Da der Markt aktuell gegen Cegedim läuft, sollte man sich fragen, ob man etwas übersehen hat. Interessant finde ich vor allem den Vergleich der Cashflow Bilanz von CGM und Cegedim. Während CGM auf EBITDA Ebene 2017 (128 Mill.) und 2016 (125 Mill) deutlich mehr verdiente als Cegedim 2017 (77,5) und 2016 (57,4) fällt auf, dass sich die Werte auf der Ebene des OCF annähern. Hier hatte CGM 85 Mill. (2017) und 67 Mill. (2016) verdient. Es gibt bei CGM daher eine erhebliche Diskrepanz bei der Transformation von EBITDA zum OCF. Lediglich 50-60% des EBITDA kommen im OCF an. Bei Cegedim entspricht - auch in den letzten Jahren - das EBITDA zumeist dem Cashflow. Die Diskrepanz ist wohl insoweit (teilweise) erklären, als Cegedim deutlich weniger Steuern zahlen muss als CGM. Zinsausgaben dürften ähnlich hoch sein.
Auf der Capex Ebene sieht die Situation aber nicht so gut aus für Cegedim. Da man R&D Leistungen gegenüber CGM aggressiv kapitalisiert. 2017 wurden 48 Mill. aktiviert (CGM 16 Mill), 2016 46 Mill. (CGM 10 Mill.). Entsprechend lag das CAPEX von Cegedim in den Jahren 2016 und 2017 jeweils bei 60 Mill., während CGM in beiden Jahren nur 40 Mill. aufwenden musste. Entsprechend hat CGM einen FCF von 45 Mill (2017) und 27 Mill. (2016) generiert, während Cegedim hier nur 13 Mill. (2017) bzw. -1 Mill (2016) erwirtschaftet hat.
Sind schon interessante Werte, die deutlich machen, dass man das EBITDA als Gradmesser häufig überschätzt wird. Am deutlichsten wird dies bei Nemetschek, die ihre Entwicklungskosten gar nicht aktivieren, so dass das EBIT quasi dem FCF entspricht. Würde Cegedim wie Nemetschek bilanzieren, hätte die EBITDA Marge 2017 bei 6,5% gelegen, ggü. 27% EBITDA Marge bei Nemetschek. Dies erklärt, warum Nemetschek deutlich höher an der Börse bewertet ist, da die Ertragsqualität herausragend ist und natürlich auch die Wachstumsaussichten höher sind.
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