Bank of Ireland emanzipiert sich
Dublin ⋅ Die Bank of Ireland hat am Mittwoch ihre Absicht bekannt gegeben, die im Staatsbesitz befindlichen Vorzugsaktien zurückzukaufen. Es handelt sich um die einzige irische Geschäftsbank, die mehrheitlich in Privatbesitz ist. Der Nationale Rentenfonds hatte 2009 Vorzugsaktien im Wert von 1,8 Mrd. € mit einem Coupon von gut 10% erworben. Diese Kapitalspritze war ein Teil eines staatlichen Engagements in der Höhe von 4,8 Mrd. €. Die Bank of Ireland stand unter Zeitdruck: Ende März hätte sich der Rückkaufspreis um einen Viertel erhöht.
Aktienkapital aufgestockt
Die Bank erhöhte am Mittwoch ihr Aktienkapital um rund 580 Mio. €; für den Rest des Rückkaufspreises will sie neue Schuldscheine ausgeben. Der weiterhin bestehende Aktienanteil des Staates verringert sich infolge dieser Transaktionen um einen Prozentpunkt auf rund 14%. Gesamthaft hätte der irische Steuerzahler mit der Bank of Ireland sogar ein gutes Geschäft gemacht. Rückzahlungen, Gebühren und Zinsen belaufen sich – einschliesslich der nun angekündigten Transaktion – auf etwa 5,5 Mrd. €, der verbleibende Anteil behält seinen Wert von gegenwärtig über 1 Mrd. €.
Da Irland Mitte Dezember den Rettungsschirm der internationalen Geldgeber, der Troika, offiziell verlässt, ist die zunehmende Selbständigkeit der Bank of Ireland ebenso erfreulich wie die Äufnung der Staatskasse, die ohnehin voller ist als erwartet.
Privatkonsum erholt sich
Am Dienstag waren die Haushalts-Zahlen für die ersten elf Monate des Kalenderjahres veröffentlicht worden. Demnach lagen die gesamten Einkünfte des Staates um 8,3% höher als im selben Zeitraum des Vorjahres und um 5% höher als erwartet. Besonders erfreulich fielen die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer aus: sie lagen im November um 9,5% über dem Vorjahresmonat – ein erstes Symptom für die überfällige Erholung des privaten Konsums. Die gesamten staatlichen Ausgaben lagen um 4,4% unter den Budget-Projektionen. Beobachter gingen aufgrund dieser Zahlen davon aus, dass Irland sein Defizit-Ziel von 7,5% des Bruttoinlandprodukts im laufenden Jahr spielend erreichen werde.
Die Stabilisierung des Budgets fand am Mittwoch eine Bestätigung in den neuesten Arbeitsmarkt–Zahlen. Demnach sank die Arbeitslosenquote, die im Februar 2012 15,1% erklommen hatte, im November auf 12,5%. Diese Zahlen beruhen auf Hochrechnungen auf der Grundlage der Bezüger von Arbeitslosengeld. Die präziseren Quartalszahlen ergaben für das dritte Quartal 2013 eine Quote von 12,8%. Die zunehmende Beschäftigung entlastet die Ausgabenseite des Budgets und verspricht höhere Einkommens- und Konsumsteuer-Erträge im nächsten Jahr.
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Cameron