S&P-Analyse
Chart-Indikatoren immer noch negativ
Von Paul Cherney, Standard & Poor's
8. Feb. 2002 Die mittelfristigen Indikatoren sind sowohl für die Nasdaq als auch für den S&P 500 negativ. Diese Momentum-Indikatoren folgen einer Trendwende im Markt erst mit einer Verspätung von zwei bis fünf Handelstagen; sollte es aber an einem der nächsten Handelstage zu einer gründlichen Verkaufsschwemme (d. h. einem Kurssturz) kommen, so würde eine überverkaufte Situation entstehen, die eine Short-Covering-Rally auslösen dürfte.
Der jüngste Kursrückgang verursachte Gewinnmitnahmen pessimistischer Anleger, doch die potenziellen (langfristig orientierten) Optimisten sind nach wie vor über die Bewertungen und Probleme bei der Bilanzierung besorgt. Meiner Ansicht nach haben wir es derzeit mit einem Kaufboykott der Anleger zu tun. Es gibt genug kurzfristig orientierte Anleger und Intraday-Trader, die bereit sind, Risiken einzugehen, aber sobald das Momentum (während der Handelssitzung) nachlässt, gehen sie schnell wieder aus dem Markt heraus. Das Ergebnis sind hohe Handelsvolumen, aber praktisch keine Kursänderungen.
Nasdaq sucht Boden
Wenn das gesamte Put-Volumen an der Chicagoer Terminbörse an einem einzigen Tag auf 980.000 fällt, so wäre dies ein Zeichen, dass die Verkäufer kapituliert haben. Wir befinden uns momentan in überverkauften Bereichen, die oft einen Kaufschub auslösen. Die Pessimisten verspüren wenig bis gar keinen Druck, jetzt aggressiv Gewinne aus Short-Positionen einzufahren, da die Kurse kurzfristig nicht stark genug gestiegen sind, um ihnen Angst zu machen. Stattdessen haben sie im Moment das Gefühl, dass die Kurse nach unten tendieren, wodurch sich ihre Gewinne aus den Short-Positionen weiter erhöhen.
Wenn die Nasdaq beginnt, über 1.836 Punkte zu steigen, dürfte es zu einigen Angstkäufen kommen (Pessimisten, die ihre Short-Positionen ausgleichen, weil sie ihre Gewinne aus den Short-Geschäften dahinschmelzen sehen). Ein zweiter Short-Squeeze wird wahrscheinlich eintreten, wenn es der Index über die Marke von 1.878 schafft. Andererseits dürften bei einem Absturz der Nasdaq unter 1.800 Zählern viele Pessimisten aus Habgier zu Gewinnmitnahmen verleitet werden (d. h. zum Rückkauf von Short-Positionen, um sich ihre Gewinne zu sichern). Im Moment denke ich jedoch, dass die Nasdaq weiterhin nach einem Boden suchen wird, bis der Index bei steigendem Handelsvolumen die Marke von 1.836 nach oben durchbricht.
Widerstand- und Unterstützungsbereiche
Ich werde meinen Schwellenwert für einen potenziellen Short-Squeeze unter den Pessimisten nach unten korrigieren, wenn der Markt nach unten geht; zurzeit gibt es aber für die Pessimisten kaum einen Anlass zum Kauf, so dass die Märkte wohl zuerst ihre Fähigkeit zu Kurssteigerungen unter Beweis stellen müssen, damit die Pessimisten kaufen statt verkaufen. Würde die Nasdaq 50 Prozent des gesamten Kursanstiegs seit dem Tief vom 21. September bis zum Hoch vom Januar wieder einbüßen, so wäre dieser Rückgang von 50 Prozent bei einem Indexstand von 1.743 erreicht. Das Erreichen dieser Marke würde wahrscheinlich ebenfalls Gewinnmitnahmen von Pessimisten auslösen, was dem Markt wiederum eine Trendwende mit einer kurzfristigen Rally bescheren könnte. Beim S&P 500 wäre der Kursrückgang um 50 Prozent etwa bei 1.065 Punkten erreicht.
Der Nasdaq-Index hat einen Intraday-Widerstand im Bereich von 1.833-1.878 Punkten, mit einem Schwerpunkt bei 1.854-1.863 Zählern. Ein weiterer starker Widerstand findet sich bei 1.901-1.923. Der Index verfügt über einen Unterstützungsbereich von 1.823-1.782, der sich immer noch für Schnäppchenjagden und Short-Covering anzubieten scheint.
Der S&P 500 weist einen gut ausgeprägten mittelfristigen Unterstützungsbereich zwischen 1.111-1.052 Punkten auf. Innerhalb dieses Bereichs liegt der Unterstützungsschwerpunkt bei 1.094 -1.080 Zählern. Sollte die Marke von 1.080 durchbrochen werden, so befindet sich das nächste Unterstützungsniveau bei 1.075-1.052. Der Bereich von 1.094 -1.080 scheint immer noch für Schnäppchenjagden und Short-Covering geeignet zu sein, allerdings müssen die Märkte erst zeigen, dass sie zu Kurssteigerungen fähig sind, um Anleger mit Short-Positionen zu Deckungskäufen zu bewegen. Wenn der S&P 500 die Marke von 1.101 überschreitet, dürften sich einige Pessimisten zur Deckung ihrer Short-Positionen genötigt fühlen. Der S&P 500 weist ein unmittelbares Widerstandsniveau bei 1.101-1.109 Zählern auf sowie einen starken Widerstand im Bereich 1.119-1.129,40 Zählern.