etwas älter aber nicht schlecht!
Tausendprozent-Chancen, aber exorbitantes Risiko. Dieses Etikett wird Biotech-Unternehmen gerne aufgeklebt. Für Wirkstoffforscher, die alles auf den Erfolg eines Medikaments gesetzt haben, stimmt dieses Bild sogar manchmal. Doch es gibt auch Geschäftsmodelle, die weniger Herzklopfen verursachen. Auch hier lohnt sich allerdings ein näherer Blick, da andere Gefahren lauern.
Andreas Stowasser
Zu Beginn der Biotech-Euphorie waren leise auch Warner zu hören, die auf die Risiken dieser Branche hinwiesen. Zu Recht: Zumindest bei forschenden Unternehmen, die ihre Hoffnungen und liquiden Mitteln auf nur einen Wirkstoff konzentrieren, ist die Gefahr eines Absturzes hoch. Unternehmen aber, die der Pharma- und Biotech-Branche zuliefern, sind hingegen nicht völlig von Wohl und Wehe eines einzelnen Produkts abhängig.
Nach einer groben Unterteilung gibt es vier Arten von Biotech-Unternehmen: Wirkstoffforscher, Technologie-Anbieter, Informations-Verkäufer und breit aufgestellte Biotech-Firmen.
Die Chancen der Wirkstoffforscher ergeben sich aus der hohen Nachfrage nach neuen Medikamenten: Patienten und Pharma-Konzerne warten darauf. Besonders chronisch Kranke hoffen auf schnelle Fortschritte in der Genom-Forschung. Wenn bekannt ist, was für eine Rolle ein Gen bei einer Krankheit spielt, kann gezielter geforscht und behandelt werden.
Wirkstoffforscher sind riskant, aber aussichtsreich
Eine Investition in Wirkstoffforscher kann allerdings riskant sein. Das Risiko ist um so höher, je geringer die Zahl der Wirkstoffe in der Entwicklung ist. Wenn ein Unternehmen nur an zwei potenziellen Medikamenten arbeitet und eines davon scheitert, sind die Auswirkungen gravierend. In einem solchen Fall ist die Pipeline von Medikamenten dünn gefüllt. In dieser Situation sind vor allem jungen Forschungsunternehmen: Sie schreiben in der Regel tiefrote Zahlen.
Wer dort investieren will, sollte sich des hohen Risikos bewußt sein. Auf der anderen Seite sind aber beim diesem Unternehmenstyp die Chancen sehr hoch: Schafft es nach Jahren der Forschung und Erprobung ein viel versprechender Wirkstoff bis an den Markt, sind hohe Kursgewinne garantiert. Allerdings sind diese Unternehmen nichts für eilige Zocker: Vom Beginn der Forschung bis zum Markteintritt vergehen im Schnitt zwölf Jahre.
Nicht bei allen Wirkstoffforschern liegen Sieg und Niederlage so dicht beeinander. Ältere Unternehmen haben in der Regel eine breite Palette an potenziellen Medikamenten in der Entwicklung. Hier schmerzt ein Misserfolg bei einem Wirkstoff zwar auch, bedroht jedoch nicht die Existenz.
Patentschutz sichert Erlöse ab
Wenn es ein Wirkstoff einmal in den Markt geschafft hat, sind die Eintrittsbarrieren für andere hoch. Der Patentschutz hält die Konkurrenz einige Jahre ab. Deswegen bieten Wirkstofforscher große Kurschancen.
Die Medikamenten-Hersteller erwirtschaften ihre Umsätze auf mehrere Arten. Neben den Erlösen aus dem Verkauf von Pillen und Tropfen gibt es so geheimnisvolle Einkommensquellen wie Upfront Payments, Milestones und Royalties.
Die so genannten Upfront Payments fallen am Beginn einer Allianz mit anderen Pharma- oder anderen Biotech-Unternehmen an. Sie sind eine Vorauszahlung nach dem Abschluss der Kooperation, ohne dass bereits eine bestimmte Leistung erbracht wurde. Milestones, exakt übersetzt mit Meilensteinzahlungen, sind hingegen Entgelte für das Erreichen vorher festgelegter Forschungsfortschritte. Unter Royalties versteht man Tantiemen, Umsatzbeteiligungen, wenn ein Medikament dann am Markt verkauft wird.
Die eigenständige Vermarktung selbst entwickelter Medikamente ist bei Biotechs immer noch die Ausnahme. Der Aufbau eines eigenen Vertriebs ist teuer, deswegen werden Medikamenten in der Regel an große Pharma-Konzerne verkauft. Die großen der Branche verfügen über die notwendige starke Vertriebsmacht.
