Chip-Branche wartet auf die Pleitewelle
Von Sven Clausen, München
Die Halbleiter-Hersteller melden deutliche Quartalsverluste. Infineon setzt Gespräche über Gemeinschaftsunternehmen mit Toshiba fort.
Die Halbleiter-Branche steht weltweit vor einem Umbau. "Die Hersteller von Speicherchips stehen vor einer Konsolidierung", sagte am Donnerstag Andrew Norwood, Chef-Analyst der Halbleiter-Gruppe beim angesehenen Marktforschungsunternehmen Gartner Dataquest gegenüber Journalisten. Die Preise für die so genannten DRAM-Chips seien derzeit so niedrig, dass demnächst die ersten Unternehmen zahlungsunfähig werden, sagte Norwood. Den Start dieses Prozesses erwartet der Analyst für das erste Quartal 2002. Als erster Kandidat gilt der südkoreanische Konzern Hynix. Heute gibt der drittgrößte Speicherchiphersteller der Welt seine Zahlen für das dritte Quartal bekannt. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten rechnen mit einem Verlust von mindestens 600 Mio. $.
Die Aussagen des Analysten Norwood stehen im Einklang mit zahlreichen Meldungen von Halbleiter-unternehmen am Donnerstag. So bestätigten die Speicherchiphersteller Infineon und Toshiba, weiter über eine Zusammenarbeit im Speicherchipgeschäft zu sprechen. Es sei allerdings noch nichts entschieden, sagte ein Infineon-Sprecher am Donnerstag in München. Medien in Japan hatten berichtet, dass eine Einigung zwischen den beiden notleidenden Produzenten in Kürze bevor stehe.
Infineon
Um seine Kosten zu mindern, hat die Münchner Siemens-Tochter Infineon in ihrem Werk in Dresden eine neue Produktionstechnologie eingeführt: Dazu hat es die Strukturgrößen seiner 256-Megabyte-Chips von 0,17 auf 0,14 Micron verkleinert. Das verringere die Kosten pro Chip um 30 Prozent, teilte Vorstandsmitglied Andreas von Zitzewitz am Donnerstag mit. Da die Marktpreise für Speicherchips jedoch derzeit nur rund ein Drittel der Produktionskosten betragen, wird der zweitgrößte europäische Chiphersteller dennoch bis auf weiteres pro verkauftem Produkt Verluste schreiben. Für das Speicherchipgeschäft dämpfte Gartner-Analyst Andrew Norwood die Hoffnung auf rasche Besserung: Erst im zweiten Quartal, so seine Meinung, sei der Tiefpunkt der Preisspirale erreicht.
STMicroelectronics
Auch der führende europäische Halbleiterhersteller STMicroelectronics schaut sich in der Krise der Branche nach neuen Optionen um. Der Vorstandschef des französisch-italienischen Konzerns Pasquale Pistorio will aufmerksam nach Akquisitionschancen Ausschau halten. Dabei könne es sich auch um größere Zukäufe handeln, sagte Pistorio. Um sich der aktuell sinkenden Nachfrage anzupassen, will der Konzern eine seiner Fabriken in Kalifornien mit rund 300 Beschäftigten schließen.
Zwar meldete auch STMicroelectronics für das zurück liegende Quartal starke Einbrüche: Im Jahresvergleich sank der Nettogewinn auf 35,8 Mio. $ von 415 Mio. $. Der Umsatz rutschte von 2,04 Mrd. $ auf 1,4 Mrd. $ ab.
Dennoch gilt STMicroelectronics als eines der Vorzeigeunternehmen der Branche. Grund: Im Gegensatz zu den Konkurrenzunternehmen schaffte der Hauslieferant des Telefonherstellers Nokia zumindest noch einen Gewinn. Dabei hilft dem Konzern, dass er anders als Infineon nicht vom DRAM-Geschäft abhängt.
