Also noch mal auf in eine neue Runde...
1. Wo bitte habe ich Unsinn geschrieben? Du wirfst mir jetzt Sachen vor, ohne irgendwas zu konkretisieren!
2. Derivate sind alles, was sich auf irgendwelche anderen Werte bezieht. Wenn Du jetzt behauptest, dass alles, was als Derivat bezeichnet wird, nichts ist, dann hast Du einfach keine Ahnung von der Materie. Sorry, aber Derivate sind durchaus sinnvoll und nützlich. Man muss ihren Einsatz allerdings auch nicht übertreiben, da gebe ich Dir teilweise Recht. Nur, läuft Dein Argument bei Barclays, wie ich schon zuvor in
#545 geschrieben habe, vollkommen ins Leere! Wenn Du Dir die Mühe gemacht hättest, genau mitzulesen, dann wüsstest Du auch, dass die 984 Milliarden "derivative financial instruments" in der Bilanz von BCS allein darauf zurückzuführen sind, dass das IFRS verbietet, Vermögenswerte und Verbindlichkeiten gegenüber demselben Vertragspartner per netto auszuweisen. Zieht man nämlich von den 984 Milliarden die 917 Milliarden ab, die sich dadurch faktisch aufheben bzw. für die Barclays sog. "cash collateral" in der Bilanz stehen hat, dann ergeben sich gerade mal noch 67 Milliarden "Netto-Exposure" bei den "derivative financial instruments", also ca. 180 Milliarden weniger als noch ein Jahr zuvor...
Dass Derivate aber an sich nicht immer nur was Schlechtes sein müssen, zeigt allein schon die Tatsache, dass sogar ein Warren Buffett sowas bei Berkshire in der Bilanz drin hat. Und das, obwohl er Derivate ganz allgemein als "weapons of financial mass destruction" bezeichnet hat. Aber es kommt eben darauf an, wie sowas gestrickt ist und wer am Ende profitiert und wer nicht, das weiß eben auch ein Buffett. Für Dich ist das aber anscheinend zu hoch und Du bezeichnest das alles schlichtweg als toxischen Sondermüll. Stattdessen solltest Du Dich lieber einmal fragen, was das denn genau für Derivate sind, die BCS in der Bilanz hat. Wäre jedenfalls sinnvoller und fundierter als von vornherein alles einfach nur zu verteufeln.
Was Barclays angeht, so geht auf Seite 100 des Berichts von 2008 z. B. hervor, dass es sich bei den "bösen Derivaten" hauptsächlich um Folgendes handelt:
Foreign exchange derivatives: 107,1 Mrd. GBP (assets) - 113,8 Mrd. GBP (liabilities)
Interest rate derivatives: 613,3 Mrd GBP (ditto) - 605,5 Mrd. GBP (ditto)
Credit derivatives: 184,1 Mrd. GBP (ditto) - 170 Mrd. GBP (ditto)
Equity and stock index and commodity derivatives: 77,6 Mrd. GBP (dittto) - 74,7 Mrd. GBP (ditto)
Also für mich sind das jetzt keine wirklich besorgniserregenden Derivate. Die "Interest rate derivatives" sind mit Abstand der größte Posten. Wieso sollten diese denn so toxisch sein? Es geht doch m. E. hierbei eher um Wetten auf Zinssatzschwankungen. Dass diese in den letzten Monaten ordentlich geschwankt haben, weiß ja inzwischen wohl jedes Kind. Von irgendwelchen Subprime-Geschichten bzw. Immobilienkrediten lese ich hier gar nichts. Wenn ich es nicht komplett falsch verstanden habe, waren das aber bislang die berühmten "toxischen Wertpapiere", die nicht mehr handelbar sind, weil der Markt dafür eingefroren ist. Mag ja sein, dass diese sich unter der Rubrik "credit derivatives" verstecken, aber bezogen auf das Gesamtportfolio an Derivaten nimmt sich ihr Anteil relativ gering aus.
Barclays gibt auch gleich die Erklärung für das überproportionale Anschwellen der Positionen:
"The 737 bn GBP increase in the gross derivative assets has been predominantly driven by significant volatility and movements in yield curves during the year together with a substantial depreciaten in Sterling against most major currencies."