Nur die größeren Wirkstoffforscher leisten sich einen eigenen Vertrieb, was sich positiv auf die Margen auswirkt: Sie sind höher als bei der Lizensierung von Wirkstoffen. Amgen, die Nummer Eins der weltweiten Forscher, hat einen eigenen Vertrieb, der US-Konkurrent Biogen ebenfalls. Diese höheren Margen wirken sich natürlich auch auf die Kurschancen aus.
Zulieferer sind solide, aber chancenarm
Geringere Chancen, aber auch geringere Risiken als die Wirkstoffforscher bieten die Zuliefer-Unternehmen in der Biotech-Branche. Ein Totalausfall ist nicht zu befürchten. Und die Fehlschläge bedrohen nicht die Existenz.
Unter dem Begriff Zulieferer fallen ganz unterschiedliche Unternehmen. Da gibt es Firmen, die Plattformen zur Analyse der Genaktivitäten oder zur Untersuchung von kleinen Unterschieden der persönlichen Erbanlagen (SNPs) anbieten. Andere stellen Diagnose-Geräte oder Software für Wirkstoffforscher her.
In der Vergangenheit boten die Zulieferer schnelles Wachstum bei relativ geringen Risiken. Die großen Pharma-Konzerne kauften fleißig neue Technologien, die Fantasie auf neue Medikamente schlug sich auch auf die Kurse der Zulieferer nieder.
Zuwächse bei Zulieferern schwächen sich ab
Doch mittlerweile schwächen sich die Zuwächse des Marktes ab. Kein Wunder: Die Zahl potenzieller Kunden ist begrenzt. Zudem wird die Konkurrenz härter, denn die Eintrittsbarrieren sind niedriger als in der Wirkstoffforschung. Dadurch werden die Technologien zu austauschbaren Produkten. Die Folge ist, dass der Preisdruck zunimmt und die Margen schmelzen.
Außerdem werden die Lebenszyklen der Produkte immer kürzer, das Innovationstempo immer höher. Um diesem Druck zu entgehen, weiten viele Unternehmen ihre Leistungspalette aus. Evotec hat beispielsweise Oxford Asymmetry übernommen, um die gesamte Kette der präklinischen Forschung anbieten zu können.
Umsätze erzielen Zulieferer durch Lizenzgebühren für die Technologie sowie Zahlungen für Forschungsdienstleistungen an. Nur in Ausnahmefällen profitieren Unternehmen vom Erfolg eines Wirkstoffs. Grundsätzlich erwirtschaften die Zulieferer früher Gewinne und einen positiven Cash-Flow als die Wirkstoffforscher. Die langfristige Fantasie hält sich hingegen in Grenzen.
IT-Anbieter sind risikoarm, aber fantasielos
Ähnlich von Chance-Risiko-Verhältnis sind hingegen die Informations-Anbieter. Sie verkaufen zeitlich befristeten Zugang zu ihren patentierten Daten. Als Gegenleistung erhalten sie eine Nutzungsgebühr.
Nur in seltenen Fällen werden Milestone-Zahlungen fällig, wenn der Partner durch die gekauften Daten in seinem Forschungsprogramm vorankommt. Außerdem können niedrige Royalty-Zahlungen zufließen, falls mit Hilfe der Daten eine neuer Wirkstoff an den Markt kommt.
Die Risiken des Geschäftsmodells sind relativ gering, die Zukunftsfantasie hält sich allerdings auch in engen Grenzen. In der Vergangenheit waren die Markteintrittsbarrieren und Kurschancen höher: Die nötige IT-Ausrüstung war lange teuer und komplex. Das hat sich mit den Forschritten bei Hard- und Software sowie steigender IT-Konkurrenz gelegt.
Zudem haben sich die Informationen über das Genom durch Forschungserfolge stark erhöht. Die Alleinstellung der IT-Anbeiter für Informationen ist nicht mehr gewährleistet. Genexpressions- und Proteinanalysen greifen immer mehr Raum.
Protein-Forschung wird neuen Schwung bringen
Große Hoffnungen setzten die Informations-Anbieter auf die Proteomik, die Erforschung des Zusammenspiels der Proteine. Da dadurch das Entstehen von Krankheiten besser verstanden wird, wird die Proteomik als das nächste große Biotechnologie-Thema gehandelt.
An diesem Thema wird sich entscheiden, wer von den Unternehmen dauerhaft Erfolg haben wird: Nur wer Protein-Informationen erster Güte anbietet, wird sich auf Dauer durchsetzen. Große Spieler dieses Segments sind Celera Genomics, die mittlerweile unter Applera firmieren, Incyte Genomics und Human Genome Sciences.
