Besonders der Umsatz aus dem Lizenzgeschäft ist für das voraussichtlich schwache dritte Quartal verantwortlich
Der Hersteller von Software für Internet-Marktplätze Commerce One wird die Erwartungen der Anleger und Analysten im dritten Quartal enttäuschen. Die Kalifornier rechnen mit einem Verlust von 24 bis 25 Cent je Aktie, während Analysten mit einem Minus von nur 23 Cent pro Anteilsschein ausgingen. Auch der Umsatz bleibt hinter den Schätzungen zurück. Die Konsensschätzung liegt nach Angaben des Marktforschers First Call hier bei 90,6 Mio. Dollar. Tatsächlich wird Commerce One wohl aber nur Erlöse in Höhe von 80 bis 83 Mio. Dollar erzielen.
Im Juli erwartete Commerce One noch, dass die Quartalsumsätze gegenüber dem zweiten Quartal unverändert bleiben und damit rund 101 Mio. Dollar erreichen würden. Damals gab der Software-Hersteller auch an, man werde im zweiten Quartal 2002 den Breakeven erreichen. Als Grund für das voraussichtlich schlechte Ergebnis nennt Finanzvorstand Peter Pervere vor allem die Schwäche im Bereich Lizenzumsätze in Europa und Asien. Die sollen nämlich nur 20 bis 23 Prozent der Gesamt-Umsätze bzw. 16 bis 20 Mio. Dollar erreichen. Im zweiten Quartal waren es noch 30 und im ersten sogar noch 69 Mio. Dollar.
Das wird von Analystenseite mit Besorgnis gesehen, da der Lizenzumsatz als Wachstums-Indikator gilt. Consulting- und Wartungserlöse stellen beständige Umsatzströme dar, die über eine ganze Zeit reichen, doch ein kontinuierlicher Rückgang im Lizenzbereich sei ein Zeichen für in Zukunft schwierige Zeiten, meinen zum Beispiel die Experten von J.P. Morgan und Wedbush Morgan Securities.
Besonders wichtig für Commerce One ist, zu welchem Teil diese Umsätze aus der Partnerschaft mit der deutschen SAP stammen. In der Vergangenheit lag der Anteil zwischen 30 und 40 Prozent. SAP, die einen 23-prozentigen Anteil an Commerce One halten, könnten die Schlüsselrolle für die zukünftige Entwicklung des kalifornischen Konzerns spielen. Vor allem weil Commerce One immer mehr auf die SAP-Kundschaft setzt, um seine Software zu verkaufen.
Pervere führt weiter aus, dass sich das Geschäft seines Konzerns von großen, öffentlichen Online-Marktplätzen zu kleineren Plattformen entwickele, die einzelne Unternehmen für ihre Lieferanten nutzen wollen. Besonders dabei sei die SAP-Beziehung sehr hilfreich. Zum genauen Umsatz-Mix äußert sich der Commerce One-Finanzchef hingegen nicht. Er fügt nur an, dass im Gegensatz zur Schwäche des Lizenzgeschäfts und des Bereichs Netzwerk-Services der Umsatz aus dem Wartungs-Geschäft die Prognosen erfüllt habe. Diese reichten im Vorfeld von einem Null- bis zu einem kleinen Wachstum.
Nachbörslich fällt das Commerce One-Papier von 2,81 auf 2,70 Dollar.
Autor: Björn Junker, 09:49 09.10.01