über 700 Milliarden Euro in der Tasche wettet die Investment-Bank Goldman Sachs auf alles und jedes. Die Bank beschäftigt über 30.000 Angestellte, die rund um die Uhr weltweit Finanzströme bewegen. Zugleich betreibt das Unternehmen eine ausgeprägte Lobby-Politik. Insider berichten: „Die Zahl der Goldman-Leute in Politik und Finanzwelt ist atemberaubend.“
Im September 2008 schlittert die Investmentbank Lehman Brothers in die Pleite. Lehman Brothers sind der größte Gegenspieler von Goldman Sachs. Die Bank sendet einen Hilferuf an die US-Regierung, sie bittet um Rettung. Doch die lehnt ab. Der damalige US-Finanzminister Hank Paulson spricht sich gegen eine Rettung aus. Doch welche Überraschung: Bevor Paulson Finanzminister wurde, war er Vorstandsvorsitzender von Goldman Sachs. Ein Schelm, wer jetzt Böses denkt. Auch die American International Group, Inc. (AIG), ein großer international tätiger Versicherungskonzern mit Hauptsitz in New York, geriet ins Trudeln. Doch wäre AIG pleite gegangen, hätte die Investmentbank Goldman Sachs 10 Milliarden Euro verloren. Aber Paulson nimmt sich des Problems an und verhandelt höchstpersönlich. AIG wird mithilfe von Steuergeld gerettet und Goldman Sachs verliert keinen Cent. Paulson selbst fragt die Bank, wie mit den Schulden zu verfahren sei, die AIG bei Goldman Sachs hat. Was dann kam, war keine Überraschung. Die Bank empfiehlt, alle Außenstände abgegolten zu erhalten. Dafür bezahlte die US-amerikanische Regierung Milliarden an Dollar.
Aus der Finanzkrise geht die Investmentbank gestärkt und als Gewinner hervor. Nachdem es einen Machtwechsel in den USA gab und Barack Obama zum Präsident ernannt wurde, will er Reformen durchsetzen, auch im Finanzsystem. Doch er konnte sich nicht durchsetzen. Insbesondere Goldman Sachs ist in der US-Gesetzesmaschinerie bestens vernetzt und versteht es, die eigenen Interessen durchzusetzen.
Ex-Goldman Sachs Leute sitzen und saßen an den Schaltstellen der Macht.
Mark Garney verbrachte 13 Jahre bei Goldman Sachs in London, Tokio, New York und Toronto. Im November 2011 wurde er zum Chairman des Financial Stability Board (FSB).
Robert Zoellick war Berater für internationale Agenden der Investmentbank Goldman Sachs. Er gehörte den Regierungen der US-Präsidenten George Bush und George W. Bush an. Seit dem 1. Juli 2007 war Zoellick Präsident der Weltbank. Seine Amtsperiode endete Ende Juni 2012; er kündigte im Februar 2012 an, dann aus dem Amt scheiden zu wollen.
Adam Storch war Vize-Präsident im Bereich Business Intelligence Group bei Goldman Sachs. Im Oktober 2009 wurde er von der Obama-Regierung engagiert und arbeitet nun für die Security and Exchange Commission, also die US-Börsenaufsichtsbehörde für die Kontrolle des Wertpapierhandels.
Gary Gensler arbeitete für Goldman Sachs, bevor er seine politische Karriere begann. Heute ist er Vorsitzender der Commodity Futures Trading Commission unter US-Präsident Barack Obama.
Robert Rubin arbeitete von 1964 bis 1992 bei der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs. Er war unter Präsident Bill Clinton von 1995 bis 1999 als 70. Finanzminister der USA tätig. Während Rubins Amtszeit kam es u. a. zur Aufhebung des Glass-Steagall Act, eines Gesetzes zur Trennung von Kredit- und Investmentbanken. Diese Reform ermöglichte etwa die Fusion der Travelers Group und der Citicorp zur Citigroup. Seit 1999 – nach seinem Rücktritt als Finanzminister – bis zum Januar 2009 war Rubin als Berater bzw. Direktor für die Citigroup tätig. Heute zählt Robert Rubin neben Paul Volcker, Austan Goolsbee und Jason Furman zum engeren Kreis der wirtschaftspolitischen Berater des demokratischen Präsidenten Obama.
Mark Patterson ist ein ehemaliger Goldman Sachs Lobbyist. Er wurde Stabschef des Treasury Secretary unter Timothy Geithner, trotz Präsident Obama ‘s Wahlversprechen, den Einfluss der Lobbyisten in seiner Regierung begrenzen zu wollen.
