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Quelle-Erbin Schickedanz
Verarmte Milliardärin


Wie fühlt man sich, wenn die Milliarden zerrinnen?

Wer wissen will, wie man sich fühlt, wenn die eigenen Milliarden an der Börse zerrinnen, bekommt – wie häufig – keine Antwort. Nein, Frau Schickedanz sei nicht zu sprechen, richtet ihre langjährige Büroleiterin Marianne Kreß am Telefon im fränkischen Fürth aus. Und klingt gar nicht fröhlich dabei.

In den seltenen Fällten, wenn Schickedanz doch mal antwortet, dann geht das nicht telefonisch und nicht via Mail, sondern traditionsbewusst per Brief. Meist freundlich und verbindlich im Ton, nichtssagend in der Sache – im wahrsten Sinne des Wortes. Informationen zum Geschäft gibt es nicht, reden mag sie allenfalls über ihre Kinderkrebs-Stiftung, die sie nach der Leukämie-Erkrankung ihrer Tochter Caroline gründete. Schickedanz, die am 20. Oktober 65 Jahre alt wird, wird mutmaßlich auch dieses Fest weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit feiern. „Ich bin niemand für die Öffentlichkeit“, hat sie einmal klargestellt.




Kein Glück mit den Männern - privat und geschäftlich

Ihre Männer. Zuerst Hans-Georg Mangold (der nach der Scheidung die Konzernführung wieder verlassen musste), dann Wolfgang Bühler (dessen Karriere 1997 ebenfalls abrupt endete, als die Ehe in die Brüche ging). In dritter Ehe ist sie mit Leo Herl verheiratet – er führt die Madeleine Schickedanz Vermögensverwaltungs GmbH & Co. KG und gehört dem Arcandor-Aufsichtsrat an.


Mit ihren Männern habe sie kein Glück, sagen Menschen, die Madeleine Schickedanz nahestehen, und meinen die private Ebene. Muss man heute zufügen: auch die geschäftliche? Bei der Bestellung von Thomas Middelhoff – erst zum Chef des Aufsichtsrates, dann zum Vorsitzenden des Karstadt-Quelle-Vorstands – gilt sie als entscheidende Strippenzieherin. Der Sonnyboy unter Deutschlands Managern erzählte oft genug gut gelaunt, er habe Karstadt am „Rand des Abgrundes“ übernommen und inzwischen sei die Sanierung endgültig geglückt.

Wenn es bloß so wäre. Vor wenigen Tagen konstatierte er eine gewisse „Anspannungen“, das Ergebnisziel zu erreichen - und das machte die Börsianer bereits ziemlich nervös.

Ein Kommunikationsdesaster erster Güte

In dieser Woche schließlich folgte ein Kommunikationsdesaster erster Güte. Zunächst ließ der Manager einen Bericht dieser Zeitung dementieren, Arcandor stehe im Zuge seiner Kreditverhandlungen mit einem Bankenkonsortium unter erheblichem Druck und müsse sich deshalb möglicherweise von einem Teil seiner Beteiligung am Tourismuskonzern Thomas Cook trennen. Dann überraschend eine Klarstellung: Die Struktur der Holding müsse im Rahmen der Vereinbarung überprüft werden. Das könne auch die Reduzierung der Beteiligungen an den Tochtergesellschaften Karstadt und Thomas Cook beinhalten. Glaubwürdigkeit sieht anders aus, sagten sich die Anleger, und so rauschte der Kurs erneut in die Tiefe.

Madeleine Schickedanz legt hohen Wert auf Glaubwürdigkeit. Es dauert lange, bis sie jemandem ihr Vertrauen schenkt, sagen Bekannte. Wie das Verhältnis zu ihrem „Mann“ Middelhoff inzwischen aussieht, darüber lässt sich nur spekulieren.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, picture-alliance/ dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb


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