Datenschmuggel mit Lufthansa-Tickets
Wie Claudia Schiffers Kreditkarten-
nummer ins Gefängnis kam - und wieder heraus
In der Justizvollzugsanstalt Glasmoor sollen Häftlinge mit privaten Informationen über Lufthansa-Passagiere einen schwungvollen Handel betrieben haben. Eigentlich sollten die Gefängnis-Insassen nur Tickets sortieren, stattdessen sammelten sie Namen, Kreditkartenummern, teilweise sogar Adressen und Unterschriften - auch von Prominenten.
AFP/DPA
Claudia Schiffer und Franz Beckenbauer: Vom Sicherheitsloch im Knast betroffen
Hamburg - "Wir sind empört!" sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow gegenüber dem Hamburger Abendblatt. "Diese Flugscheine und Daten können nur durch einen eklatanten Verstoß gegen die Aufsichtspflicht der Behörde nach draußen gedrungen sein." Besonders schwerwiegend sei, dass die Lufthansa schon einmal auf Sicherheitsmängel hingewiesen habe - anscheinend vergebens.
Die Fluggesellschaft hatte in der Strafvollzugsanstalt Glasmoor in Norderstedt bei Hamburg abgeflogene Flugtickets von Häftlingen glätten, säubern und sortieren lassen, um sie später aus abrechnungstechnischen Gründen zu scannen, berichtet das "Abendblatt" in seine Donnerstag-Ausgabe. Der Auftrag dafür sei von der Gesellschaft für Dokumentbearbeitung (GBD) in Norderstedt gekommen.
Hunderttausende von Dokumenten sind in Glasmoor durch die Hände der Häftlinge gegangen. Dabei sollen die illegalen Listen erstellt worden sein. Neben der Sammlung der geheimen Daten haben die Insassen anscheinend auch einige der abgeflogenen Tickets aus dem Gefängnis geschmuggelt. Dabei gelangten Details über die Reisen von Prominenten auf den Daten-Schwarzmarkt, darunter Top-Model Claudia Schiffer, FC-Bayern-Präsident Franz Beckenbauer und Tennis-Profi Michael Chang. Dabei soll sogar Claudia Schiffers American-Express-Karten-Nummer weitergegeben worden sein. Ihr Management zeigte sich entsetzt über den Vorfall. Aus Listen, die dem des Hamburger Abendblattes vorliegen, soll hervorgehen, dass noch weitere Prominente von dem Datenschmuggel betroffen sind.
Ein ehemaliger Häftling erzählte dem "Hamburger Abendblatt", dass auch Daten von normalen Passagieren begehrt gewesen seien, vor allem von Vielfliegern aus der First und Business Class. Aus Datensätzen, die für 50 Euro pro zehn Stück gehandelt worden seien, hätte man beispielsweise ersehen können, wie oft und wie lange ein Geschäftsmann auf Reise war - nützliche Daten für Einbrecher. "Die Promi-Tickets und Schnipsel mit Unterschriften haben wir in unseren Hosentaschen aus dem Arbeitsbereich gebracht", berichtet ein Häftling auf Freigang. Die Kreditkartennummern habe man auf Schmierzetteln notiert. Durch Besucher oder über die Telefone im Gefängnis habe man die Daten weitergegeben.
Gefängnisdirektor Wolfgang Schuchardt erklärte, man könne solche Vorfälle nicht vollkommen ausschließen. Man habe aber immer wieder Stichproben durchgeführt. In einem offenen Vollzug sei eben keine vollkommene Kontrolle möglich, das hätten auch Lufthansa und GBD gewusst. Da die Häftlinge jedoch nur konkurrenzlose sieben Euro Tageslohn bekämen, habe man das Risiko hingenommen.
Die Lufthansa hat allerdings schon vor Bekanntwerden des Datenklaus ab März 2002 keine Tickets mehr in Glasmoor bearbeiten lassen. Das hatte laut Lufthansa-Sprecher Jachnow allerdings keine Sicherheits- , sonder rein wirtschaftliche Gründe. Seitdem würden abgeflogene Tickets nur noch von Lufthansa-Mitarbeitern oder einer Tochterfirma bearbeitet. Die Fluggesellschaft prüft nun strafrechtliche Schritte gegen das Gefängnis. Wie viele Daten bereits auf den Schwarzmarkt gelangt sind und wie hoch der dadurch entstandene Schaden ist, ist unbekannt.