Um die Gefahr des Scheiterns zu minimieren, kombinieren manche Biotechs mehrere Ansätze. Idealerweise forscht ein Unternehmen nach Wirkstoffen, baut die entsprechende Technologie und bietet Dienstleistungen für die Technologie und Forschung an. Dadurch fallen Umsätze durch Lizenzen und Kooperationen an. Unter dem Strich kommt ein positiver Cash-Flow zustande.
Die Technologie liefert das Geld für die stark defizitäre Wirkstoffforschung. Somit vereint dieser Ansatz die Fantasie der Medikamentenentwickler mit der Solidität der Technologie-Anbieter.
Das Konzept hat seinen Charme, allerdings sind die ökonomischen Auswirkungen nicht berauschend: Die Zwitter-Unternehmen schaffen es in der Regel nicht die verschiedenen Felder wirklich zu vereinen. Entweder bleiben sie Technologie-Anbieter oder Wirkstoffforscher. Leichter ist es für einen Medikamenten-Entwickler in die Technologie vorzustossen. Ein Technologie-Anbieter tut sich schwer bei der Ausweitung auf Forschung. Denn die Forschung an Medikamenten ist teuer, langwierig und zudem hochkomplex. Kompetenz in diesem Segment lässt sich nicht auf Knopfdruck kaufen.
Kombinationsmodelle müssen sich erst beweisen
Wirkstoffforscher, die plötzlich ihre Technologie anbieten, bleiben trotzdem weiterhin Wirkstoffforscher. Die Geschäftszahlen sind tiefrot, da die Erlöse aus dem Technologie-Geschäft die Forschungskosten bei weitem nicht abdecken können. Ein Vertreter dieses Ansatzes ist GPC Biotech, ein Unternehmen das trotz einer interessanten Technologie voraussichtlich erst im Jahr 2006 schwarze Zahlen schreiben wird.
Trotzdem gehört die Zukunft den Wirkstoffforschern. Jede bahnbrechende Entdeckung von Medikamenten wird die Kurse beflügeln. In Deutschland ist besonders aussichtsreich Medigene, die über eine recht gut gefüllte Pipeline verfügen.
Tausendprozent-Chancen, aber exorbitantes Risiko. Dieses Etikett wird Biotech-Unternehmen gerne aufgeklebt. Für Wirkstoffforscher, die alles auf den Erfolg eines Medikaments gesetzt haben, stimmt dieses Bild sogar manchmal. Doch es gibt auch Geschäftsmodelle, die weniger Herzklopfen verursachen. Auch hier lohnt sich allerdings ein näherer Blick, da andere Gefahren lauern.
Andreas Stowasser
Zu Beginn der Biotech-Euphorie waren leise auch Warner zu hören, die auf die Risiken dieser Branche hinwiesen. Zu Recht: Zumindest bei forschenden Unternehmen, die ihre Hoffnungen und liquiden Mitteln auf nur einen Wirkstoff konzentrieren, ist die Gefahr eines Absturzes hoch. Unternehmen aber, die der Pharma- und Biotech-Branche zuliefern, sind hingegen nicht völlig von Wohl und Wehe eines einzelnen Produkts abhängig.
Nach einer groben Unterteilung gibt es vier Arten von Biotech-Unternehmen: Wirkstoffforscher, Technologie-Anbieter, Informations-Verkäufer und breit aufgestellte Biotech-Firmen.
Die Chancen der Wirkstoffforscher ergeben sich aus der hohen Nachfrage nach neuen Medikamenten: Patienten und Pharma-Konzerne warten darauf. Besonders chronisch Kranke hoffen auf schnelle Fortschritte in der Genom-Forschung. Wenn bekannt ist, was für eine Rolle ein Gen bei einer Krankheit spielt, kann gezielter geforscht und behandelt werden.
Wirkstoffforscher sind riskant, aber aussichtsreich
Eine Investition in Wirkstoffforscher kann allerdings riskant sein. Das Risiko ist um so höher, je geringer die Zahl der Wirkstoffe in der Entwicklung ist. Wenn ein Unternehmen nur an zwei potenziellen Medikamenten arbeitet und eines davon scheitert, sind die Auswirkungen gravierend. In einem solchen Fall ist die Pipeline von Medikamenten dünn gefüllt. In dieser Situation sind vor allem jungen Forschungsunternehmen: Sie schreiben in der Regel tiefrote Zahlen.
