Die Anleger von börsennotierten Lottovermittlern wie Fluxx und Tipp24 hatten es in jüngster Zeit nicht leicht. Zu viele schlechte Nachrichten galt es zu verkraften. Insbesondere die Politik hat es auf die hoffnungsvolle Branche abgesehen.
Erst Mitte Dezember stimmten 15 der 16 Bundesländer für einen neuen Staatsvertrag. Dieser sieht ein Verbot von Glücksspielen im Internet und von privaten Sportwetten ab dem Jahr 2008 vor. Nur Schleswig-Holstein machte nicht mit.
Die Länder begründeten ihren Vorstoß mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom März vergangenen Jahres. Die Richter hatten die bestehenden Regelungen als unvereinbar mit dem Grundgesetz bezeichnet. Dabei zeigten sie zwei Wege auf, einen verfassungskonformen Zustand herzustellen: Entweder müsse es ein relativ striktes Monopol, das am Ziel der Bekämpfung der Wettsucht ausgerichtet ist, oder eine weitgehende Öffnung auch für private Anbieter geben. Die Länder entschieden sich mehrheitlich für die erste Möglichkeit.
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Wichtiges Urteil erwartet
Doch damit dürfte das letzte Wort dürfte noch nicht gesprochen sein. Für das laufende Jahr wird ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Dienstleistungsfreiheit bei Lotto und Wetten erwartet. Beobachter halten es für durchaus wahrscheinlich, dass die Richter im Sinne der privaten Wettunternehmen entscheiden.
Neben dem Bundesverfassungsgericht und dem Europäischen Gerichtshof redet auch das Bundeskartellamt ein gewichtiges Wörtchen beim Wett-Monopoly mit. Im August hatte die Behörde den Bundesländern untersagt, den Lottomarkt bisher durch die 16-Länder-Gesellschaften selbst im Internet untereinander aufzuteilen.
Denn wer bis dahin online tippen wollte, musste seinen Wohnort angeben und wurde so gezwungen, bei der Lottogesellschaft seines Landes zu spielen. Deshalb sollten die Lottogesellschaften ihre regional begrenzten Internetangebote bundesweit öffnen. Statt dem Folge zu leisten, strichen die meisten Länder das Online-Lotto komplett aus ihrem Angebot.
Somit sind die Pläne der Bundesländer ein geschickter Versuch, die bisherigen Strukturen zu zementieren. Durch die Pläne der Bundesländer werden Lottovermittler wie Fluxx und Tipp24 zwar nicht unmittelbar in ihrer Existenz bedroht. Doch droht das derzeit noch überaus wichtige Deutschland-Geschäft in absehbarer Zeit wegzubrechen.
Wie reagieren?
Eine Alternative wäre es, stärker im Ausland zu expandieren. Hier ist Tipp24 mit einem Umsatzanteil von rund zwölf Prozent immerhin weiter als der Konkurrent Fluxx. Dieser wiederum will in Deutschland erst einmal nur Lottoterminals in Supermärkten und Tankstellen aufbauen. Denn dagegen haben die Bundesländer auch nach dem neuen Staatsvertrag nichts einzuwenden.
ME
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