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© SPIEGEL ONLINE 2002
Wie Claudia Schiffers Kreditkarten-
nummer ins Gefängnis kam - und wieder heraus
In der Justizvollzugsanstalt Glasmoor sollen Häftlinge mit privaten Informationen über Lufthansa-Passagiere einen schwungvollen Handel betrieben haben. Eigentlich sollten die Gefängnis-Insassen nur Tickets sortieren, stattdessen sammelten sie Namen, Kreditkartenummern, teilweise sogar Adressen und Unterschriften - auch von Prominenten.
AFP/DPA
Claudia Schiffer und Franz Beckenbauer: Vom Sicherheitsloch im Knast betroffen
Hamburg - "Wir sind empört!" sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow gegenüber dem Hamburger Abendblatt. "Diese Flugscheine und Daten können nur durch einen eklatanten Verstoß gegen die Aufsichtspflicht der Behörde nach draußen gedrungen sein." Besonders schwerwiegend sei, dass die Lufthansa schon einmal auf Sicherheitsmängel hingewiesen habe - anscheinend vergebens.
Die Fluggesellschaft hatte in der Strafvollzugsanstalt Glasmoor in Norderstedt bei Hamburg abgeflogene Flugtickets von Häftlingen glätten, säubern und sortieren lassen, um sie später aus abrechnungstechnischen Gründen zu scannen, berichtet das "Abendblatt" in seine Donnerstag-Ausgabe. Der Auftrag dafür sei von der Gesellschaft für Dokumentbearbeitung (GBD) in Norderstedt gekommen.
Hunderttausende von Dokumenten sind in Glasmoor durch die Hände der Häftlinge gegangen. Dabei sollen die illegalen Listen erstellt worden sein. Neben der Sammlung der geheimen Daten haben die Insassen anscheinend auch einige der abgeflogenen Tickets aus dem Gefängnis geschmuggelt. Dabei gelangten Details über die Reisen von Prominenten auf den Daten-Schwarzmarkt, darunter Top-Model Claudia Schiffer, FC-Bayern-Präsident Franz Beckenbauer und Tennis-Profi Michael Chang. Dabei soll sogar Claudia Schiffers American-Express-Karten-Nummer weitergegeben worden sein. Ihr Management zeigte sich entsetzt über den Vorfall. Aus Listen, die dem des Hamburger Abendblattes vorliegen, soll hervorgehen, dass noch weitere Prominente von dem Datenschmuggel betroffen sind.
Ein ehemaliger Häftling erzählte dem "Hamburger Abendblatt", dass auch Daten von normalen Passagieren begehrt gewesen seien, vor allem von Vielfliegern aus der First und Business Class. Aus Datensätzen, die für 50 Euro pro zehn Stück gehandelt worden seien, hätte man beispielsweise ersehen können, wie oft und wie lange ein Geschäftsmann auf Reise war - nützliche Daten für Einbrecher. "Die Promi-Tickets und Schnipsel mit Unterschriften haben wir in unseren Hosentaschen aus dem Arbeitsbereich gebracht", berichtet ein Häftling auf Freigang. Die Kreditkartennummern habe man auf Schmierzetteln notiert. Durch Besucher oder über die Telefone im Gefängnis habe man die Daten weitergegeben.
Gefängnisdirektor Wolfgang Schuchardt erklärte, man könne solche Vorfälle nicht vollkommen ausschließen. Man habe aber immer wieder Stichproben durchgeführt. In einem offenen Vollzug sei eben keine vollkommene Kontrolle möglich, das hätten auch Lufthansa und GBD gewusst. Da die Häftlinge jedoch nur konkurrenzlose sieben Euro Tageslohn bekämen, habe man das Risiko hingenommen.
Die Lufthansa hat allerdings schon vor Bekanntwerden des Datenklaus ab März 2002 keine Tickets mehr in Glasmoor bearbeiten lassen. Das hatte laut Lufthansa-Sprecher Jachnow allerdings keine Sicherheits- , sonder rein wirtschaftliche Gründe. Seitdem würden abgeflogene Tickets nur noch von Lufthansa-Mitarbeitern oder einer Tochterfirma bearbeitet. Die Fluggesellschaft prüft nun strafrechtliche Schritte gegen das Gefängnis. Wie viele Daten bereits auf den Schwarzmarkt gelangt sind und wie hoch der dadurch entstandene Schaden ist, ist unbekannt.
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