Wer dort investieren will, sollte sich des hohen Risikos bewußt sein. Auf der anderen Seite sind aber beim diesem Unternehmenstyp die Chancen sehr hoch: Schafft es nach Jahren der Forschung und Erprobung ein viel versprechender Wirkstoff bis an den Markt, sind hohe Kursgewinne garantiert. Allerdings sind diese Unternehmen nichts für eilige Zocker: Vom Beginn der Forschung bis zum Markteintritt vergehen im Schnitt zwölf Jahre.
Nicht bei allen Wirkstoffforschern liegen Sieg und Niederlage so dicht beeinander. Ältere Unternehmen haben in der Regel eine breite Palette an potenziellen Medikamenten in der Entwicklung. Hier schmerzt ein Misserfolg bei einem Wirkstoff zwar auch, bedroht jedoch nicht die Existenz.
Patentschutz sichert Erlöse ab
Wenn es ein Wirkstoff einmal in den Markt geschafft hat, sind die Eintrittsbarrieren für andere hoch. Der Patentschutz hält die Konkurrenz einige Jahre ab. Deswegen bieten Wirkstofforscher große Kurschancen.
Die Medikamenten-Hersteller erwirtschaften ihre Umsätze auf mehrere Arten. Neben den Erlösen aus dem Verkauf von Pillen und Tropfen gibt es so geheimnisvolle Einkommensquellen wie Upfront Payments, Milestones und Royalties.
Die so genannten Upfront Payments fallen am Beginn einer Allianz mit anderen Pharma- oder anderen Biotech-Unternehmen an. Sie sind eine Vorauszahlung nach dem Abschluss der Kooperation, ohne dass bereits eine bestimmte Leistung erbracht wurde. Milestones, exakt übersetzt mit Meilensteinzahlungen, sind hingegen Entgelte für das Erreichen vorher festgelegter Forschungsfortschritte. Unter Royalties versteht man Tantiemen, Umsatzbeteiligungen, wenn ein Medikament dann am Markt verkauft wird.
Die eigenständige Vermarktung selbst entwickelter Medikamente ist bei Biotechs immer noch die Ausnahme. Der Aufbau eines eigenen Vertriebs ist teuer, deswegen werden Medikamenten in der Regel an große Pharma-Konzerne verkauft. Die großen der Branche verfügen über die notwendige starke Vertriebsmacht.
Nur die größeren Wirkstoffforscher leisten sich einen eigenen Vertrieb, was sich positiv auf die Margen auswirkt: Sie sind höher als bei der Lizensierung von Wirkstoffen. Amgen, die Nummer Eins der weltweiten Forscher, hat einen eigenen Vertrieb, der US-Konkurrent Biogen ebenfalls. Diese höheren Margen wirken sich natürlich auch auf die Kurschancen aus.
Zulieferer sind solide, aber chancenarm
Geringere Chancen, aber auch geringere Risiken als die Wirkstoffforscher bieten die Zuliefer-Unternehmen in der Biotech-Branche. Ein Totalausfall ist nicht zu befürchten. Und die Fehlschläge bedrohen nicht die Existenz.
Unter dem Begriff Zulieferer fallen ganz unterschiedliche Unternehmen. Da gibt es Firmen, die Plattformen zur Analyse der Genaktivitäten oder zur Untersuchung von kleinen Unterschieden der persönlichen Erbanlagen (SNPs) anbieten. Andere stellen Diagnose-Geräte oder Software für Wirkstoffforscher her.
In der Vergangenheit boten die Zulieferer schnelles Wachstum bei relativ geringen Risiken. Die großen Pharma-Konzerne kauften fleißig neue Technologien, die Fantasie auf neue Medikamente schlug sich auch auf die Kurse der Zulieferer nieder.
Zuwächse bei Zulieferern schwächen sich ab
Doch mittlerweile schwächen sich die Zuwächse des Marktes ab. Kein Wunder: Die Zahl potenzieller Kunden ist begrenzt. Zudem wird die Konkurrenz härter, denn die Eintrittsbarrieren sind niedriger als in der Wirkstoffforschung. Dadurch werden die Technologien zu austauschbaren Produkten. Die Folge ist, dass der Preisdruck zunimmt und die Margen schmelzen.
Außerdem werden die Lebenszyklen der Produkte immer kürzer, das Innovationstempo immer höher. Um diesem Druck zu entgehen, weiten viele Unternehmen ihre Leistungspalette aus. Evotec hat beispielsweise Oxford Asymmetry übernommen, um die gesamte Kette der präklinischen Forschung anbieten zu können.
