Edelmetall
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Der wahre Preis des Goldes
Seite 2/2: Zur Goldgewinnung werden hochgiftige Zyanide eingesetzt
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Der Wasserbedarf einer Goldmine ist immens. Der Menschenrechtsorganisation zufolge verbraucht Marlin 150.000 Liter Wasser pro Stunde – eine Menge, die ausreiche, um eine Familie 22 Jahre lang zu versorgen. Rund um die Marlin-Mine seien einige Quellen bereits versiegt. Der kanadische Betreiber Goldcorp hingegen beziffert den Verbrauch auf nur 45.000 Liter pro Stunde – immer noch eine beachtliche Menge. Durch die Mine seien die Flüsse der Region mit Schwermetallen verunreinigt, sagt die Umweltkommission der Diözese San Marcos, die sich seit Langem mit Marlin beschäftigt (hier ihr Report als .pdf-Datei) . Forscher der Universität von Michigan untersuchten Blut und Urin einiger Nachbarn und fanden eine erhöhte Konzentration toxischer Metalle. Anwohner klagen über Hautausschläge, Fehlgeburten und sterbende Tiere.
Um Gold im großen Maßstab abzubauen, werden hochgiftige Zyanide (Blausäuresalze) eingesetzt. Goldschürfer, die auf eigene Faust oder in Kooperativen arbeiten, benutzen Quecksilber. "Gold kommt im Gestein eigentlich nur noch in geringen Spuren vor", sagt FIAN-Geschäftsführerin Hausmann. "Um sie herauszulösen, muss man das Gestein zermahlen und es dann mit Chemikalien zersetzen." Zur Goldgewinnung benutzt man vor allem Kaliumzyanid, auch bekannt als Zyankali. "Die giftigen Schlämme, die bei der Aufbereitung entstehen, werden in riesigen künstlichen Seen gelagert", sagt Bergbau-Analystin Kristina Rüter von der auf Nachhaltigkeitsratings spezialisierten Agentur oekom research. "Wenn es stark regnet, können die Becken überlaufen. Sind sie nicht perfekt abgedichtet, kann mit Zyaniden und Schwermetallen belastetes Sickerwasser das Grundwasser verseuchen."
Goldcorp und die guatemaltekische Regierung bestreiten , dass die Marlin-Mine das Wasser verschmutze. Die Wasservorräte der Region seien sauber und trinkbar, und es gebe keine Belege für Krankheitsfälle, die durch den Goldabbau ausgelöst worden seien, heißt es von der Regierung. Auch die weiten Mauerrisse, die sich an Hauswänden in der Nähe der Mine auftun , seien nicht durch die Sprengungen oder den Schwerlastverkehr der Mine entstanden. Vielmehr seien die Lehmziegelhäuser in den Dörfern einfach von schlechter Qualität.
Kristina Rüter analysiert für oekom das Geschäftsgebaren mehrerer Gold- und anderer Bergbaukonzerne. "Wir prüfen die Unternehmen anhand von rund 50 Umwelt- und 50 Sozialkriterien, die sich je nach Branche unterscheiden können, gewichten die einzelnen Faktoren und bilden daraus eine Endnote", erklärt sie das Verfahren. "Daneben gibt es bestimmte Ausschlusskriterien, die jeweils schon für sich genommen dazu führen können, dass unsere Kunden von einem Investment in ein Unternehmen Abstand nehmen." Der Marlin-Betreiber Goldcorp ist gleich zweifach auf der schwarzen Liste gelandet: Oekom hat Menschenrechts- und Umweltverstöße festgestellt – was für einen Großteil der Kunden der Rating-Agentur absolute Ausschlusskriterien sind. "Das Unternehmen gibt sich sehr aktiv, um den Vorwürfen entgegenzutreten", sagt Rüter. "Aber ein echter Dialog mit der Bevölkerung fehlt bisher."
Manche Bergbaukonzerne, welche die Goldförderung nur als einen Teil ihres Geschäfts betreiben, erhalten von oekom positive Bewertungen – die reinen Goldförderunternehmen wie Goldcorp landeten bislang alle auf der Ausschlussliste. Neben dem hohen Land- und Wasserverbrauch und den giftigen Chemikalien, die zum Auswaschen des Goldes genutzt werden, gibt es dafür weitere Gründe: Um die Sicherheit der Bergleute ist es häufig schlecht bestellt, vor allem im Untertagebau. Jahr für Jahr stürben Hunderte in den Goldminen, sagt oekom. "In Südafrika zum Beispiel liegen die Stollen sehr tief unter der Erde", erklärt Rüter. "Da ist es sehr schwer, Bewegungen im Gestein zu kontrollieren – und entsprechend gefährlich, dort zu arbeiten."
Gold werde vor allem in Ländern abgebaut, in denen niedrige soziale und ökologische Standards herrschen, sagt Rüter, etwa in China, Südafrika, Peru, Russland oder Indonesien. Das ist verführerisch für die Konzerne. "Sie sagen, ihr Handeln sei im Einklang mit den Gesetzen. Das mag sein, doch das liegt an den Gesetzen selbst. Unsere sozialen und ökologischen Maßstäbe werden dennoch nicht erfüllt."
In Guatemala hatte die Interamerikanische Menschenrechtskommission im Mai angeordnet, die Aktivitäten in der Marlin-Mine zu stoppen – zum Schutz des Lebens und der Unversehrtheit der Anwohner. Die Regierung sagte zu, die nötigen administrativen Verfahren einzuleiten und die Vorwürfe gegen Goldcorp zu prüfen. Doch unterdessen läuft der Abbau weiter. "Wir glauben weiterhin, dass es keinen Grund gibt, den Betrieb der Mine zu suspendieren", sagt Goldcorp-Chef Chuck Jeannes. "So lange das Verfahren (der Regierung) läuft, erwarten wir, dass der Betrieb ganz normal weiterläuft." Schließt die Regierung die Mine nicht, wollen die Menschenrechtsorganisationen den Fall vor den Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte tragen.
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