Was nichts anderes heißt, als dass letzten Endes die stark zugenommene Volatilität an den Märkten sowie ein deutliches Abwerten des Pfunds gegenüber den meisten anderen Hauptwährungen dafür verantwortlich ist. Das macht auch Sinn: Wenn das Pfund abwertet, müssen die Nominalbeträge in Pfund steigen, um den Wertverlust des Pfunds auszugleichen. Das allein ist aber für sich genommen noch kein Kriterium für eine Erfolgsbewertung und sagt m. E. auch nichts aus.
Wichtiger ist m. E. folgendes: Wenn ich die Liabilities (Verbindlichkeiten) von den Assets (Vermögenswerte) abziehe, dann komme ich auf folgendes Ergebnis:
2008: 984,8 Mrd. GBP (assets) - 968,1 Mrd. GBP (liabilities) = 16,7 Mrd. GBP (Nettovermögenswert)
2007: 248,1 Mrd. GBP (ditto) - 248,3 Mrd. GBP (ditto) = -0,2 Mrd. GBP (ditto)
Sprich also eine Zunahme an Vermögenswert unterm Strich von 2007 auf 2008 von immerhin 16,5 Mrd. GBP. Das ist für mich ein Erfolg, weil unterm Strich mehr Vermögen da ist und nicht weniger. Egal, wie groß die Positonen jetzt durch irgendwelche Währungsschwankungen oder sonstwas aufgeblasen wurden. Was für mich zählt, ist am Ende der Netto-Zugewinn und sonst nichts.
Natürlich will ich nicht verhehlen, dass ein solches "Aufblähen" auf den ersten Blick und auf den unbedarften Zuschauer wie ein rotes Tuch wirkt. Aber man muss sich halt schon einmal die Mühe machen, die Zahlen genau zu lesen und auch durchzurechnen, statt immer nur alle in Panik zu versetzen, ohne eine echte Begründung zu liefern.
Jetzt kann man natürlich hergehen uns sagen (wie es auch nicht anders von Dir erwarte), dass der Markt für die ganzen Derivate momentan auch eingefroren ist und einem daher ein Buchgewinn überhaupt nichts bringt. Richtig! Aber sofern man eben nicht verkaufen muss, kann man sie weiter halten und warten, bis der Markt sich erholt und das Zeug wieder handelbar ist. Ganz so wie bei einem Haus, das einen bestimmten Wert hat (z. B. entsprechend dem Gebäudeversicherungswert), aber momentan unverkäuflich ist, weil der Immobilienmarkt in einer Krise steckt. Und ob der Markt für diese Derivate, die Barclays hält, tatsächlich eingefroren ist, da wäre ich mir nicht so sicher.
3. Das Bilanzrecht wurde aufgeweicht. OK, soweit stimmen wir überein. Dass mir persönlich ein harter Schnitt auch lieber gewesen wäre, ist ebenfalls klar. Natürlich bleibt dadurch Unsicherheit im Markt (die Du m. E. momentan bezogen auf Barclays auch systematisch hier im Forum verteilst...) und dass jeder gerne einen Markt mit einer klaren Richtung hätte wie 2003-2007 ist mir auch klar. Mir persönlich macht diese Volatilität aber gar nichts aus. Im Gegenteil, ich begrüße sie sogar, weil sie mir hilft, schneller Gewinne einzufahren.
Dass überhaupt und in welcher Höhe abgeschrieben werden muss, weißt Du aber genauso wenig wie ich. Oder hast Du den magischen Röntgenblick bzw. doch die Kristallkugel irgendwo im Schrank gefunden? Warum sollte Barclays seine Derivate (die für Dich wohl mit den "level-2-assets" identisch sind) langfristig tatsächlich abschreiben müssen. Zugegeben, ich sehe Abschreibungen auch als eher wahrscheinlich an. Aber in welcher Höhe und wann genau, das weiß niemand. Daher ist das reine Spekulation und da mache ich nicht mit.
