War alles erfolgreich?
Gute Nacht.
fG
-------
Neue Hoffnung für Hypobank-Geschädigte
Verbraucherschützer zwingen die Bank zu Zugeständnissen
Autor:
Frank Frenzel
1. Verbraucherschützer zwingen die Bank zu Zugeständnissen
2. Der Weg ins finanzielle Abseits
Viel Geld für "Billig-Immobilien"
Es klingt verlockend: Steuern sparen durch den Kauf von Immobilien. Einfach ein entsprechendes Objekt per Kredit finanzieren, die Raten mehr oder weniger durch die Mieteinnahmen bestreiten und durch Abschreibungen dem Finanzamt ein gehöriges Schnippchen schlagen.
Doch was Anlageprofis durch die gezielte Auswahl hochwertiger Immobilien gelingt, führte bei vielen Hobby-Steuersparern zum finanziellen Desaster. Mangelnde Erfahrung ließ viele von ihnen auf die Angebote dubioser Immobilienvermittler hereinfallen, die aggressiv für die vermeintlichen Steuerspar-Immobilien warben. Die vertriebenen Immobilien waren jedoch häufig von drittklassiger Qualität, überteuert und schwer vermietbar. Ausbleibende Mieteinnahmen führten bei vielen Anlegern schnell zu hohen Vermögensverlusten. Viele Familien gerieten an den Rand des Existenzminimums. Trotzdem wurden die überteuerten Immobilien von windigen Anlageberatern in den letzten Jahren massenweise verkauft. Verbraucherschützer gehen von 300.000 bis 1 Million Geschädigten aus. Die Schadensumme soll sich auf 30 bis 60 Milliarden DM belaufen.
Mitschuld der Banken
Besonders bitter für die Betroffenen ist jedoch, dass sie sich beim Kauf der Immobilien auf bekannte und vermeintlich Sicherheit garantierende Großbanken verlassen hatten. Der Trick der Immoblilienverkäufer: Die Verträge wurden meist so gestaltet, dass der für den Immobilienerwerb notwendige Kredit von einer über jeglichen Verdacht erhabenen Bank vergeben wurde.
Besonders aktiv in diesem Geschäft war die frühere Hypobank (jetzt HypoVereinsbank). Nach Schätzungen der Münchener Verbraucherschutzorganisation "Verein für Existenzsicherung" (VfE) wurde die Hälfte der betroffenen Immobilien von dieser Bank finanziert.
Lange Zeit waren die geschädigten Anleger gegenüber den Banken machtlos. Bitten um Erleichterungen für die finanziell überforderten Anleger wurden von den Geldinstituten ignoriert, an Entschädigungen war nicht zu denken. Die Banken sahen sich lediglich als Kreditgeber, die zur Prüfung des Wertes der Immobilie und der wirtschaftlichen Aussichten des Geschäftes für den Anleger nicht verpflichtet waren.
Langsam jedoch verbessern sich die Chancen geschädigter Anleger. Verbraucherschützer dokumentierten Tausende von Fällen, bei denen meist renommierte Banken in die Finanzierung dieser Immobilien verwickelt waren. Der Verein für Existenzsicherung konnte anhand ihm vorliegender bankinterner Dokumente belegen, wie von der Hypobank kreditierte Immobilienkäufe systematisch und mit Wissen der Bank als völlig überteuerte Steuerspar-Immobilien angeboten wurden.
Auch immer mehr Gerichte gehen davon aus, dass die Banken von den Geschädigten für die erlittenen finanziellen Schäden auch verantwortlich gemacht werden können, da sie aufgrund der großen Anzahl bekannt gewordener Fälle von den Machenschaften unseriöser Immobilienvermittler wissen mussten .
Hoffnung für Geschädigte
Aufgrund der Beweise des Vereins für Existenzsicherung besteht speziell für die heutige HypoVereinsbank die Gefahr weiterer Gerichtsprozesse. Um Klagen von Geschädigten vorzubeugen ist die HypoVereinsbank daher zunehmend zu Vergleichen mit Betroffenen bereit.
Wer eine schnelle Entlastung einer endgültigen juristischen Klärung vorzieht, sollte deshalb seine Ansprüche bei der HypoVereinsbank geltend machen. Verbraucherschutzverbände, wie der VfE, können dabei behilflich sein. In einigen Fällen konnte durch die Geschädigten eine Rückabwicklung des Kaufes erreicht werden. Auch war die Bank bereit, die Darlehenshöhe zu reduzieren oder auf Zinsen zu verzichten. Allein der Zinsverzicht bedeutete Entlastungen von mehreren 10.000 DM bis über 100.000 DM.
Beratung und Hilfe:
Verein für Existenzsicherung - VfE
Der gemeinnützige Verein besteht seit 14 Jahren und ist spezialisiert auf Hilfe bei Falschberatung und Fehlfinanzierungen. Der VfE prüft Finanzierungsangebote und vermittelt spezialisierte Anwälte und Berater.
Verbraucherschutzorganisationen
Natürlich finden Sie Rat und Hilfe auch bei den örtlichen Verbraucherschutzorganisationen. Eine bundesweite Linkliste erhalten Sie unter nachstehender Adresse.