AMD und Intel
Die Zahlen des amerikanischen Chip-Hersteller Advanced Micro Devices (AMD) sind dagegen tiefrot: Der Spezialist für Mikro-Prozessoren und Erzrivale des weltweit größten Chipherstellers Intel verbuchte im dritten Quartal einen Verlust von 187 Mio. $ nach einem Gewinn von 408,5 Mio. $ im Vorjahr. Der Umsatz sank deutlich auf 766 Mio. $ von 1,2 Mrd. $. Seit Monaten liefern sich AMD und Intel einen aggressiven Preiskampf. Intel litt darunter ebenfalls im dritten Quartal mit einem Gewinneinbruch um 96 Prozent von 2,5 Mrd. $ auf 106 Mio. $, blieb aber immerhin profitabel.
Auch die nahe Zukunft sieht AMD nicht gerade rosig: Der Umsatz im laufenden Quartal dürfte gegenüber den vorigen drei Monaten höchstens im einstelligen Bereich zulegen, das Ergebnis operativ aber wieder im Minus enden. Grund: AMD verkauft Chips für Personal-Computer. Deren Absatz kommt aber nicht vom Fleck. Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Gartner Dataquest wurden im dritten Quartal weltweit nur noch 30,7 Millionen PC ausgeliefert - 11,6 Millionen weniger als im Vorjahreszeitraum. Für die nächsten Monate, so AMD am Donnerstag, sehe es nicht viel besser aus.
Texas Instruments
Der US-Hersteller Texas Instruments schlug am Donnerstag zumindest optimistischere Töne an: "Bei den Aufträgen sieht es so aus, als sei im dritten Quartal der Boden erreicht", sagte der Präsident des Konzerns, Tom Engibous. Die Zahlen für das dritte Quartal waren dagegen ähnlich trist wie bei den Konkurrenten: Der Verlust betrug 57 Mio. $ nach einem Gewinn im Vorjahreszeitraum von 589 Mio. $. Der Umsatz stürzte von 3,1 Mrd. $ auf 1,85 Mrd. $ ab. Wann das Unternehmen wieder mit Gewinnen rechnet, wollte Finanzvorstand Bill Aylesworth nicht mitteilen.
Das Unternehmen ist damit in prominenter Gesellschaft: Auch die Chip-Größen Motorola und Philips hatten zuletzt massive Verluste in ihrem Halbleitergeschäft gemeldet und sich sehr vorsichtig zu Zukunftsaussichten geäußert.
© 2001 Financial Times Deutschland
Von Sven Clausen, München
Die Halbleiter-Hersteller melden deutliche Quartalsverluste. Infineon setzt Gespräche über Gemeinschaftsunternehmen mit Toshiba fort.
Die Halbleiter-Branche steht weltweit vor einem Umbau. "Die Hersteller von Speicherchips stehen vor einer Konsolidierung", sagte am Donnerstag Andrew Norwood, Chef-Analyst der Halbleiter-Gruppe beim angesehenen Marktforschungsunternehmen Gartner Dataquest gegenüber Journalisten. Die Preise für die so genannten DRAM-Chips seien derzeit so niedrig, dass demnächst die ersten Unternehmen zahlungsunfähig werden, sagte Norwood. Den Start dieses Prozesses erwartet der Analyst für das erste Quartal 2002. Als erster Kandidat gilt der südkoreanische Konzern Hynix. Heute gibt der drittgrößte Speicherchiphersteller der Welt seine Zahlen für das dritte Quartal bekannt. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten rechnen mit einem Verlust von mindestens 600 Mio. $.
Die Aussagen des Analysten Norwood stehen im Einklang mit zahlreichen Meldungen von Halbleiter-unternehmen am Donnerstag. So bestätigten die Speicherchiphersteller Infineon und Toshiba, weiter über eine Zusammenarbeit im Speicherchipgeschäft zu sprechen. Es sei allerdings noch nichts entschieden, sagte ein Infineon-Sprecher am Donnerstag in München. Medien in Japan hatten berichtet, dass eine Einigung zwischen den beiden notleidenden Produzenten in Kürze bevor stehe.
