Im Interview mit dem Tagesspiegel spricht Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer über den Ärger mit dem Diesel.
Tagesspiegel: Mit der blauen Plakette dürften nur noch relativ saubere Autos in die Städte fahren.
-- Wenn die Umwelthilfe so eine Plakette fordert, dann verstehe ich das. Aber der VW-Chef?
Tagesspiegel: Also müssen Autos nachgerüstet werden....
-- Das ist Aufgabe der Hersteller. Mit Software-Updates ist es nicht getan, wir brauchen entsprechende Katalysatoren und den flächendeckenden Einsatz von Harnstofftechnik.
Tagesspiegel: Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet am 22. Februar über die Möglichkeit von Fahrverboten in Städten. Wird die Industrie vorher aktiv?
-- Mir ist nicht bekannt, ob und wie die Industrie aktiv wird. Als Handwerkspräsident kümmere ich mich natürlich um unsere Betriebe. Denn wenn es ganz dicke kommt, dürfen auch Handwerker bei bestimmten Wetterlagen nicht mehr in bestimmte Städte fahren. Die Gefahr ist da. Wenn aber Handwerker nicht fahren dürfen, dann können sie die Städte nicht mehr versorgen.
Tagesspiegel: Warum fahren so wenige Handwerker mit alternativen Antrieben?
-- Es gibt so gut wie kein Angebot. Kaum ein Fahrzeughersteller bietet Gas-Transporter an, und Elektrofahrzeuge kommen in den Fahrzeugklassen, die wir im Handwerk brauchen, gerade auf den Markt. Die wenigen bisher geeigneten Fahrzeuge sind zudem häufig noch sehr viel teurer als Dieseltransporter. Außerdem: Das Produktversprechen, auf das alle Käufer und also auch unsere Handwerker vertrauen, ist doch, dass die teils erst vor kurzem gekauften Dieselfahrzeuge zumindest für eine normale Lebensdauer nutzbar sind.
Tagesspiegel: Es kostet gut 2000 Euro, um aus einem schmutzigen einen sauberen Diesel zu machen. Das Geld haben die Handwerker, die Geschäfte laufen prächtig.
-- Verursacher des Dieselproblems sind die Autohersteller, nicht wir Handwerker. Wir im Handwerk sind es gewohnt, dass wir für Fehler und Mängel geradestehen und sie in Ordnung bringen. Nichts anderes erwarten wir von den Autoherstellern. Und die Politik muss den entsprechenden Regulierungsrahmen setzen.
Quelle: www.tagesspiegel.de/wirtschaft/...undenfeindlich/20803346.html