Die Telekommunikationsfirma Carrier 1 International ist zahlungsunfähig und hat deshalb Gläubigerschutz beantragt. Aktionäre gehen voraussichtlich leer aus.
Es sei damit zu rechnen, dass das Unternehmen im Laufe des Verfahrens liquidiert werde, teilte Carrier 1 am Dienstag in Luxemburg mit. Die in Europa tätigen Tochtergesellschaften würden voraussichtlich in Kürze Gläubigerschutz beantragen oder Insolvenzanträge stellen, hieß es weiter. Das Gerichtsverfahren nach Luxemburger Recht ("Gestion controlée") solle dazu dienen, "eine geordnete Verwertung der Vermögenswerte" zu erreichen. Die am 5. Februar fälligen Zinsen auf Euro- und Dollar-Anleihen würden voraussichtlich nicht mehr geleistet.
Die Deutsche Börse setzte die Aktien von Carrier 1, die im Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax 50 gelistet sind, zwischenzeitlich vom Handel aus. Nach Wiederaufnahme brach der Kurs um mehr als 46 Prozent auf 0,22 Cent ein. Eine Entschädigung der Aktionäre schloss Carrier 1 aus. Im Laufe des Verfahrens würden die Aktien voraussichtlich ohne Entschädigung für die Aktienbesitzer vom Markt genommen, hieß es in der Pflichtmitteilung des Unternehmens weiter.
Carrier 1 bietet Telekommunikations-Anbietern direkte Übertragungs- und Netzwerklösungen an. Hierzu zählen unter anderem Produkte für Sprachübertragung. Anfang des Monats hatte das Unternehmen bereits die Suspendierung der Sprachdienste in den USA bekannt gegeben. Wichtige Geschäftspartner hätten sich geweigert, die für diesen Service notwendigen Dienstleistungen zu erbringen, bevor schon erstellte Rechnungen beglichen seien, hatte Carrier 1 erklärt.
© 2002 Financial Times Deutschland