News - 09.03.07 13:56
Allianz breitet sich in Indien aus
Mit Sach- und Lebensversicherungen macht die Allianz im boomenden Indien schon gute Geschäfte. Nun wollen die Münchener auch in den Bankensektor einsteigen, in die Vermögensverwaltung und den Vertrieb von Finanzprodukten. Bei den Plänen könnte die Tochter Dresdner Bank helfen.
DELHI. "Wir prüfen bei Banken und Asset Management den Markt und sind in Gesprächen mit den Behörden", bestätigt Werner Zedelius, im Allianz-Vorstand für Wachstumsmärkte verantwortlich. Nicht kommentieren will er Aussagen indischer Partner, denen zufolge die Dresdner Bank schon Lizenzen beantragt hat. Die Allianz-Tochter hatte sich vor wenigen Jahren aus dem Subkontinent zurückgezogen, unterhält dort aber noch eine Repräsentanz. Ihr könnte die operative Umsetzung einer Rückkehr der Deutschen ins Bankgeschäft zufallen. Offen ist, ob dieses in Indien unter der Marke "Allianz-Bank" geschehen soll wie zuletzt in anderen Märkten.
Das Interesse am indischen Bankenmarkt richtet sich Zedelius zufolge vor allem auf das Privatkundengeschäft. Das Land könnte auch als Sprungbrett dienen für eine Expansion in andere Teile Asiens. "Weitere Schritte in diese Richtung sind nicht auszuschließen", sagt der Vorstand.
Wirtschaftswachstum von zuletzt über 9 Prozent und im Vergleich zu China geringere Zugangshürden haben Indien in den Expansionsfokus westlicher Finanzhäuser gerückt. Auch die Deutsche Bank hat vor einem Jahr ihre Asien-Offensive im Retail Banking in Indien begonnen. Dort hat sich das Kreditwachstum auf 30 Prozent im Jahr beschleunigt. Aber die Deutschen sind Nachzügler: Unter Auslandsbanken führen HSBC, Citigroup, Standard Chartered und ABN Amro. Dominiert wird das Privatkunden-Segment von starken lokalen Anbietern wie ICICI, HDFC und der State Bank of India.
Erfolg mit Versicherungen
"Die wirtschaftliche Entwicklung Indiens stimmt uns optimistisch", begründet Zedelius die Vorstöße. Zudem mache der außerordentliche Erfolg im Versicherungsgeschäft Mut. Die Lebenstochter wuchs im Vorjahr um 90 Prozent, die Sachtochter um 30 Prozent. Beide sind Gemeinschaftfirmen mit der Bajaj-Gruppe, einem führenden Zweiradhersteller. 2006 durchbrach das Versicherungsgeschäft der Münchner in Indien die Schwelle von 1 Mrd. Euro Prämieneinnahmen - nur fünf Jahre nach dem Start.
Bajaj-Allianz ist bereits in 890 Städten präsent, hat 20 000 Mitarbeiter in 950 Niederlassungen und durchkämmt das Land fast flächendeckend mit 200 000 Versicherungsvertretern. Von diesen Vertriebkanälen soll in Zukunft das Retail Banking profitieren. Am Freitag gaben Allianz und Bajaj zudem die Gründung eines 50:50-Joint Ventures bekannt, das über dieses Netz zunächst Finanzprodukte Dritter vertreiben wird, später aber womöglich auch der Allianz selbst: Fonds, Kreditkarten, Hypotheken und Privatkredite. Das Kreditkartengeschäft boomt mit jährlichen Zuwachsraten von 45 Prozent, bei Hypotheken sind es 40 Prozent. Bei Fonds gilt das Potential langfristig als besonders groß. Denn auf diese Art haben die Inder erst 3,5 Prozent ihrer schnell zunehmenden Ersparnisse angelegt. Die Münchner wollen in Indien so bald es geht ihre volle Palette von Finanzdiensten anbieten, auch Pensionsfonds. Deren Zulassung für Privatanbieter wird durch Kommunisten ausgebremst, welche eine Mitte-Links-Minderheitsregierung stützen. An ihrem Widerstand scheitert auch eine seit Jahren versprochene Erhöhung der Beteiligungsgrenze für ausländische Versicherer, die sich noch mit 26 Prozent an ihren lukrativen Joint Ventures begnügen müssen. "Wir hoffen weiter, bald auf 49 Prozent gehen zu dürfen", meint Zedelius. Aber die politischen Entwicklungen seien schwer vorherzusagen.
Sicherer ist die Prognose, dass Asiens Bedeutung im Allianz-Konzern stetig zunehmen wird. Im Vorjahr stiegen die Prämieneinnahmen dort um 14 Prozent auf 7 Mrd. Euro, der Betriebsgewinn um 18 Prozent auf 335 Mill. Euro. Zusammen mit Zentral- und Osteuropa durchbrach der Umsatz 10 Mrd. Euro. Auf diese Wachstumsmärkte entfällt nun ein Zehntel des Geschäfts. In drei bis fünf Jahren will Zedelius in der Region 15 Mrd. Euro einnehmen.
Wachstumsmarkt China
Neben Indien soll vor allem China das Wachstum treiben. Dort ist für den Vorstand das Ende einer langen Durstrecke in Sicht. Die Beteiligung an der ICBC Bank im Vorjahr mit 1 Mrd. Dollar zahle sich aus - nicht nur, weil sich der Wert des 2,5-Prozent-Anteils verdreifacht hat: "Wir haben nun Zugang zu deren Filialen, sind sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit und erwarten, dass unser erhöhtes Wachstumstempo Dauer hat", so Zedelius. Neben neuen, eigenen Niederlassungen in mittlerweile 13 Städten ist der Vertriebskanal ICBC ein Faktor dafür, dass die Prämieneinnahmen in China im Vorjahr um das Zweieinhalbfache gestiegen sind. Im Vergleich zu Indien enttäuschen sie aber mit 135 Mill. Euro noch immer.
Auch außerhalb der großen Märkte China, Indien und Russland will die Allianz zulegen, unter anderem in zentralasiatischen Ländern wie Kasachstan. In der Ukraine wollen sich die Münchner eventuell durch einen Zukauf stärken, wie kürzlich in Malaysia und Taiwan. Im Fokus steht auch Indonesien, das viertgrößte Land der Welt. Dort soll der Konzern unter die ersten drei Versicherer kommen.
Quelle: Handelsblatt.com
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