Infineon
Um seine Kosten zu mindern, hat die Münchner Siemens-Tochter Infineon in ihrem Werk in Dresden eine neue Produktionstechnologie eingeführt: Dazu hat es die Strukturgrößen seiner 256-Megabyte-Chips von 0,17 auf 0,14 Micron verkleinert. Das verringere die Kosten pro Chip um 30 Prozent, teilte Vorstandsmitglied Andreas von Zitzewitz am Donnerstag mit. Da die Marktpreise für Speicherchips jedoch derzeit nur rund ein Drittel der Produktionskosten betragen, wird der zweitgrößte europäische Chiphersteller dennoch bis auf weiteres pro verkauftem Produkt Verluste schreiben. Für das Speicherchipgeschäft dämpfte Gartner-Analyst Andrew Norwood die Hoffnung auf rasche Besserung: Erst im zweiten Quartal, so seine Meinung, sei der Tiefpunkt der Preisspirale erreicht.
STMicroelectronics
Auch der führende europäische Halbleiterhersteller STMicroelectronics schaut sich in der Krise der Branche nach neuen Optionen um. Der Vorstandschef des französisch-italienischen Konzerns Pasquale Pistorio will aufmerksam nach Akquisitionschancen Ausschau halten. Dabei könne es sich auch um größere Zukäufe handeln, sagte Pistorio. Um sich der aktuell sinkenden Nachfrage anzupassen, will der Konzern eine seiner Fabriken in Kalifornien mit rund 300 Beschäftigten schließen.
Zwar meldete auch STMicroelectronics für das zurück liegende Quartal starke Einbrüche: Im Jahresvergleich sank der Nettogewinn auf 35,8 Mio. $ von 415 Mio. $. Der Umsatz rutschte von 2,04 Mrd. $ auf 1,4 Mrd. $ ab.
Dennoch gilt STMicroelectronics als eines der Vorzeigeunternehmen der Branche. Grund: Im Gegensatz zu den Konkurrenzunternehmen schaffte der Hauslieferant des Telefonherstellers Nokia zumindest noch einen Gewinn. Dabei hilft dem Konzern, dass er anders als Infineon nicht vom DRAM-Geschäft abhängt.
AMD und Intel
Die Zahlen des amerikanischen Chip-Hersteller Advanced Micro Devices (AMD) sind dagegen tiefrot: Der Spezialist für Mikro-Prozessoren und Erzrivale des weltweit größten Chipherstellers Intel verbuchte im dritten Quartal einen Verlust von 187 Mio. $ nach einem Gewinn von 408,5 Mio. $ im Vorjahr. Der Umsatz sank deutlich auf 766 Mio. $ von 1,2 Mrd. $. Seit Monaten liefern sich AMD und Intel einen aggressiven Preiskampf. Intel litt darunter ebenfalls im dritten Quartal mit einem Gewinneinbruch um 96 Prozent von 2,5 Mrd. $ auf 106 Mio. $, blieb aber immerhin profitabel.
Auch die nahe Zukunft sieht AMD nicht gerade rosig: Der Umsatz im laufenden Quartal dürfte gegenüber den vorigen drei Monaten höchstens im einstelligen Bereich zulegen, das Ergebnis operativ aber wieder im Minus enden. Grund: AMD verkauft Chips für Personal-Computer. Deren Absatz kommt aber nicht vom Fleck. Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Gartner Dataquest wurden im dritten Quartal weltweit nur noch 30,7 Millionen PC ausgeliefert - 11,6 Millionen weniger als im Vorjahreszeitraum. Für die nächsten Monate, so AMD am Donnerstag, sehe es nicht viel besser aus.
Texas Instruments
Der US-Hersteller Texas Instruments schlug am Donnerstag zumindest optimistischere Töne an: "Bei den Aufträgen sieht es so aus, als sei im dritten Quartal der Boden erreicht", sagte der Präsident des Konzerns, Tom Engibous. Die Zahlen für das dritte Quartal waren dagegen ähnlich trist wie bei den Konkurrenten: Der Verlust betrug 57 Mio. $ nach einem Gewinn im Vorjahreszeitraum von 589 Mio. $. Der Umsatz stürzte von 3,1 Mrd. $ auf 1,85 Mrd. $ ab. Wann das Unternehmen wieder mit Gewinnen rechnet, wollte Finanzvorstand Bill Aylesworth nicht mitteilen.
Das Unternehmen ist damit in prominenter Gesellschaft: Auch die Chip-Größen Motorola und Philips hatten zuletzt massive Verluste in ihrem Halbleitergeschäft gemeldet und sich sehr vorsichtig zu Zukunftsaussichten geäußert.
© 2001 Financial Times Deutschland