3. Wann begreifst Du endlich, was ich Dir die ganze Zeit sagen will? Der Marktwert wird am Markt gebildet und entspricht dem aktuellen Preis! Angebot und Nachfrage sind hier die einzigen Faktoren, die zählen. Der fundamentale Wert aber hat mit dem Marktwert überhaupt nichts zu tun. Dieser spiegelt allein die fundamentale Situation eines Unternehmens wider. Wie war es denn bei einer Wells Fargo (für Dich vielleicht auch eine "Schrottbank"...?), als die für 9 Dollar zu haben war? Heute kostet sie wieder ein Vielfaches. Was war denn nun der Marktwert von 9 Dollar? War das der echte Wert oder nur der Preis am Markt?
Bei einem Unternehmen kann ich den fundamentalen (fairen) Wert anhand der BILANZ und GUV errechnen. Versuch' das doch mal bei einem Rohstoff! Du laberst nur immer dasselbe, aber hast noch keine Vorgehensweise aufgezeigt, obwohl ich das schon x-mal von Dir gefordert habe!
Rohstoffe allein sind auch nicht alles. Es gibt auch Branchen, die nichts produzieren so wie der gesamte Dienstleistungssektor oder die Finanz- und Versicherungsbranche, oder die Unterhaltungsbranche etc. pp. Sicher hängen die aber auch indirekt von Rohstoffpreisen ab, da sie eben fertige Güter verwenden, die zuvor in der Industrie hergestellt wurden. Trotzdem kommt es auch darauf an, was man dann daraus macht und wie man diese Güter einsetzt, um einen ökonomische Nutzen zu erzeugen. Das Herstellen allein ist auch nicht alles.
Warum unterstellt Du mir ständig Dinge, die gar nicht zutreffen. Manchmal denke ich, Du überfliegst einfach nur statt richtig zu lesen. Es ist mir völlig egal, nach welchen Kriterien Du zu einem Investment kommst, aber ich gehe nunmal so vor, dass ich mir einen fairen Wert errechne/schätze und dann versuche mit einem 50% Abschlag zu kaufen. Ich setze nicht auf steigende Renditen oder sonstwas. Nur auf steigende Preise. Bei einer fundamentalen Unterbewertung ist das auch berechtigt. Wenn Du mit "steigender Rendite" allerdings meinst, dass ich meine eigene Rendite erhöhen will, weil der Kurs dann steigt. Das ist korrekt. Aber für mich ist das keine Spekulation sondern eine fundamental begründete Annahme, die empirisch belegt ist. Rohstoffpreise hängen allein von Angebot und Nachfrage ab. Einen fundamentalen Wert gibt es nicht, egal wie oft Du das behauptest. Berechne doch mal den fundamentalen Wert von Gold oder Weizen. Ich warte gespannt...!
Niemals habe ich daher behauptet, die Rendite von Barclays würde wachsen. Alles was ich gesagt habe, war dass BCS momentan immer noch unterbewertet ist und das aufgrund der Zahlen der letzten 12-Jahre wie auch der Zahlen des letzten Jahres und auch der aktuellen Zahlen. Ob die Rendite (=Return on Equity) bei BCS eher steigt oder nicht, kann ich nicht vorhersagen. Das hängt vom Management und vom Umfeld ab. Man kann auch ein Unternehmen wie BCS nicht mit einem Rohstoffunternehmen oder einem produzierenden vergleichen. Banken stellen nichts her, auch keine Finanzprodukte. Sie verleihen letzten Endes Geld und handeln mit Wertpapieren. "Finanzprodukte" ist nur ein anderes Wort für Finanz-Dienstleistungen, soviel sollte man wissen. Die Nachfrage nach denen wird m. E. in der Zukunft wieder eher zunehmen, da Banken momentan unter einem extremen Vertrauensverlust leiden.
Der Dollar ist mehr eigentlich egal. Hier geht es vor allem um Barclays.
Die Aareal interessiert mich momentan nicht, da ich andere "Betätigungsfelder" habe. Du kannst aber gerne mal in Vorleistung treten und Deine Analyse hier posten. Dann sehe ich endlich mal, was Du fundamental so draufhast...
Gruß!