Informationen rund ums Geld:
Finanztest der Stiftung Warentest
Online-Angebot der Zeitschrift Finanztest der Stiftung Warentest, Überblick über die in der Zeitschrift behandelten Themen, Kurzinformationen und Leseproben. Umfassende Informationen zu Geld- und Kapitalanlage erhält man jedoch nur, indem man das entsprechende Heft erwirbt.
Fallbeispiele und Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen:
Immobilie zu verkaufen!
Die Anatomie eines Betruges, Dokumente, Hinweise und die wichtigsten Fallstricke. Der Autor schildert detailliert seinen eigenen Fall.
Unsere Immobilie
Ausführliche Informationen und Hintergrundberichte zum Thema Betrug mit Immobiliengeschäften. Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen.
"Bankenbetrug"
Informationen, nützliche Links und Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch
1. Verbraucherschützer zwingen die Bank zu Zugeständnissen
2. Der Weg ins finanzielle Abseits
Der Weg ins finanzielle Abseits
Der finanzielle Absturz beginnt fast immer mit einem vermeintlichen Geheimtipp. Eine Eigentumswohnung als clevere Kapitalanlage: Steuern sparen im großen Stil, sichere Altersvorsorge oder gewinnbringender Weiterverkauf schon nach wenigen Jahren.
Meist erzählen Freunde, Bekannte oder Kollegen von diesen erstaunlichen Kapitalanlagemöglichkeiten. Dass auch sie später zu den Opfern gehören werden, ahnen sie noch nicht. Voller Freude, ein gutes Werk zu tun, vermitteln sie den Interessenten an einen vermeintlich seriösen Anlagebrater weiter.Meist sind diese Berater jedoch Mitarbeiter von pyramidenähnlich organisierten Strukturvertrieben, denen es ausschließlich um den Verkauf und die Provisionen geht.
Die Vermittler haben dem Interessenten erstaunliches zu berichten. Die Eigentumswohnung würde sich durch Mieteinnahmen und Steuervorteile weitgehend selbst finanzieren. Eigenkapital sei nicht notwendig. Eine Bank finanziere den gesamten Kaufpreis. Nur ungefähr 200 DM monatlich müsse man zahlen. Aber dafür erwerbe man schließlich auch Eigentum. Zudem seien die Wohnungen wahre Sorglos-Immobilien, da die Mieteinnahmen durch die Vermietfirma garantiert würden.
Geschickt setzen die Vermittler den Interessenten unter Druck. Bei diesem Angebot sei natürlich die Nachfrage riesig, der Interessent müsse schnell zugreifen. Eine Besichtigung ist meist nicht möglich, da die Immobilien weit vom Wohnort entfernt sind und die Zeit drängt. Bedenken werden mit dem Hinweis zerstreut, dass schließlich eine renommierte Bank das Projekt geprüft habe, sonst würde sie es nicht finanzieren.
Um Details braucht sich der Käufer nicht zu kümmern. Der Vermittler oder die Vertriebsfirma erledigt alle Formalitäten. Obwohl in der Regel sowohl die Wohnung als auch sämtliche Nebenkosten durch einen Kredit finanziert werden, haben die meisten Käufer keinen Kontakt mit der Bank. Der Vermittler besorgt das Darlehen zur Wohnung, der Käufer braucht nur zu unterschreiben.
Das böse Erwachen kommt erst spät. Nachdem ein bis drei Jahre alles wie vorgesehen gelaufen ist, gerät das vom Verkäufer gezimmerte Finanzierungsmodell aus dem Gleichgewicht. Irgendwann kommt die Miete unregelmäßig oder gar nicht mehr. Oft geht die Firma pleite, die für die Miete garantiert hat. Viele Käufer merken jetzt erst, dass ihre Wohnung nie zur versprochenen Miete vermietet war. In manchen Fällen hat in der Wohnung nie jemand gewohnt. Auch die Steuervorteile sind meist niedriger als erwartet.
Der versprochene Verkauf mit Gewinn ist nicht möglich, da die Wohnung völlig überteuert erworben wurde. Die meisten Wohnungen sind nur 30 bis 50 Prozent der ursprünglichen Kaufsumme wert, ein Verkauf ist nur mit hohen Verlusten möglich.
Die Folgen für die Geschädigten sind dramatisch. Sie zahlen für die völlig überteuert erworbene Immobilie noch Jahrzehnte Zinsen und Tilgung für das Darlehen. Dazu kommen teilweise hohe Nebenkosten für den Erhalt der Immobilie. Zudem wurden vielen Geschädigten von den Vermittlern im Rahmen des Finanzierungsmodells noch teure Lebensversicherungen und Bausparverträge verkauft. Können die Betroffenen die finanziellen Belastungen nicht mehr tragen, werden die Wohnungen für einen Bruchteil ihres früheren Kaufpreises zwangsversteigert. Zurück bleiben die Schulden und oft eine zerrüttete Familie.
Dieser Text gibt den Fernseh-Beitrag von [plusminus] vom 01. August 2000 wieder.
Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.