William Dudley war von 1986 bis 2007 Chef-Ökonom bei Goldman Sachs. Heute ist er Präsident der Federal Reserve Bank of New York und der stellvertretende Vorsitzende des Federal Open Market Committee.
Timothy Geithner, US-Finanzminister, wird vorgeworfen, Lehman Brothers den Pleitegeiern zum Fraße vorgeworfen zu haben. Zudem hatte er entscheidenden Einfluss auf die Rettung der American International Group (AIG). Verfuhr er nach den Wünschen von Goldman Sachs?
Robert D. ‘Bob’ Hormats war früher Vize-Chairman bei Goldman Sachs. Heute arbeitet er im Under Secretary of State for Economic Growth, also im Energie- und Umweltministerium.
Mario Monti, Italiens Ministerpräsident, ist internationaler Berater bei Goldman Sachs und Coca-Cola.
Jon Corzine war unter anderem Präsident bei Goldman Sachs. Von 2006 bis 2010 war er der demokratische Gouverneur des amerikanischen Staates New Jersey.
Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), war zuvor Vizepräsident des Europa-Geschäfts der Bank (2002-2005) bei Goldman Sachs. Doch ausgerechnet sein ehemaliger Arbeitgeber hat Athen 2001 geholfen, durch Verschleierung der wahren Finanzsituation überhaupt Mitglied des Euroclubs zu werden. Doch Goldman Sachs weiß Bescheid über die Verschleierung und schließt noch am selben Tag eine Versicherung auf die Pleite Griechenlands ab! Was wusste Draghi?
Der ehemalige italienische Premier Romano Prodi war ein Goldman Sachs Mitarbeiter. Er war von 1990 bis 1993 International Advisory Director der Bank.
Italiens Vizefinanzminister Massimo Tononi war ebenfalls ehemaliger Direktor von Goldmann Sachs.
Ottmar Issing ist seit 1. Januar 2007 International Advisor von Goldman Sachs. Im Oktober 2008 übernahm Issing den Vorsitz einer Expertengruppe, die im Auftrag der Bundesregierung Vorschläge für eine Reform der internationalen Finanzmärkte erarbeiten sollte. Ihren sechsten und letzten Bericht übergab die Kommission “Neue Finanzmarktarchitektur” der Bundesregierung im November 2011 im Vorfeld des G20-Gipfels in Cannes.
Peter Sutherland ist ein ehemaliger Goldman Sachs Mitarbeiter. Danach war er EU-Kommissar. Außerdem ist Sutherland seit 2006 Berater der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls. Zudem war er seitdem in verschiedenen Funktionen für die Vereinten Nationen tätig und ist unter anderem Mitglied der Bilderberg-Konferenz, der Trilateralen Kommission und des European Round Table.
Lord Brian Griffiths war Vice Chairman von Goldman Sachs International und enger Berater von Margaret Thatcher.
Antonio Borges war Vice Chairman von Goldman Sachs und bis zum November 2011 Europadirektor des Internationalen Währungsfonds (IWF).
Charles Wiener de Croisset war bis zum März 2004 Vize-Präsident von Goldman Sachs Europa. Er ist ein Mitglied von Inspection générale des finances (IGF).
Das sind nicht alle Ex-Goldman-Sachs-Mitarbeiter in wichtigen Positionen. Es wird gemunkelt, dass ehemalige Goldman Sachs Manager miteinander kommunizieren. Stimmen sie ihre Entscheidungen aufeinander ab? Will man weitere Schlussfolgerungen anstellen, begibt man sich sehr schnell in die Nähe von Verschwörungstheorien.
Soll man sich vor Goldmans Macht fürchten? Angesichts der Faktenlage ist das zu bejahen. Wie weit haben sich Ex-Goldman-Manager von den Interessen ihres ehemaligen Arbeitgebers emanzipieren können? Nicht wenige glauben, dass es noch immer alte Verbindungen gibt. Übernehmen Banker politische Macht? Sind Ex-Banker tatsächlich am besten geeignet, über das politische Schicksal der Menschen zu befinden? Sind sie die besseren Krisenmanager?
Die politische Elite Europas lässt Banker als Retter in der Not agieren. Hat die Politik kein Konzept mehr? Doch waren es nicht gerade die „Retter in der Not“, die ein paar Jahre vorher die große Finanzkrise auslösten?
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