Carrier 1 taumelt von einer Bredouille in die nächste
Mittel für Bondtausch aus eigener Kraft nicht drin
wb Frankfurt - Das Nemax 50-Mitglied Carrier 1 International SA steht mit dem Rücken zur Wand. Kurz vor Ablauf der Frist für den Rückkauf eigener Bonds muss die auf Ramsch-Niveau geratete Gesellschaft einräumen, dass sie die dafür notwendigen Mittel noch nicht zusammengekratzt hat. Offenbar sind die Probleme so groß, dass das Unternehmen zwei Investmenthäuser "mit dem möglichen Verfolgen unterschiedlicher potenzieller strategischer Transaktionen betraut" habe. Offenbar soll Schroder Salomon Smith Barney einen Verkauf untersuchen und die Bank of America die Rekapitalisierung prüfen. Derzeit ist unklar, ob das operative Geschäft weiter zu finanzieren ist.
Das am 4. Januar veröffentlichte Rückkaufangebot läuft am 1. Februar aus. Inwieweit Carrier 1 in der Lage sei, das operative Geschehen nach dem Rückkaufangebot bis zum Verfolgen einer strategischen Transaktion- "sofern diese zustande kommt" - finanzieren zu können, hänge ab von der Höhe der Anleiheanteile, die ins Angebot eingehen. Von einer Bredouille in die nächste: Wurde die Aktion eingeleitet, um die Zinslast zu drücken, so hängt nun die Fortführung der Gesellschaft davon ab, dass nicht zu viele Anleihegläubiger die Offerte annehmen. Nach eigenen Angaben verfügte die Gesellschaft per 22. Januar über 88,4 Mill. Dollar Liquidität. Damit wurden seit dem 30. September 45,3 Mill. verbrannt.
Carrier 1 versuche, die für das Angebot notwendigen Mittel, die es nicht selbst besitze, bei Töchtern aufzubringen, "auch wenn dies noch mit einigen Schwierigkeiten verbunden" sei. Carrier 1 hatte versucht, mit einem modifizierten Angebot den Erfolg des Rückkaufangebots der High-Yield-Bonds sicherzustellen. Sah das erste - abgelehnte - Angebot nur eine Barzahlung von 18,25 % des Nominalbetrags der Anleihen im Volumen von 85 Mill. Euro und 160 Mill. Dollar vor, so sollen tauschwilligen Bondholder nun zusätzlich Aktien von Carrier 1 erhalten. Die Barzahlung wurde bei 18,25 % des Nominalbetrags (plus nicht bezahlter Zinsen und aufgelaufener Stückzinsen) belassen. Darüber hinaus erhalten bisherige Bondgläubiger bei komplettem Tausch 40 % am Kapital.
Börsen-Zeitung, 29.1.2002