Umsätze erzielen Zulieferer durch Lizenzgebühren für die Technologie sowie Zahlungen für Forschungsdienstleistungen an. Nur in Ausnahmefällen profitieren Unternehmen vom Erfolg eines Wirkstoffs. Grundsätzlich erwirtschaften die Zulieferer früher Gewinne und einen positiven Cash-Flow als die Wirkstoffforscher. Die langfristige Fantasie hält sich hingegen in Grenzen.
IT-Anbieter sind risikoarm, aber fantasielos
Ähnlich von Chance-Risiko-Verhältnis sind hingegen die Informations-Anbieter. Sie verkaufen zeitlich befristeten Zugang zu ihren patentierten Daten. Als Gegenleistung erhalten sie eine Nutzungsgebühr.
Nur in seltenen Fällen werden Milestone-Zahlungen fällig, wenn der Partner durch die gekauften Daten in seinem Forschungsprogramm vorankommt. Außerdem können niedrige Royalty-Zahlungen zufließen, falls mit Hilfe der Daten eine neuer Wirkstoff an den Markt kommt.
Die Risiken des Geschäftsmodells sind relativ gering, die Zukunftsfantasie hält sich allerdings auch in engen Grenzen. In der Vergangenheit waren die Markteintrittsbarrieren und Kurschancen höher: Die nötige IT-Ausrüstung war lange teuer und komplex. Das hat sich mit den Forschritten bei Hard- und Software sowie steigender IT-Konkurrenz gelegt.
Zudem haben sich die Informationen über das Genom durch Forschungserfolge stark erhöht. Die Alleinstellung der IT-Anbeiter für Informationen ist nicht mehr gewährleistet. Genexpressions- und Proteinanalysen greifen immer mehr Raum.
Protein-Forschung wird neuen Schwung bringen
Große Hoffnungen setzten die Informations-Anbieter auf die Proteomik, die Erforschung des Zusammenspiels der Proteine. Da dadurch das Entstehen von Krankheiten besser verstanden wird, wird die Proteomik als das nächste große Biotechnologie-Thema gehandelt.
An diesem Thema wird sich entscheiden, wer von den Unternehmen dauerhaft Erfolg haben wird: Nur wer Protein-Informationen erster Güte anbietet, wird sich auf Dauer durchsetzen. Große Spieler dieses Segments sind Celera Genomics, die mittlerweile unter Applera firmieren, Incyte Genomics und Human Genome Sciences.
Um die Gefahr des Scheiterns zu minimieren, kombinieren manche Biotechs mehrere Ansätze. Idealerweise forscht ein Unternehmen nach Wirkstoffen, baut die entsprechende Technologie und bietet Dienstleistungen für die Technologie und Forschung an. Dadurch fallen Umsätze durch Lizenzen und Kooperationen an. Unter dem Strich kommt ein positiver Cash-Flow zustande.
Die Technologie liefert das Geld für die stark defizitäre Wirkstoffforschung. Somit vereint dieser Ansatz die Fantasie der Medikamentenentwickler mit der Solidität der Technologie-Anbieter.
Das Konzept hat seinen Charme, allerdings sind die ökonomischen Auswirkungen nicht berauschend: Die Zwitter-Unternehmen schaffen es in der Regel nicht die verschiedenen Felder wirklich zu vereinen. Entweder bleiben sie Technologie-Anbieter oder Wirkstoffforscher. Leichter ist es für einen Medikamenten-Entwickler in die Technologie vorzustossen. Ein Technologie-Anbieter tut sich schwer bei der Ausweitung auf Forschung. Denn die Forschung an Medikamenten ist teuer, langwierig und zudem hochkomplex. Kompetenz in diesem Segment lässt sich nicht auf Knopfdruck kaufen.
Kombinationsmodelle müssen sich erst beweisen
Wirkstoffforscher, die plötzlich ihre Technologie anbieten, bleiben trotzdem weiterhin Wirkstoffforscher. Die Geschäftszahlen sind tiefrot, da die Erlöse aus dem Technologie-Geschäft die Forschungskosten bei weitem nicht abdecken können. Ein Vertreter dieses Ansatzes ist GPC Biotech, ein Unternehmen das trotz einer interessanten Technologie voraussichtlich erst im Jahr 2006 schwarze Zahlen schreiben wird.
Trotzdem gehört die Zukunft den Wirkstoffforschern. Jede bahnbrechende Entdeckung von Medikamenten wird die Kurse beflügeln. In Deutschland ist besonders aussichtsreich Medigene, die über eine recht gut gefüllte Pipeline verfügen.