Carrier 1 versucht Eindruck zu schinden. Fundamental ist die Lage aber dramatisch - und zwar schlecht.
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4. Jan. 2002 Technologie ist wieder „in“ an den Börsen, das ist kaum zu übersehen. Es wird alles gekauft, was auch nur im Ansatz damit zu tun hat. Unter anderem auch das Neuer Markt-Unternehmen Carrier 1, das im frühen Handel etwas mehr als zwölf Prozent auf 1,76 zulegen kann.
Das Unternehmen hatte am Freitagmorgen erneut ein Rückkauf- beziehungsweise Umtauschangebot für die ausstehenden Anleihen bekannt gegeben. Das scheint den Kurs inspiriert zu haben. Ein Händler sagte sogar, damit würde das Vertrauen der Anleger in das Unternehmen und in dessen „Cash-Situation“ gestärkt. Damit sei das gelungen, woran Brokat gescheitert sei. Brokat ging wegen Überschuldung in die Insolvenz.
Angespannte Liquiditätslage
Analysten sehen das allerdings weniger optimistisch. Der geplante Rückkauf wird nach Einschätzung der SES-Analysten zwar zu Buchgewinnen, einer Entlastung beim Zinsaufwand und zu einer Reduktion der Tilgungszahlungen führen. Das Problem besteht aber in der dadurch verschärften Liquiditätslage. Die operativen Verluste sind nach wie vor massiv und werden durch Restrukturierungsmaßnahmen - Personalabbau und sonstige Einsparungen - nur marginal reduziert. Sie halten ihr Rating „Underperfomer“ deswegen bei, unabhängig von der Art und vom Umfang der geplanten Refinanzierung.
Ähnlich sehen das die Analysten der Helaba Trust. Lediglich Übernahmespekulationen könnten den Kurs treiben, schrieben sie in ihrer Analyse im vergangenen November. Fundamental bleibe das Geschäft stark defizitär. Sollten auch noch Mittel aufgewandt werden, um Anleihen zurück zu kaufen, dürften die liquiden Mittel nur noch kurze Zeit reichen, um das Geschäft aufrecht zu erhalten. Die Zugehörigkeit zum Nemax 50 sei mittelfristig gefährdet. Mittlerweile hat die Bank den Wert sogar aus ihrem „Beobachtungsuniversum“ gestrichen. Das spricht für sich.
Chart ist relativ eindeutig
Auch der Chart bietet ein eindeutiges Bild. Er nähert sich asymptotisch der möglichen Untergrenze an - und die liegt bei Null. Es sei denn, es kommt zu einer Übernahme. Aber selbst dann stellt sich die Frage, ob jemand überhaupt bereit ist, etwas für ein defizitäres Geschäft zu bezahlen, wenn er sich die interessanten Teile unter Umständen günstig aus der Konkursmasse holen kann.
Auf dem mittlerweile erreichten Kursniveau lassen sich zwar relativ leicht tolle prozentuale Kursgewinne erreichen. Aber als Anleger sollte man sich davon nicht blenden lassen. Denn Brokat lässt grüßen.
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Der Chart zeigt die Kursentwicklung von Carrier 1 seit dem Anfang des Jahres 2000
Text: @cri
Bildmaterial: Kranefeld-Sagel/STOCK4B
4. Jan. 2002 Technologie ist wieder „in“ an den Börsen, das ist kaum zu übersehen. Es wird alles gekauft, was auch nur im Ansatz damit zu tun hat. Unter anderem auch das Neuer Markt-Unternehmen Carrier 1, das im frühen Handel etwas mehr als zwölf Prozent auf 1,76 zulegen kann.
Das Unternehmen hatte am Freitagmorgen erneut ein Rückkauf- beziehungsweise Umtauschangebot für die ausstehenden Anleihen bekannt gegeben. Das scheint den Kurs inspiriert zu haben. Ein Händler sagte sogar, damit würde das Vertrauen der Anleger in das Unternehmen und in dessen „Cash-Situation“ gestärkt. Damit sei das gelungen, woran Brokat gescheitert sei. Brokat ging wegen Überschuldung in die Insolvenz.
Angespannte Liquiditätslage
Analysten sehen das allerdings weniger optimistisch. Der geplante Rückkauf wird nach Einschätzung der SES-Analysten zwar zu Buchgewinnen, einer Entlastung beim Zinsaufwand und zu einer Reduktion der Tilgungszahlungen führen. Das Problem besteht aber in der dadurch verschärften Liquiditätslage. Die operativen Verluste sind nach wie vor massiv und werden durch Restrukturierungsmaßnahmen - Personalabbau und sonstige Einsparungen - nur marginal reduziert. Sie halten ihr Rating „Underperfomer“ deswegen bei, unabhängig von der Art und vom Umfang der geplanten Refinanzierung.
Ähnlich sehen das die Analysten der Helaba Trust. Lediglich Übernahmespekulationen könnten den Kurs treiben, schrieben sie in ihrer Analyse im vergangenen November. Fundamental bleibe das Geschäft stark defizitär. Sollten auch noch Mittel aufgewandt werden, um Anleihen zurück zu kaufen, dürften die liquiden Mittel nur noch kurze Zeit reichen, um das Geschäft aufrecht zu erhalten. Die Zugehörigkeit zum Nemax 50 sei mittelfristig gefährdet. Mittlerweile hat die Bank den Wert sogar aus ihrem „Beobachtungsuniversum“ gestrichen. Das spricht für sich.
Chart ist relativ eindeutig
Auch der Chart bietet ein eindeutiges Bild. Er nähert sich asymptotisch der möglichen Untergrenze an - und die liegt bei Null. Es sei denn, es kommt zu einer Übernahme. Aber selbst dann stellt sich die Frage, ob jemand überhaupt bereit ist, etwas für ein defizitäres Geschäft zu bezahlen, wenn er sich die interessanten Teile unter Umständen günstig aus der Konkursmasse holen kann.
Auf dem mittlerweile erreichten Kursniveau lassen sich zwar relativ leicht tolle prozentuale Kursgewinne erreichen. Aber als Anleger sollte man sich davon nicht blenden lassen. Denn Brokat lässt grüßen.
Der Chart zeigt die Kursentwicklung von Carrier 1 seit dem Anfang des Jahres 2000
Text: @cri
Bildmaterial: Kranefeld-Sagel/STOCK4B