Der NDX ist aktuell der Aktienindex mit der größten Shortpositionierung. Hier dürfte es gestern zu ersten, größeren Eindeckungen gekommen sein. Auch im S&P 500 haben die Bären gewaltige Put-Positionen errichtet, die gestern sogar noch einmal ein wenig aufgestockt wurden. Das total PCR lag mit 1,13 solide über eins und der Umsatz in Index-Derivaten pendelt seit Tagen im Bereich von 1 Million Stück.
Betrachtet man die Entwicklung der Shortpositionierung im S&P 500 über einige Tage, lässt sich erkennen, dass das Maximu! m wohl hinter uns liegt. Sie dürfte aktuell aber immer noch mehr als dreimal so hoch sein wie im Oktober 2005. Das birgt ein Potenzial für eine ordentliche Short-Squeeze. Ich vermute, die Schmerzgrenzen für die Bären liegen recht fein gestaffelt im Bereich oberhalb von 1295 bis über das zuletzt markierte Hoch bei 1325.
Short-Squeeze, das bedeutet auch, dass die Aufwärtsbewegung gewöhnlich in heftigen Schüben stattfindet. Einen Vorgeschmack hierfür gab es gestern im NDX, als der Index sich das Niveau von etwa 1605 überwinden konnte.
Natürlich heißt das nicht, dass es jetzt in einer Einbahnstraße hoch geht. Gegenangriffe der Bären sind einzukalkulieren. Das zeigen auch einige der betrachteten Indikatoren. So hat z.B. der die Marktbreite messende TRIN-Index noch keine Wende angezeigt, wohingegen es beim VIX nun zumindest zarte Anzeichen hierfür gibt. Die Situation ist technisch keineswegs stabil bullisch.
Mö! glicherweise bietet der heutige Arbeitsmarktbericht in den USA Gelegenheit für einen Bärentanz. Der Challenger-Report zeigt für Mai mit 53.716 Entlassungsankündigungen gegenüber dem Vormonat nochmals ein Minus. Der Wert hat jetzt ein Mehr-Jahres-Tief erreicht. Die über das Jahr bis zum Mai hin akkumulierte Anzahl von Entlassungsankündigungen liegt 14 Prozent niedriger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Das könnte ein Omen für ordentliche Zunahme an neuen Stellen sein. Auf der anderen Seite weist der neu geschaffene „ADP national employment report“ mit 122.000 nur eine mäßige Steigerung in der Zahl der Arbeitsplätze aus. Er hatte für April eine korrekte Vorhersage getroffen.
Volkswirte erwarten 170.000 bis 175.000 neue Arbeitsplätze nach zuvor plus 138.000
Die Bären könnten sowohl eine unerwartet hohe Zahl von neu geschaffenen Stellen, wie auch eine Enttäuschung zum Anlass nehmen, den Bullen an die Kandare zu fahren. Im ersten Fall dürften schnell Zinsängste neue Nahrung bekommen! , was dann insbesondere die vergleichsweise zinsempfindliche Technologie treffen würde. Im zweiten Fall dürften hingegen Bedenken wach gerüttelt werden, dass die Konjunktur erlahmt. Andere makroökonomische Anlässe für eine Bärenattacke bieten sich in der nächsten Woche wenig: Am Pfingstmontag wird der ISM-Dienstleistungsindex veröffentlicht, am Freitag die aktuellen Zahlen der US-Handelsbilanz.
Der Dollar hat in den vergangenen Tagen eine Handelsspanne zwischen 1,29 und 1,27 gegen Euro aufgebaut. Der Bereich um 1,2850 scheint dabei von besonderer Bedeutung zu sein. Der Greenback wird derzeit besonders von der Zinsspekulation beeinflusst. Außerdem verunsichert die Neubesetzung des US-Wirtschaftsministers.
Die TBonds befinden sich aktuell in einer Entscheidungssituation. Die durch den Prognoseteil der TimePatternAnalysis herausgearbeitete Stimmung spricht für steigende Renditen/fallende Kurse, die fraktale Ana! lyse sieht Bären, die nicht wollen und Bullen, die nicht können. Ein a usgemachtes Patt, wobei die Wahrscheinlichkeit für eine Wiederbelebung von TBond-Käufen über den Tag hinaus höher eingeschätzt wird, als ein weitergehender Abverkauf.
Hinsichtlich der Problematik der amerikanischen Außenbilanz gibt es zwei alternative Lösungsmöglichkeiten. Die eine besteht darin, den Greenback beständig abzuwerten, die andere darin, mit einem erstarkenden Dollar beständige Zuflüsse ausländischen Kapitals anzulocken. Mehr oder weniger laute Überlegungen einiger Länder, die eigenen Fremdwährungsreserven unabhängiger vom Dollar zu gestalten, schwächen diesen natürlich und lassen auch Käufer von amerikanischen Staatsanleihen zögern.
Unabhängig davon, ob die Fed nun den ersten Weg bevorzugt oder nicht, so muss sie in jedem Fall daran interessiert sein, die Spekulation auf weiter steigende Zinsen wach zu halten, um damit einen unkontrollierten Absturz der eigenen Währung zu vermeiden. Vom neuen Mann an de! r Spitze des US-Wirtschaftsministeriums wird vermutet, dass er den Dollar eher fester sehen will. Auch das setzt u.a. voraus, dass die Erwartung einer Ausweitung der Renditedifferenz wach gehalten wird.
Das wiederum dürfte ein (latenter) Belastungsfaktor für die Aktienmärkte bleiben. Wenn die Aktienmärkte (noch/wieder) genügend Eigendynamik haben, mag er allerdings zeitweilig in den Hintergrund treten, daher der Zusatz „latent“.
Beim Öl zeichnet sich eine ähnlich spannende Situation ab wie bei den TBonds. Der wert pendelt aktuell um den oberen Rand seines langjährigen Aufwärtskanals. Bullen und Bären sind im Gleichgewicht, wobei es aktuell eine leichte Präferenz für die zweite Gattung gibt. Die Diagnose der TimePattern sieht die Entwicklung in recht weit fortgeschrittener Congestion mit Anzeichen einer Wende. Bestätigt sich das, dürfte sich hier Abwärtsdynamik entwickeln. Die Situation ist gut vergleichbar mit der um Mitte F! ebruar. Damals löste sich die Situation volatil nach oben auf, jetzt s tehen die Chancen für eine Auflösung nach unten etwas besser.
Keine Frage, ein fallender Ölpreis gäbe den Aktienbullen Rückenwind. Das gilt zumindest so lange, so lange man dies nicht als Indiz für eine nachlassende Weltkonjunktur wertet.
Insgesamt stehen die Chancen für die Aktien-Bullen jetzt besser als für die Bären. Es hört sich zwar momentan vielleicht etwas abwegig an, aber die alten Hochs in den großen Indices sind so fern nicht.
Ruft da jemand „Doppel-Topp“?