Golf von Mexiko, Nigeria, China Hier überall vergiftet das Öl die Erde und das Meer
Wieder eine der vielen Umweltkatastrophen, die sich jeden Tag weltweit abspielen. Manche schon seit Jahrzehnten, vielfach unbemerkt.
Die Orte: Golf von Mexiko, Nigeria, China – hier überall vergiftet das Öl die Erde und das Meer, bedroht Tiere und Menschen. Eine Übersicht:
• Golf von Mexiko: Am 20. April explodiert die Bohrplattform „Deepwater Horizon“, versinkt im Meer. Aus einem undichtem Bohrloch strömt Öl. Unaufhörlich, 85 Tage lang. Mehrere Versuche, den Fluss des schwarzen Giftes zu stoppen, scheiterten – erst eine tonnenschwere Abdeckung konnte das Leck in der vergangenen Woche verschließen. Die endgültige Lösung zum Versiegeln der Öl-Quelle sollen zwei Entlastungsbohrungen bringen.
Die Bilanz der Katastrophe ist erschütternd: Fast 700 Millionen Liter Öl sollen ausgelaufen sein, haben das empfindliche Öko-System an der Golfküste mit Brutstätten von Seevögeln und Meerestieren geschädigt.
„An den Stränden werden auch in zwei bis drei Jahrzehnten die Folgen noch zu spüren sein“, sagt Jürgen Knirsch, Öl-Experte von Greenpeace, zu BILD.
• Dalian Xingang (China): Seit der Explosion der Pipeline der staatlichen Ölgesellschaft China National Petroleum Corp (CNPC) sollen rund 1,5 Millionen Liter Öl ins Gelbe Meer gelaufen sein, im Wasser erstreckt sich ein Ölteppich von mindestens 183 Quadratkilometern. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, soll nun eine Untersuchungskommission herausfinden.
• Nigeria: Im Niger-Delta im Süden des Landes leben die Menschen bereits seit 50 Jahren mit einer gigantischen Öl-Pest. Das Problem: alte, verrottete Anlagen, die zum Teil seit Beginn der Förderung im Einsatz sind – ein gigantisches Netz aus rund 7000 Pipelines und 1000 Pumpstationen, aus denen immer wieder – oder stetig – Öl ins Erdreich und das Meer sickert.
Die Ölfirmen weisen die alleinige Schuld von sich: Für die Unfälle seien auch immer wieder Aufständische und Kriminelle verantwortlich, die gezielt Anlagen zerstörten oder Öl abzapften.
Offizielle Zahlen gibt es nicht, unabhängige Öl-Experten gehen davon aus, dass dort in den vergangenen 50 Jahren bis zu 13 Mio Barrel Öl (über 2 Mrd. Liter) in die Natur gelangten.
Und immer wieder sterben Menschen: So kamen 2008 bei der Explosion einer Pipeline in Lagos mindestens 100 Menschen um.
Neben diesen Unglücken sind es auch Havarien mit Öl-Tankern, die die Meere und Küsten verschmutzen. Karsten Smid, Energie-Experte bei Greenpeace Deutschland zu BILD.de: „Jährlich werden rund zwei Milliarden Tonnen Rohöl und Öl-Produkte auf dem Seeweg befördert. Immer wieder kommt es dabei zu verheerenden Unfällen.“ Genaue Zahlen über ausgelaufenes Öl gebe es jedoch nicht immer.
Die Umweltschutzorganisation hat eine Liste mit Beispielen von 12 ausgewählten Tankerunfällen erstellt, die sich im Zeitraum von 1967 bis 2003 ereigneten. Danach liefen insgesamt rund 1,1 Mio Tonnen Öl in die Meere.
Als größte Katastrophe mit 280 000 Tonnen (280 Mio Liter) taucht dabei der Unfall der „Atlantic Empress 5“ auf: Sie verunglückte 1979 vor Tobago, Westindische Inseln. Zum Vergleich: Die „Exxon Valdez“ verlor 1989 vor Alaska 42 000 Tonnen (42 Mio Liter)...
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