Boom hält unvermindert an
Chinas Dynamik ist ungebrochen
Wer den Beweis noch brauchte, der hat ihn jetzt: Chinas Aufstieg zur Weltwirtschaftsmacht ist nicht zu stoppen.
In den vergangenen Monaten haben die Politiker in Washington und Brüssel alles Erdenkliche getan, um ihre Unternehmen vor dem Ansturm aus Fernost zu schützen. Sie blockierten chinesische Textilexporte, behinderten China bei der Übernahme von Ölunternehmen und drängten Peking zu einer Aufwertung seiner Währung.
Doch die neuesten Konjunkturdaten zeigen: Chinas Boom hält unvermindert an; seine Attraktivität als Produktions- und Investitionsstandort für Unternehmen aus dem Ausland ist ungebrochen. Trotz der - allerdings nur geringfügigen - Aufwertung des Yuan um zwei Prozent im Juli stiegen Chinas Exporte im August um 4,3 Prozent gegenüber dem Vormonat auf 68,4 Milliarden US-Dollar weiter an. In den ersten acht Monaten des Jahres haben die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahr damit um ein Drittel zugelegt.
Zwar expandieren auch Chinas Importe kräftig. Doch der kumulierte Handelsbilanzüberschuss betrug Ende August 60 Milliarden Dollar und war damit fast doppelt so hoch wie im gesamten Vorjahr (32 Milliarden Dollar). China wird also weiter mit Pressionen wegen seiner Exportüberschüsse und Währungspolitik rechnen müssen. Zumal die chinesischen Unternehmen derzeit in großem Stil neue Maschinen und Anlagen kaufen, um die Exportkapazität weiter zu steigern.
Auch die Investitionsströme nach China nehmen weiter rapide zu. Rund 30 000 neue Unternehmen mit ausländischem Kapital wurden seit Januar dieses Jahres in China registriert. In den ersten acht Monaten schlossen internationale Unternehmen in China Verträge über Investitionen in Höhe von insgesamt 112,7 Milliarden Dollar ab, ein Anstieg um 20,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die in diesem Jahr realisierten ausländischen Direktinvestitionen sanken allerdings im selben Zeitraum, wenngleich nur wenig, um drei Prozent auf 38 Milliarden Dollar.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: OECD stellt der Volksrepublik ein gutes Zeugnis aus
"Aber nach dem gewaltigen Anstieg im vergangenen Jahr ist das nur normal", findet Lu Jinyong, Ökonom an der Pekinger Universität für Wirtschaft und Handel. 2004 waren die realisierten Direktinvestitionen um 13,3 Prozent gestiegen. Was vielleicht noch wichtiger ist: Zunehmend gehen diese Investitionen nach Erkenntnissen der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (Unctad) in Forschung und Entwicklung. China sei schon jetzt der weltweit führende Empfänger solcher Zukunftsinvestitionen, so Unctad-Generalsekretär Supachai Panitchpakdi.
Kein Wunder also, dass die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris in ihrem jüngst erschienenen ersten China-Bericht der Volksrepublik ein gutes Zeugnis ausstellt: Sein hohes Wachstum dürfte das Land noch eine Weile halten können, so der Bericht, weil es nicht mehr vom Staatssektor, sondern von der Privatwirtschaft angetrieben werde. "Private Unternehmen schaffen die meisten neuen Jobs und verbessern die Produktivität und Profitabilität der ganzen Wirtschaft", so die OECD-Ökonomen.
Ganz ohne Kritik kommt China jedoch nicht davon. Im Bankensektor sowie bei den Staatsfinanzen gebe es weiterhin großen Reformbedarf. Auch die Währungspolitik erhitzt die Gemüter. So fordert der Internationale Währungsfonds (IWF) Peking in einem aktuellen Bericht auf, es nicht bei der einmaligen Aufwertung des Yuan zu belassen, sondern den Wechselkurs weiter zu flexibilisieren. Ein flexibler Wechselkurs, so die IWF-Ökonomen, erhöhe die Widerstandskraft gegen externe Schocks und erlaube es der Zentralbank, die Geldpolitik frei von Interventionspflichten am Devisenmarkt ganz auf die Sicherung der Preisstabilität im Innern auszurichten.
Das Problem dabei: China hat gar kein Inflationsproblem.
Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 001 vom 27.10.2005 Seite 61
Chinas Dynamik ist ungebrochen
Wer den Beweis noch brauchte, der hat ihn jetzt: Chinas Aufstieg zur Weltwirtschaftsmacht ist nicht zu stoppen.
In den vergangenen Monaten haben die Politiker in Washington und Brüssel alles Erdenkliche getan, um ihre Unternehmen vor dem Ansturm aus Fernost zu schützen. Sie blockierten chinesische Textilexporte, behinderten China bei der Übernahme von Ölunternehmen und drängten Peking zu einer Aufwertung seiner Währung.
Doch die neuesten Konjunkturdaten zeigen: Chinas Boom hält unvermindert an; seine Attraktivität als Produktions- und Investitionsstandort für Unternehmen aus dem Ausland ist ungebrochen. Trotz der - allerdings nur geringfügigen - Aufwertung des Yuan um zwei Prozent im Juli stiegen Chinas Exporte im August um 4,3 Prozent gegenüber dem Vormonat auf 68,4 Milliarden US-Dollar weiter an. In den ersten acht Monaten des Jahres haben die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahr damit um ein Drittel zugelegt.
Zwar expandieren auch Chinas Importe kräftig. Doch der kumulierte Handelsbilanzüberschuss betrug Ende August 60 Milliarden Dollar und war damit fast doppelt so hoch wie im gesamten Vorjahr (32 Milliarden Dollar). China wird also weiter mit Pressionen wegen seiner Exportüberschüsse und Währungspolitik rechnen müssen. Zumal die chinesischen Unternehmen derzeit in großem Stil neue Maschinen und Anlagen kaufen, um die Exportkapazität weiter zu steigern.
Auch die Investitionsströme nach China nehmen weiter rapide zu. Rund 30 000 neue Unternehmen mit ausländischem Kapital wurden seit Januar dieses Jahres in China registriert. In den ersten acht Monaten schlossen internationale Unternehmen in China Verträge über Investitionen in Höhe von insgesamt 112,7 Milliarden Dollar ab, ein Anstieg um 20,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die in diesem Jahr realisierten ausländischen Direktinvestitionen sanken allerdings im selben Zeitraum, wenngleich nur wenig, um drei Prozent auf 38 Milliarden Dollar.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: OECD stellt der Volksrepublik ein gutes Zeugnis aus
"Aber nach dem gewaltigen Anstieg im vergangenen Jahr ist das nur normal", findet Lu Jinyong, Ökonom an der Pekinger Universität für Wirtschaft und Handel. 2004 waren die realisierten Direktinvestitionen um 13,3 Prozent gestiegen. Was vielleicht noch wichtiger ist: Zunehmend gehen diese Investitionen nach Erkenntnissen der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (Unctad) in Forschung und Entwicklung. China sei schon jetzt der weltweit führende Empfänger solcher Zukunftsinvestitionen, so Unctad-Generalsekretär Supachai Panitchpakdi.
Kein Wunder also, dass die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris in ihrem jüngst erschienenen ersten China-Bericht der Volksrepublik ein gutes Zeugnis ausstellt: Sein hohes Wachstum dürfte das Land noch eine Weile halten können, so der Bericht, weil es nicht mehr vom Staatssektor, sondern von der Privatwirtschaft angetrieben werde. "Private Unternehmen schaffen die meisten neuen Jobs und verbessern die Produktivität und Profitabilität der ganzen Wirtschaft", so die OECD-Ökonomen.
Ganz ohne Kritik kommt China jedoch nicht davon. Im Bankensektor sowie bei den Staatsfinanzen gebe es weiterhin großen Reformbedarf. Auch die Währungspolitik erhitzt die Gemüter. So fordert der Internationale Währungsfonds (IWF) Peking in einem aktuellen Bericht auf, es nicht bei der einmaligen Aufwertung des Yuan zu belassen, sondern den Wechselkurs weiter zu flexibilisieren. Ein flexibler Wechselkurs, so die IWF-Ökonomen, erhöhe die Widerstandskraft gegen externe Schocks und erlaube es der Zentralbank, die Geldpolitik frei von Interventionspflichten am Devisenmarkt ganz auf die Sicherung der Preisstabilität im Innern auszurichten.
Das Problem dabei: China hat gar kein Inflationsproblem.
Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 001 vom 27.10.2005 Seite 61